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„Kirchenmaus“ predigt zu Karneval von der Kanzel

Der Corona-Floh und die „Dreieinigkeit“

Warendorf

Sie ist längst ein Klassiker: die gereimte Karnevalspredigt am Wochenende vor Rosenmontag des Warendorfer Pfarrers und Kreisdechanten Peter Lenfers. Nach einem Jahr Corona-Pause stieg die „Kirchenmaus“ am Sonntag auf die Kanzel und rechnete – aus aktuellem Anlass – auch mit Putins Einmarsch in die Ukraine ab.

Von und

Sie hat Kultstatus. Die „Kirchenmaus“ von Pfarrer Peter Lenfers ist in Warendorf legendär. Foto: Pfarrer Lenfers

Diese

Maus muss man einfach mögen. Sie ist aus Plüsch und trägt sogar ein Kreuz. Normalerweise sitzt sie im Regal über dem Schreibtisch von Pfarrer Peter Lenfers. Doch an diesem Karnevals-Wochenende liest sie den Besuchern der Gottesdienste – nach einem Jahr Pause – wieder die Leviten: Missbrauchsskandal in der Kirche, Corona-Pandemie, Lokalkolorit und Landesgartenschaufieber, Ampel-Gehampel im Bundestag, Downing Street wird Amüsiergebiet, krankes Putin-Hirn toppt Dummkopf-USA. . .

„Psst, psst, ihr Leut! Da bin ich wieder mit meinem grauen Mausgefieder. Im letzten Jahr, da gabs ne Pause. Die Kirchenmaus, sie blieb zuhause. Sie hatte nämlich keinen Bock. Die ganze Welt stand unter Schock. Denn plötzlich gabs von irgendwo nen frisch entdeckten wilden Floh, der setzte – ungern ich vermelds – sich rasend schnell in unsern Pelz.

Aus Wuhan kam das Ungeziefer und um den ganzen Erdball lief er. Gebannt die Welt sah die Gefahr und wusst nicht, was zu machen war. Der Floh, ein rasend Wüterich, im Handumdrehn die Welt beschlich.

Er sprang vom einen zu dem andern, um ungebremst umherzuwandern. Anfangs noch gar nicht ernst genommen, war kurz darauf man schon beklommen.

So manches Bild ließ keine Ruh: Herrgott, was kommt da auf uns zu?

Der Floh, den intressiert das nicht, fiel immer stärker ins Gewicht und hat uns schließlich ausgenockt, ab Mitte März uns downgelockt. Wo eben alles frisch und munter, da ging´n jetzt Jalousien runter.

Gedränge noch im Karneval, jetzt leere Straßen überall. Auch in der Kirch mit großem Knallen sind alle Türen zugefallen.

Auf einmal saß ich Kirchenmaus wie Kevin ganz allein zuhaus. Dazu die schaurig-schöne Stille…

War das denn irgendjemands Wille?

Es nutzte nix, sich zu verkriechen: Der Floh, er konnt uns förmlich riechen. Er hat so manches umgewertet und es ins Gegenteil verkehrtet. „Distanz“, so hieß das Zauberwort. Man halte sich vom andern fort. Denn wer zuvor uns nahe war, geriet ganz plötzlich zur Gefahr.

Er könnt den Floh uns übertragen, dann ginge es uns an den Kragen. Der Floh macht rundum den Garaus, denn alles Schöne fiel jetzt aus. Kein Live-Konzert, kein Fußballspiel. Von Erstkommunion blieb auch nicht viel. Geburtstags- und auch Hochzeitsfeiern braucht man erst gar nicht anzuleiern.

Die Kneipen dicht, die Läden zu. Nur einkaufen noch durftest du. Doch obendrein die Angst beschleicht, dass es im Supermarkt nicht reicht. Hefe, Mehl und Klopapier warn plötzlich jetzt die Renner hier. Leere Regale mehr und mehr, fast wars wie in der DDR.

Leer blieben auch die Klassenzimmer, kein Schüler durfte kommen nimmer, musste zuhaus am Laptop sitzen und über Lerninhalten schwitzen.

Die Umstellung auf digital

geriet zur regelrechten Qual. Zuhaus auch Papa und Mama, drum homeoffice ein Sprengstoff war. Beengt mit Eltern und Geschwistern, da konnt es schon mal mächtig knistern. Dann gab es erste Lockerung, ein wenig kam die Welt in Schwung. Und wer jetzt lange Haare hatte, stand beim Friseur gleich auf der Matte. Die Läden machten wieder offen und ließen doch ein bisschen hoffen, Spielplätze auch und auch Museen. Zur Messe durft man wieder gehen.

Der Kirchenraum neu formatiert, Besucherzahlen minimiert. Der Pfarrer freute sich ganz doll, die Kirche war mit Abstand voll. Abstand, da blieb es stets beim Alten, den galt es weiterhin zu halten. Vermummung, sonst nicht angesagt, war nach wie vor akut gefragt. Schnutenpulli, dieses Ding, wir kannten´s nur aus Asien. Und lüften hieß jetzt die Devise, denn Frischluft bringt uns durch die Krise. Den Floh, den juckt das alles nicht. Der war auf eines bloß erpicht, nur munter hin- und herzuspringen, zielstrebig weiter vorzudringen.

