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Michael Kantrowitsch hat die „Weihnachtslichter“ inszeniert

Der Regisseur des Lichts

Warendorf

Michael Kantrowitsch hat die „Warendorfer Weihnachtslichter“ kreiert. So fühlt er sich fast rund um die Uhr für seine Licht- Installationen verantwortlich. Licht ist Kantrowitschs Leidenschaft.

Beate Trautner

Von oben entfaltet der Blick auf das illuminierte Stadtzentrum erst seine ganze Wirkung. St. Laurentius und St. Marien sind dabei regelrechte „Leucht-Türme“. Foto: Andre Auer

„Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?“ Nein, es ist nicht Goethes Erlkönig, den man mit viel Glück abends in der Warendorfer Innenstadt sehen kann. Obwohl Goethe vor langer Zeit ja auch schon einmal in Warendorf gewesen ist.

Dagegen kann man den Warendorfer Michael Kantrowitsch durchaus abends in der illuminierten Stadt antreffen. Kantrowitsch reitet allerdings nicht durch die Stadt – obwohl auch das passen würde –, sondern ist dann eher mit Leiter und Ersatzleuchten unterwegs.

Lichtdesigner Michael Kantrowitsch hat die „Warendorfer Weihnachtslichter“ kreiert. So fühlt er sich fast rund um die Uhr für seine Licht- Installationen verantwortlich. Licht ist Kantrowitschs Leidenschaft. Und diese Leidenschaft spürt man immer wieder aufs Neue, wenn man ihn über seine Installationen reden hört.

Unterwegs mit Leiter und Ersatzleuchten

Kantrowitsch und das Team um ihn herum haben die Illuminationen innerhalb von drei Wochen aus dem Boden „gestampft“. Davon war nur eine Woche für den Aufbau da. Dabei sind das TAW und Jens Högemann im Besonderen und die LAM-Showtechnik GmbH von Bernd Krause aus Menden. Beide lieferten Technik und „Menpower“, erklärt Kantrowitsch. „Das Projekt konnte nur stattfinden, weil alle sofort dabei waren.“

Wer sich nun einen Lichtdesigner im schicken Anzug und vor dem Laptop in einem Büro vorstellt, liegt daneben und bei Michael Kantrowitsch sogar völlig falsch. Er packt gerne mit an und muss das auch, wenn er seine „Lichter“ gemäß seinen Vorstellungen präsentieren will. Michael Kantrowitsch hat die WN zu den Ursprüngen einer Lichtinstallation auf dem Turm der Marienkirche eingeladen und ließ sie den atemberaubenden Blick über die illuminierte Stadt genießen.

Michael Kantrowitsch

Spätestens hier wird klar, welch aufwendiges Unterfangen es ist, LED-Strahler und anderes Gerät zu den Orten zu schaffen und dann alles zu verkabeln. Höhenangst ist auf jeden Fall fehl am Platz. „Wir sind dann mit Seilen doppelt und dreifach gesichert“, erklärt Kantrowitsch. Mit „wir“ meint er das gesamte Team. Denn trotz aller Leidenschaft ist das alles natürlich nicht allein zu bewerkstelligen.

Anschließend gibt es noch eine ganz persönliche Stadtführung von einem beleuchteten Objekt zum anderen. Allerdings muss direkt am Stadttor ein kurzer Zwischenstopp eingelegt werden. Zwei LEDs waren defekt. Sogleich holt Kantrowisch die große Leiter aus dem Theater am Wall und tauscht die defekten Lichter aus.

Bei seinen nicht enden wollenden Erläuterungen und Erklärungen zu den farbig angeleuchteten Objekten strahlt er selbst die ganze Zeit vor Begeisterung.

Licht hat viele Eigenschaften

Aber was macht für ihn den Reiz des Lichtes aus? Wieso möchte jemand so etwas tun und nichts anders?

Dazu muss man auf dem Zeitstrahl zurück in das Jahr 1999 gehen. Kantrowitsch ist 14 Jahre alt und steht für das Musical „Tanz der Vampire“ mit seiner Klarinette auf der Bühne. Die Theaterluft hatte ihn sofort gefangen genommen. Aber er merkte schon da, dass ihn das Geschehen rund um die Theaterproduktionen mehr interessierte, die Lichttechnik ganz besonders. So wurde er zum festen Teil des freiwilligen TAW- Teams.

„Licht ist ein visueller Multiplikator der Kunst und somit der Menschen“, ist er sicher. „Unterschiedliche Farben werden unterschiedlich wahr genommen“.

Tatsächlich kann man mit Licht das Geschehen unterstützen, aber auch beeinflussen und sogar Erwartungshaltungen forcieren. Licht kann fokussieren, kaschieren oder abstrahieren und eine Dramaturgie richtungsweisend prägen – emotional und szenisch.

Von 2007 bis 2009 absolvierte er sein Lighting-Design-Studium an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Hildesheim und gründete gleichzeitig zum Studienbeginn das Unternehmen „arsluminis lighting design“.

Kantrowitsch über Gedanken für eine Wiederholung

Seitdem und bietet er professionelle Lichtgestaltung an. Unter anderem kreiert er Lichtdesigns für Festivals, Corporate Events, Messen, Konzerte und Architektur, wobei ihn sakrale Räume besonders faszinieren. Seine Lichtdesign-Konzepte setzt er rund um den Globus ein. In seiner „Münchener Zeit“ kam die neue Licht- Leidenschaft für Tanz und Ballett durch die Mitarbeit bei der „Junior Company“ des Bayrischen Staatsballetts dazu. Projekte in Ländern wie den USA, Japan, China, Aserbaidschan, Island und dem gesamten europäischen Festland gehörten zu seinem Arbeitsalltag.

Auch auf den großen Automobil-Shows führt er den „dicken Pinsel“. „Bis zum 11. März 2020 war ich in Barcelona und habe bei einem Automotive-Event den neuen Seat Leon beleuchtet“, erzählt er.

Dann kam Corona. Wie alle Künstler ist auch Kantrowitsch stark davon betroffen, denn die gesamte Veranstaltungstechnik liegt derzeit dadurch brach.

So ganz weg war der Warendorfer aber nie. Und seit eineinhalb Jahren wohnt er mit seiner Familie sogar wieder hier. Zu tun hat er trotzdem einiges. Zudem habe er Zeit, sein Haus in Warendorf zu gestalten – mit Licht natürlich, meint er. „Wenn ich nicht die großen Bühnen ausstrahlen kann, dann eben mein Wohnzimmer“, witzelt er. Dadurch kam ihm die Idee, zukünftig vermehrt Lichtkonzepte für privates Wohnen zu verkaufen.

Eine eigene Firma mit dem Thema Licht

Und dann gibt es ja noch die Warendorfer Weihnachtslichter.

Vielleicht gibt es im nächsten Jahr sogar eine Neuauflage dieser Illumination, dann begleitend zum Weihnachtswäldchen. „Aber dann bitte mit mehr Zeit für die Umsetzung, mit mehr Sponsoren und mehr Beteiligten“, wünscht sich Michael Kantrowitsch. „Vielleicht könnte man auch die Bürger mehr mit einbinden“.

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