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Winfried Totzek mit Simson Duo in ZDF-Show

Warendorfer bei "Bares für Rares"

Warendorf

Der Verkaufserfolg kam erst nach der Sendung: Auch, wenn der Warendorfer Dr. Winfried Totzek seine Simson-Duo, ein Behindertenfahrzeug aus dem Jahre 1970, bei „Bares für Rares“ nicht an die Händler bringen konnte, war der rote Flitzer nach der ZDF-Sendung gefragter denn je.

Von Joachim Edler

Bares für Rares: Experte Detlev Kümmel (links) mit Horst Lichter und Winfried Totzek. Foto: Screenshot: ZDF

Der Warendorfer Arzt, Designer und Erfinder Dr. Winfried Totzek war in der Show „Bares für Rares“ mit Horst Lichter. An die Händler bringen wollte Totzek seine Simson Duo 4/1 (3,6 PS), ein zweisitziges Behindertendreirad aus dem Jahre 1970. Ein Herzstück, das er 30 Jahre im Besitz hat und das, wie er Horst Lichter am Mittwoch verriet, sein „fünftes Kind“ sei, von dem er sich nun trennen möchte: „Vier Kinder sind schon aus dem Haus, der Hund ist tot und jetzt trenne ich mich von meinem fünften Kind. 30 Jahre, das reicht. Mir bleibt nichts anders, als ade zu sagen.“

Lichter war beeindruckt von dem roten Flitzer, sprach von einem „imposanten und außergewöhnlichen Gefährt“, mit dem man auf jeden Oldtimertreffen im Mittelpunkt steht. Ob der rote Flitzer auch fährt, wollte Lichter wissen und Totzek bestätigte: „Die Duo läuft wie ein Hase. Und sie springt sofort an.“ Das stellte der Besitzer per Tritt auf den Kickstarter unter Beweis.

Beelen oder Dresden?

„Die Duo war mal kackbraun“, erzählt Totzek gegenüber unserer Zeitung von der ersten Begegnung mit dem Behindertendreirad. „Fahrbereit war die Duo damals nicht. Ich musste sie abschleppen lassen.“

Eine kleine Notlüge gesteht Totzek im Nachhinein: „Ich habe in der Sendung erzählt, dass ich das Gefährt aus Dresden habe. Das stimmt nicht. Aber wer kennt schon Beelen, dann hätte ich das erst lang und breit erklären müssen. Und Dresden und ehemalige DDR – das hört sich einfach besser an.“

In der ehemaligen DDR gebaut, in Beelen von einem Schrotthändler vor 30 Jahren erworben, sollte der rote Flitzer am Mittwoch in der beliebten Sendung seinen Besitzer wechseln. Der Warendorfer hätte gern 2800 Euro für sein heißes und seiner Meinung nach rares Gefährt gehabt. Die Expertise von Detlev Kümmel fiel allerdings geringer aus: Schätzpreis zwischen 1900 und 2300 Euro.

Preisfindung nach Inspektion

Kümmels Preisfindung fußte auf einer vorausgegangene kleinen Inspektion: Die Duo sei auf Basis einer Simson Schwalbe aufgebaut. „Kotflügel und Rückansicht erinnern an den uralten Simson-Mopedklassiker, total charmant, weil man hier nebeneinander sitzen kann.“ Die Technik ist simple, Motor und Schaltung befinden sich außen an der Seite. Ein Blick in den Fahrzeugschein verrät das Baujahr: August 1970 gebaut, die Karosserie stammt vom volkseigenen Betrieb „Robur-Werke Zittau“ und der Motor vom Fahrzeugbauer „Fajas“, Hersteller für Fahrzeuge und Jagdwaffen in Suhl (DDR). 3,6 PS hat die Höllenmaschine, schneller als erlaubt sei sie nicht, betonte Totzek: „Nichts daran wurde geregelt oder geändert. Alles entspricht der Betriebserlaubnis.“ Experte Detlev Kümmel bewerte den Zustand der Simson-Duo am Ende mit einer Dreiplus.

Totzek war nach der Expertise bereit, das Gefährt zu dem vom Experten aufgerufenen Preis (1900 bis 2300 Euro) an die Händler zu verkaufen und bekam die begehrte Händlerkarte. Zuversichtlich trat er vor die Händler: „Ich würde mir wünschen, wenn die Händler so ein Ding nicht kennen oder nur selten gesehen haben und somit beim Bieten positiv gestimmt sind.“

Und die Händler waren auch begeistert, ob des „roten Mitbringsels“ aus Warendorf, boten anfangs munter drauf los: 500, 700, 1200, 1400, 1500, 1600 Euro. . . Vor allem „Waldi“ (Walter Lehnertz) wollte neuer Besitzer werden und das rote Gefährt mit in die Eifel nehmen. „Wie schnell läuft die Kiste denn?“, wollte „Waldi“ wissen. Totzeks Antwort: „Mit Rückenwind 60. Aber volle Pulle fahre ich selten. Und Original ist alles, was man sieht. Neu sind der rote Lack, die Sitzbank und das Dach.“

Trotz Totzeks Verhandlungsgeschick wollte „Waldi“ am Ende nicht mehr als 1700 Euro für den roten Flitzer auf den Tisch legen. Auch die anderen Händler gaben kein Gebot mehr ab. Totzek verkaufte nicht, nahm seine Duo und damit sein „fünfte Kind“ wieder mit nach Hause. „Viel Spaß“ wünschte er den Händlern noch mit einem winkenden Gruß.

Frau aus Tübingen mit hohem Gebot

Traurig sei er nicht, dass er seine „Duo“ wieder mitnehmen musste, erzählt nach der ungekrönten Preisverhandlung. Denn keine Stunde nach Ausstrahlung der Sendung erhielt der Warendorfer bereits zahlreiche Kaufangebote. Für 3100 Euro, so das letzte Email-Angebot, geht Totzeks „fünftes Kind“ wohl an eine ältere Dame in Tübingen.

Winfried Totzek, der Horst Lichter gleich zu Beginn der Sendung das Du angeboten hatte („Ich bin Totzi“), ist sich sicher: „Ich habe noch so viel Rares, unter anderem eine Froschsammlung. Horst Lichter sieht mich wieder.“

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