Die Politik, sie mühte sich,

versucht´ es immer einheitlich. Nach jeder Sitzung stereotyp kaum jemand bei dem Konsens blieb. Der eine Hü, der andre Hott – das ruiniert Vertrauen flott, hat Spaltung nur hervorgebracht, derweil der Floh ins Fäustchen lacht.

Hatt er im Sommer schlechtre Karten, musst er nur auf den Winter warten. Dann war er kräftig gar zur Stelle beschleunigte die nächste Welle. Der Floh war schlicht nicht zu besiegen. Wie könn´ wir ihn zu packen kriegen?

Bis sie dann kam, die frohe Kunde, auch sie macht´ rasend schnell die Runde:

Es gäbe jetzt ne dolle Keule, die gäb dem Floh ne fette Beule. Da gäb es jetzt so einen Stoff, der gäb dem Floh so richtig Zoff. Wir müssten uns nur pieksen lassen, dann kriegten wir das Ding zu fassen: „Deutschland, bitte lauf dich warm und entblöß den Oberarm!“

Schlagartig gabs nen großen Run: Wer kam denn nun als erster dran? Zunächst die mit dem Risiko bekäm´n den Pieks gegen den Floh, später dann mittlere Schicht und auch die Jung´n vergäß man nicht. Das Ganze scheitert schon beim Buchen, als viele schier verzweifelt fluchen. Manch einer hab sich vorgedrängelt, wird laut und öffentlich bemängelt. Das Pieksen nimmt nun Tempo auf, gerät zunächst zum schnellen Lauf. Doch dann die Quote, die erhoffte, recht bald erlahmt und fast verpoffte.

Denn Störenfriede, kaum zu fassen, die wollten sich nicht pieksen lassen. Hutbewehrte raunten gar, der Pieks ging an die DNA. Ich dachte noch, ob ich denn bete, dass er´s bei manchen wirklich täte?

Gar manche durch die Lande liefen, das End´ der Republik ausriefen ,behaupteten ganz steif und stur, wir hätten hier ne Diktatur.

Wenn dem so wäre, bitte sehr, gäbs keine Demonstranten mehr. Dann stünden auf ner großen Liste postwendend allenfalls Vermisste. Wissen die Typen eigentlich, wie gut sie`s haben – unterm Strich?

Da sieht man, was nur – in der Tat – der blöde Floh bewirket hat. Erst schafft er Solidarität: Die ganze Welt zusammensteht. Man lobt die Menschen in der Pflege und ist auch sonst noch ziemlich rege, man musiziert von den Balkonen, schafft manche gute Hilfsaktionen und hat gemeinsam Zuversicht: so wird der Floh alsbald vernicht´. Doch dann, der Floh sich gar nicht ziert, die Menschen er polarisiert. Er produziert Ideologien und gar Verschwörungstheorien.

Mir scheint, er hat – Gott sei´s gepfiffen – auch manches Hirn arg angegriffen, z.B. in den USA. Da gabs doch diesen Dummkopf da, der ist bei´n Präsidentschaftswahlen durch Hass und Hetze aufgefallen. Als bei der Wahl dann abgerauscht, hat er den Pöbel aufgebauscht.

Ein echter Antidemokrat, der´s Prinzip nicht begriffen hat. Die Stimm gewaltig, die Birne hohl, schickt er den Mob aufs Kapitol. In einem Land, wo jeder Affe hantieren darf mit einer Waffe, verherrlicht dreist er die Gewalt, stellt wahre Demokraten kalt. –

Auch so ein schräger Populist der Wirrkopf von der Insel ist. Gegen Europa immerzu führt er sein Land aus der EU, er bagatellisiert den Floh, macht heimlich Partys, oh, oh, oh. Er predigt Wasser, trinket Wein. Ja, so gebiert sich dann ein Schuft. Die seriöse Downing Street wird just zum Amüsiergebiet. Denn dieses Demagogenbübchen ist nicht ganz klar im Oberstübchen.

Doch ganz akut, es ist bekloppt, wird er von Putin schwer getoppt. Der schickt die Panzer durch die Lande, was eine widerwärtige Schande! Er torpediert das Völkerrecht. Ganz ehrlich, dabei wird mir schlecht. Und nicht nur das! Auch angst und bange.

Auch wenn man´s kommen sah schon lange. Mit Propaganda und mit Lügen die Grenzen sich zurechtzubiegen, die Weltgemeinschaft zu verhöhnen, statt Gegensätze zu versöhnen. Ja, hinter einer solchen Stirn, da steckt nur noch ein krankes Hirn.

Der russisch` Bär: ein Ungeheuer, brutal und voller Paranoia. Er meint, er sei ein echter Zar, doch ist in Wahrheit ein Barbar. Ich glaube fest, dieser Tyrann ist einst vorm Weltenrichter dran. O Herr, lass Hirn vom Himmel regnen! Und magst uns neu mit Frieden segnen.

