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Veranstaltungstechniker Nico Steinmann brechen coronabedingt die Aufträge weg

„Die Branche ist komplett kaputt“

Warendorf

Nico Steinmann ist maßlos enttäuscht vom Krisenmanagement der Bundesregierung. „Inzwischen muss ich nicht nur auf meine Rücklagen, sondern auch auf meine Privateinlagen zurückgreifen“, sagt der Veranstaltungstechniker und DJ, wohl wissend, dass er, gemessen an vielen Kollegen, auf vergleichsweise hohem Niveau klagt.

Joke Brocker

Nico Steinmann hat sein Unternehmen „Power of music“ vor zwölf Jahren gegründet. Foto: Privat

„Der Fiskus kassiert immer mit, wenn wir auflegen. Und was ist, wenn wir in die Bredouille geraten?“ Nico Steinmann ist maßlos enttäuscht vom Krisenmanagement der Bundesregierung. „Inzwischen muss ich nicht nur auf meine Rücklagen, sondern auch auf meine Privateinlagen zurückgreifen“, sagt der Veranstaltungstechniker und DJ, wohl wissend, dass er, gemessen an vielen Kollegen, auf vergleichsweise hohem Niveau klagt.

Sein vor zwölf Jahren gegründetes Unternehmen „Power of music“ betreibt er im Nebenerwerb. Der gelernte Informationselektroniker und Beschallungstechniker ist hauptberuflich in einem Elektrogroßhandel tätig. Wenngleich das Unternehmen Kurzarbeit anmelden musste, ist aber doch das monatliche Einkommen Steinmanns gesichert.

Gekauft statt geleast

Er finde es ja richtig, dass Menschen, die zu 100 Prozent auf die Soforthilfen angewiesen seien, verstärkt berücksichtigt würden, betont er. Aber auch er und viele Kollegen aus der Branche hätten jeden Monat Verluste zu verkraften. Während die großen Mitbewerber ihr technisches Equipment leasen und daher auch in Corona-Zeiten auf den Leasing-Raten sitzen bleiben, hat Steinmann Beschallungsanlagen, Veranstaltungs- und Medientechnik, Projektions- und Lichttechnik gekauft.

Er habe glücklicherweise immer den Rat seiner Eltern beherzigt, nur Geld auszugeben, dass er auch tatsächlich habe, erzählt er. Gleichwohl habe auch er Ausgaben, beispielsweise für Miete der Lagerhalle, Versicherungen, Kfz- und Werbekosten. . Außerdem habe er im vergangenen Jahr in eine neue Homepage investiert. „Das kann man nicht wegdiskutieren“, findet der Warendorfer, der im Moment „jeden Monat drauf legt“: „Eine Finanzspritze über 9000 Euro hätte mir komplett geholfen und ich hätte auch noch was zurückzahlen können.“

Letzter großer Auftrag beim Karneval 2020

„Die Veranstaltungsbranche ist absolut kaputt“, bemerkt er. Den letzten großen Auftrag habe er Karneval 2020 gehabt, erzählt der Unternehmer, der Events organisiert und durchführt, mit fünf DJs in der Lage ist, gleich mehrere Veranstaltungen parallel zu bespielen, darüber hinaus technisches Equipment verleiht, verkauft oder repariert.

Im Sommer sei er noch für einige kleinere Hochzeiten gebucht worden, danach jedoch sei alles „komplett tot“ gewesen. „Die Auftragsbücher sind voll“, hat er für dieses Jahr eine „extrem hohe Nachfrage“ festgestellt. Im Wesentlichen sei das darauf zurückzuführen, dass für das Vorjahr geplante Feiern, darunter etliche Hochzeiten, coronabedingt um ein Jahr verschoben wurden. Aber im Moment hagele es schon wieder Absagen, hat der 31-Jährige festgestellt, der die eigene große Hochzeitsfeier auch um ein Jahr verlegen musste.

Vor August oder September, fürchtet er, werde es vermutlich keine größeren Veranstaltungen geben. Und wenn gefeiert werde, dann wohl zunächst verhalten. Es werde, so vermutet Steinmann, noch lange dauern, ehe Corona aus den Hinterköpfen der Menschen soweit verschwunden sei, dass sie wieder unbeschwert feiern können.

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