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Werkzeitung sorgt für Integration

Das Bindeglied der „Brinkhäuser“

Warendorf/Freckenhorst

Die Firma Brinkhaus hat über Jahrzehnte nicht nur das Bild der Stadt bestimmt, sondern auch vielen Menschen in der Stadt einen Arbeitsplatz geboten. Über die Jahre erlebte die Firma Höhen und Tiefen. Mechthild Wolff, Vorsitzende des Heimatvereins, hat die Brinkhaus-Werkzeitung „Ketting und Einschlag“ und diverse Archive ausgewertet.

Von Mechtild Wolff

Der Chef Hermann Gustav Brinkhaus bereitete die Lehrlinge auf die Prüfung vor. In der Werkzeitung „Ketting und Einschlag“ wurde oft über die Werktätigen berichtet. Foto: Alfred Kaup Ketting und Einschl

Es war eine kluge und mutige Entscheidung der Geschäftsleitung der Firma H. Brinkhaus, schon 1950 eine Werkzeitung herauszubringen. „Ketting und Einschlag“ sollte sie heißen und viermal im Jahr erscheinen, im Frühling, im Sommer, im Herbst und im Winter.

Die Zahl der Werksangehörigen schnellte in den 1950er-Jahren rasant in die Höhe. 1957 war die Schallgrenze von 1000 Betriebsangehörigen überschritten, von denen über die Hälfte nach dem Krieg zu Brinkhaus gekommen war. Nie hatte es solch eine bunte Zusammensetzung der Werktätigen gegeben. Hunderte von Flüchtlingen und Vertriebenen hatten in der Firma Arbeit gefunden. Eine Herausforderung stand bevor: All diese Werksangehörigen sollten „echte Brinkhäuser“ werden, ihnen sollte die Vergangenheit und die Gegenwart der Firma vertraut gemacht werden. Außerdem sollte „Ketting und Einschlag“ eine Verbindung schaffen zwischen den drei Werken Warendorf, Sassenberg und Freckenhorst.

Fortlaufende Chronik der Firma Brinkhaus

Es war ein Glücksfall, dass der Historiker Dr. Paul Casser die Redaktion übernahm. Er erstellte eine fortlaufende Chronik der Firma Brinkhaus und schlug gleichzeitig einen Bogen zu den Ereignissen in Warendorf, Westfalen und Deutschland. Der Schwerpunkt der kulturellen Beiträge lag in der Erforschung der für Warendorf sehr bedeutsamen Leinewebervergangenheit und der industriellen textilen Gegenwart.

Das erste Heft startete mit dem Werden und Wachsen der Firma H. Brinkhaus, angefangen im Gründungsjahr 1847 in Warendorf über den Bau der neuen Fabrik 1879 an der Ems und den Gründungen der Zweigwerke 1898 in Sassenberg und 1907 Freckenhorst. Vier Generationen haben für den Aufstieg dieser Werke hart gearbeitet, und es war oft schwer genug, die Firma über Notzeiten zu retten.

Feierabend für die Brinkhaus-Mitarbeiter Foto: Alfred Kaup / „Ketting und Einschlag“

So überlieferte die Werkzeitung ein Bild von der spannenden Geschichte der Firma Brinkhaus. In vielen Artikeln machten die Geschäftsleitung und die Betriebsleitung die technischen und sozialen Neuerungen verständlich, damit jedem Mitarbeiter klar wurde, dass neue Zeiten neue Erkenntnisse bringen und die Firma nur durch moderne Technik und Rationalisierung den Konkurrenzkampf bestehen kann.

Viele Berichte über „Brinkhäuser“

Auch die „Brinkhäuser“ trugen mit ihren Berichten über Betriebs- und Kinderfeste, Lehrlingsfahrten, über die Werkbücherei und die Betreuung der Kranken und der Familien, aber auch von Urlaubsreisen und besonderen Erlebnissen zum Erfolg der Werkzeitung bei. Die ausländischen Mitarbeiter erzählten von ihrer Heimat, und auch die politische Situation des Landes wurde thematisiert. Es fehlte nicht an lustigen Ereignissen aus der Werkgemeinschaft, denn Witz und Humor würzten den Alltag.

Eine besondere Aufgabe sah „Ketting und Einschlag“ in den Berichten über die Werktätigen. Viele Jahre lang hat Hermann Josef Brinkhaus dafür verantwortlich gezeichnet, dass über Geburtstage, Hochzeiten, Silber- und Goldhochzeiten, Kindtaufen und die Verstorbenen der Werkfamilie ausführlich berichtet wurde. Niemand wurde vergessen, dafür sorgten auch Bruno Reimer und Bernhard Weyer aus der Lohnbuchhaltung.

In ausführlichen Lebensbeschreibungen wurden die Silberjubilare, die 40-jährigen Jubilare und die Goldjubilare vorgestellt und ihre Verdienste gewürdigt. In „Ketting und Einschlag“ erwähnt worden zu werden war wie ein Ritterschlag.

Integration von Flüchtlingen und Vertriebenen

Eine besondere Aufgabe sah die Firma in der Integration der Flüchtlinge und Vertriebenen. In jeder Ausgabe von „Ketting und Einschlag“ fand sich eine meist sehr bewegende Erzählung über das Schicksal und die Erlebnisse der Heimatvertriebenen und Flüchtlinge.

Die Zeitschrift war Mittler zwischen dem Betrieb und den Familien und unterstützte den Betriebsstolz und die Betriebstreue der Belegschaft. Sie war ein echtes Bindeglied aller „Brinkhäuser“. Ja, die „Brinkhäuser“ waren mit Recht stolz auf ihre Werkzeitschrift „Ketting und Einschlag“ und freuten sich auf jede neue Ausgabe.

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