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Ukrainische Familie lebt seit einer Woche in Freckenhorst

„Das ist ein sinnloser Krieg“

Freckenhorst

Die Fremdsprachenlehrerin Luidmyla ist mir ihrer Familie aus der Ukraine geflohen und in Freckenhorst untergekommen. Sie berichtet von ihrer Flucht und der Sinnlosigkeit des Krieges. Gleichzeitig dankt sie allen für die Solidarität mit der Ukraine.

Von Ulrich Lieber

Luidmyla und ihre Tochter Kristina nahmen an der Friedensaktion an der Stiftskirche teil. Die Fremdsprachenlehrerin sprach zu den über 300 Kindern und dankte ihnen für die Solidarität. Foto: Ulrich Lieber

Es war ein bewegender Augenblick, als Luidmyla aus der Ukraine bei der Friedensaktion der Everwordschule (Bericht auf Seite 5) das Mikrofon ergriff und sich für die Solidarität bedankte. Seit einer Woche ist die Lehrerin mit ihrer Familie in Freckenhorst und wohnt bei Hermann Flothkötter.

„Uns ging es gut. Wir sind in der Ukraine zufrieden und durften alles sagen. Und dann kommt der Mann und will uns befreien. Das ist ein sinnloser Krieg“, sagt Luidmyla, die gemeinsam mit ihren Töchtern Kristina (13), Eva (10) und ihrem Mann Serhii geflohen ist. Ihr Mann durfte gehen, weil er vor zwei Jahren schwer erkrankt ist. Ihr Bericht von in ihrem Wohnort in der Nähe von Kiew ist beklemmend. „Wir haben die letzten Tage im Keller verbracht. Keine Chance, um zu schlafen, denn alle zwei Stunden gingen die Sirenen. Das war kein Leben.“ Irgendwie hat die Familie versucht zu überleben und gehofft, dass es bald vorbei ist. Als dann aber eine Rakete in der Nachbarstraße einschlug und 25 Häuser zerstörte, wurde die Angst größer. „Wir haben dann schnell die Koffer gepackt. Aber wir wussten nicht, wohin wir sollten. Wir waren fünf Tage unterwegs, haben zehn Stunden an der Grenze nach Polen verbracht“, berichtet Luidmyla. Schließlich wurde die Familie in einer Sporthalle gemeinsam mit 300 Leuten untergebracht. Als Fremdsprachenlehrerin spricht sie fast perfekt Deutsch und überlegte, wie s weitergeht. Sie hatte noch Kontakte mit Berlin und wurde von dort aus nach Freckenhorst weitergeleitet. „Ich bin glücklich, dass wir bei Hermann untergekommen sind. Was er für uns tut, das ist unglaublich.“ Für Hermann Flothkötter war es eine Selbstverständlichkeit. „Ich habe zwei neue Töchter“, schwärmt er und wird dann ernst. „Ich hätte nicht erwartet, noch einmal Krieg zu erleben. Jeder muss jetzt nach seinen Möglichkeiten konkret werden. Wer Menschen beherbergen kann, der sollte das tun.“

Luidmyla möchte mit ihrer Familie so schnell wie möglich wieder in ihre Heimat. „Ich hoffe, dass Putin nicht gewinnt. Es ist nicht sein Land. Er ist zu uns gekommen, aber er hat keine Chance. Wir haben große Unterstützung aus Europa und den USA.“

Für die Töchter Kristina und Eva geht es Montag erstmals in die Realschule. Dort werden sie mit offenen Armen aufgenommen. „Es ist wichtig, dass sie wieder Struktur in den Tag bekommen“, sagt Flothkötter.

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