Als wär die Erde sowieso nicht schon gestraft mit diesem Floh, der seit zwei Jahren diese Welt in Wellenform in Atem hält. Wir dachten, bald schon komm´n die Tage, da ist vorüber diese Plage. Ja, sie verblasst dann wohl geschwind vor Dingen, die viel größer sind.

Gleichwohl – zurück zu unserm Floh, denn der verbleibt uns sowieso, hat schon vor Ort im ersten Jahr hier mächtig eingegriffen gar. Bei Jahresfesten ist es Brauch, dass Prinz und König wechseln auch. Wer Prinz war bei der WaKaGe, der sagt nach einem Jahr „Adieu“. Wer König war beim Schützenfest, grüßt dann zum Abschied „All the best“.

Der böse Floh im Handumdrehn erschafft ein neues Phänomen, hält beide lange auf den Thronen: „Long-Prinz“, „Long-König“! Soll ja lohnen! Prinz und König allsoweit gerieten zur „Dreieinigkeit“.

Was für ein Jahr geplanet war, verlängert sich um glatt zwei Jahr. Dank Floh ging vieles nicht reell, drum wich man aus auf virtuell. Auch bei der Wahl zum Bürgermeister. Direkt, das ging nicht. Scheibenkleister!

Man duellierte sich, so ‘n Schitt, und stieg am Bildschirm in die Bütt. Der Alte kriegt nen großen Kater, der Neue wird zum Senkrechtstarter. Doch glaubt mir´s bitte, sowieso, das lag nun wahrlich kaum am Floh. Der hielt uns weiterhin auf Trab. Wir gaben ne Bewerbung ab für eine Landesgartenschau:

2-26, ja genau! Und die Bewerbung war enorm und selbstverständlich floh-konform. Der Rat gemeinsam es bedachte und dennoch wieder sich verkrachte, als es um diese Insel ging.

Nun kurzerhand: man kauft das Ding. Die einen, denen sehr gefällts, die andern, denen juckts im Pelz.

Im Pelz, es ist schon sehr verruckt, es auch die Mutter Kirche juckt. Nicht enden wollende Skandale geraten ihr zur Stolperfalle.

Missbrauch weltweit, seit ehedem, steckt DNA-gleich im System. Das alles endlich aufzubrechen, war immer wieder das Versprechen.

Es wurden Studien gemacht, in manches Dunkel Licht gebracht. Und man gelobte Ehrlichkeit. Doch war man echt dazu bereit?

Kaum ein Hierarch bequemt sich eben, mal ein Versagen zuzugeben. Stattdessen sprachlich wird verschleiert, juristisch spitz herumgeeiert.

Bei jenem Kölner Kardinal

fürs ganze Bistum wird’s zur Qual. Und letztlich wird’s zum Riesenschaden für den gesamten Kirchenladen.

Tja, Flöhchen, bitte glaub es mir: In diesem Fall kannst nix dafür!

Da gibts jedoch noch andre Fälle da warst Du wieder mal zur Stelle. Im letzten Herbst ja Wahlkampf war, Regierungshandeln wurde rar.

Die lahme GroKo tat sich zieren, Regeln klar zu definieren. Und bis im Amte war die Ampel, mehr schlecht als recht wars ein Gehampel.

Den Floh, den tat es nur belohnen mit heftig neuen Infektionen. Stets gabs, was wir zunächst nicht kannten, von ihm ganz neue Varianten. Erst Alpha, Beta und dann Gamma, die war´n für sich allein der Hammer.

Dann Delta, hochbedrohlich schon, zuletzt dann erst mal Omikron. Wer diesem Floh die Namen gibt, der machte richtig sich beliebt, wenn er ihm gäb vom Alphabet den Letzt-Buchstaben, der dort steht.

Denn „Omega“ brächte die Wende, dann wär der Floh endlich am Ende. Doch ist die Maus nicht so naiv, denn ganz bestimmt gehts wieder schief. Ein Weilchen wird der Floh wohl bleiben, uns immer neu die Zeit vertreiben.

Der Floh, das ist längst allen klar, in Wirklichkeit ein Virus war.

Sein Name? – ich könnt schier erbrechen – ich weigre mich, ihn auszusprechen!

Was hat er alles angerichtet, die Welt fast förmlich umgeschichtet. zu viele Opfer produziert, an harte Grenzen uns geführt. Er war und ist Gefahr genug!

Doch wärs auch schlechterdings ein Fluch, würd er uns gleichsam so betören, dass wir noch den Humor verlören, auch gerade jetzt in diesen Tagen, wo wir uns stellen bange Fragen.

Ja, nötig ist auch in der Krise von Lebensfreude eine Brise. Bei allem Ernst, das brauchen wir, egal ob Mensch, ob Mausgetier. Drum, Herr, magst Du die Lage wenden, um diesen Driss bald zu beenden.

Mach endlich, Herr, uns wieder froh. Befrei uns von dem lästgen Floh! Und wenn er unausrottbar ist, dann lehr uns leben mit dem Mist!

Amen. So sei es, ei der daus. War´ndorf Helau! Die Kirchenmaus.

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