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Nachbarn sind wohl heillos zerstritten

Darf man alles fotografieren?

Warendorf

Bald wird sich auch noch das Verwaltungsgericht Münster mit dieser Thematik befassen – vor dem Amtsgericht in Warendorf ging es jetzt zunächst einmal um einen Nachbarschaftsstreit in der Warendorfer Altstadt. Ein friedliches Miteinander der Konfliktparteien ist noch nicht in Sicht.

Von Christopher Irmler

Vor dem Amtsgericht Warendorf ging es um einen Nachbarschaftsstreit. Foto: WN-Archiv

Ein offenkundig eskalierter und völlig festgefahrener Nachbarschaftsstreit beschäftigte am Mittwoch das Amtsgericht.

Im Mittelpunkt steht der Vorwurf des Verwalters und Teileigentümers eines Fachwerkhauses in der Altstadt, eine Nachbarin habe eigenmächtig den Grenzstein versetzt, eine Grenzmauer ebenso eigenmächtig erhöht sowie Erdreich an der Hauswand des Fachwerkgebäudes aufgeschüttet. Zudem habe es nicht abgesprochene Malerarbeiten gegeben.

„Mein Eigentum wird beschädigt“, machte er nun deutlich. Er befürchte eindringende Feuchtigkeit und Schimmelbildung und wolle nur seine Mieter schützen. Mehrfach habe er die Stadt Warendorf kontaktiert – ohne Erfolg.

Klage gegen die Stadt

Ihm bleibe wegen dieser aus seiner Sicht gegebenen Untätigkeit nur eine Klage gegen die Stadt; das Verwaltungsgericht Münster befasst sich bald mit der Angelegenheit.

Um die Frage, ob es tatsächlich zu Fehlverhalten durch die Nachbarin kam, ging es am Mittwochmorgen im Amtsgericht allerdings gar nicht, sondern um das eigenmächtige Agieren des vermeintlich Geschädigten. Dieser war im April und Mai auf die Rettungstreppe seines Hauses gestiegen, um Fotos vom Nachbargrundstück zu schießen. Vom Anwalt der Nachbarin bekam er dafür Post in Form einer einstweiligen Verfügung – eigentlich. Denn der sogenannte Verfügungsbeklagte ignorierte nicht nur den Brief der Gegenseite, sondern schickte diesen ungeöffnet zurück. Er müsse das nicht lesen, befand der selbst nicht in der fraglichen Immobilie Wohnende, der seinerseits ohne juristischen Beistand erschien. „Über Ihre Kontopfändung lache ich“, machte er der Gegenseite klar.

Die Richterin machte ihn darauf aufmerksam, dass der Brief korrekt zugestellt worden sei. „Zugestellt reicht im Postkasten.“ Die Mauer sei von ursprünglich 2,60 Meter auf 4,50 Meter erhöht worden, monierte der verärgerte Teileigentümer. „Dagegen können Sie sich wehren – aber nicht mit Fotos“, erläuterte ihm der Anwalt der Nachbarin. Die gab an, es sei der Verwalter gewesen, der schriftlich auf einem Sichtschutz bestanden habe. Ferner äußerte sie ihr Unwohlsein und behauptete, ihr Gegenüber verteile die gemachten Fotos, auf denen sowohl Garten als auch rückwärtiger Wohnbereich zu sehen seien, an Dritte. All seine Vorwürfe entsprächen nicht der Wahrheit.

Nachbarschaftskonflikte sind Alltag

Die Richterin berichtete aus ihrer beruflichen Praxis. Nachbarschaftskonflikte seien Alltag; man bestelle einen Gutachter und kläre die Situation. Später fragte sie nach der Möglichkeit eines wie auch immer gearteten friedlichen Miteinanders der Konfliktparteien. Da sehe er wenig Chancen, entgegnete der Verwalter, seine Nachbarin unterstellte ihm, ihr gegenüber handgreiflich geworden zu sein, bereits „die halbe Straße“ verklagt zu haben und damit eine Art Volkssport zu betreiben. „Sie verlangen von mir Beweise, ich mache keine Fotos von Personen“, verteidigte der Eigentümer sein Handeln. Wenn allerdings jemand sein Eigentum anstreiche, fotografiere er das natürlich. Das Grundstück sei von allen Seiten frei einsehbar. Erst am Samstag habe er durch das Fenster einer höher gelegenen Wohnung Fotos gemacht. „Glückwunsch“, kommentierte der Anwalt der Nachbarin diesen offenkundigen Verstoß gegen die einstweilige Verfügung, die nach Vorstellung des Verwalters aufgehoben werden sollte. Eine Entscheidung in der Zivilsache fällt noch.

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