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Warendorfer entwickelt mit seiner Freundin Minihäuser

Die Zukunft ist klein

Warendorf

Ein Jahr lang setzten sich Berit Wenthaus und Alexander Polomka mit Wohnen auf kleiner Fläche auseinander, entwickelte so Räume zwischen Funktionalität und Raum für Individualisierung. „Wir haben unsere Ansätze immer wieder hinterfragt und neu überdacht – immer aus dem Blick des wohnenden Menschen.“ Die Innenarchitekten setzen auf Minihäuser in Modulbauweise. Und die ersten Häuser werden jetzt gebaut.

Joachim Edler

Der Wohnraum und die Terrasse mit Outdoor-Vorhang werden durch Öffnen der Glas-Schiebe-Elemente zu einer Einheit. „Bei mildem Wetter ergeben sich einzigartige Aufenthaltsmöglichkeiten. Der Wohnraum gewinnt so noch mehr Größe. Außen wird innen, innen wird außen.“ Eine Durchsicht, die perspektivisch Größe schafft. Foto: Privat

Mit kreativen Ideen aus der Krise: Berit Wenthaus und Alexander Polomka setzen auf Kleinsteigenheime in Modulbauweise. Bewusst sprechen die beiden Innenarchitekten nicht von Tiny Häusern, denn ihr Klientel ist ein anderes. Doch der Gedanke ist derselbe: Die Zukunft ist klein!

Sie haben sich durch ihr Studium kennengelernt und auf Anhieb harmoniert. Die Idee, mal ein gemeinsames Projekt aufzuziehen, schlummerte schon länger in dem Paar. Kleinsthäuser wollten sie bauen und verkaufen. Keine Tiny-Häuser, sondern ein bisschen größer.

Für die Innenarchitekten kein Problem. Berit Wenthaus, Freie Mitarbeiterin des Architekturbüros Holzer Kobler (Schweiz). Referenzen: die Humboldt Akademie Berlin und das Beethoven-Haus Bonn. Alexander Polomka (aP Interior Studio) plante nicht nur den Günnewig-Friseursalon, sondern auch einen Shop in Istanbul für die JAB-Holding – und ganz aktuell das Ladenlokal von Pelke/Goldmann-Elektrotechnik in Warendorf.

Mit kreativen Ideen aus der Krise

Ein Jahr lang setzte sich das Paar mit Wohnen auf kleiner Fläche auseinander, entwickelte so Räume zwischen Funktionalität und Raum für Individualisierung. „Wir haben unsere Ansätze immer wieder hinterfragt und neu überdacht – immer aus dem Blick des wohnenden Menschen. Beim Grundriss ging es um Zentimeter.“ Das Ziel: der Wunsch nach Verkleinerung – ohne große Einschränkungen in einem kleinen Haus leben zu können. Die Nachhaltigkeit war dabei eine feste Säule: ökonomisch, ökologisch und gesellschaftlich.

Die Zielgruppe: Singles und Paare – auch ältere. Ein Argument, das die Innenarchitekten von Interessenten immer wieder zu hören bekommen: Bezahlbare Wohnungen fehlen, die Immobilienpreise steigen. „Angesichts des Wohnraum- und Flächenmangels wird nach Alternativen gesucht. Viele Paare können sich den Traum vom eigenen Haus nicht mehr erfüllen. Andere möchten sich verkleinern und ihr großes Eigenheim verkaufen.“

Die Zielgruppe: Singles und Paare

Ein Mini-Eigenheim, Kosten zwischen 125 000 bis 187 000 Euro, sei da eine attraktive Alternative. Die Minis mit 47 Quadratmetern Wohnfläche sind clever eingerichtet: Vieles wird mehrfach genutzt. Ein Raumteiler zwischen Wohnraum und Küche fungiert als Stauraum. Küchenzeile und Waschmaschine lassen sich hinter Schiebeelementen verstecken. Badezimmer mit schwellenloser Dusche, Luftwärmepumpe für die Fußbodenheizung – alles drin. Das Schlafzimmer als vollwertiger abgetrennter Bereich, weder ausgeklappt, noch offen oder über eine Leiter zu erklimmen.

Die Versorgung mit Strom, Frischwasser und Abwasser funktioniert wie im Standardhaus, betont Alexander Polomka, der aus dem Messebau kommt und mit seiner Freundin Berit in Warendorf und Düsseldorf Büros hat. Der Clou des Kleinsthauses, das aufgrund seiner Modulbauweise auf zwei Lastwagen passt, ist der versetzte Grundriss. Es gibt drei Bereiche: Schlafzimmer (privat), Wohnbereich (halb öffentlich) und Multifunktionsbereich mit Küchenzeile. Klein, kompakt, fertig.

Außen wird innen, innen wird außen

Der Wohnraum und die Terrasse mit Outdoor-Vorhang werden durch Öffnen der Glas-Schiebe-Elemente zu einer Einheit. „Bei mildem Wetter ergeben sich einzigartige Aufenthaltsmöglichkeiten. Der Wohnraum gewinnt so noch mehr Größe. Außen wird innen, innen wird außen.“ Eine Durchsicht, die perspektivisch Größe schafft.

Das „T2-Haus“ wie Berit Wenthaus und Alexander Polomka ihr „Baby“ nennen, steht auf einem festen Betonfundament. Die Wände in Holzrahmenbau. Die Fassade, eine vertikale Lattung aus gräulich lasiertem Lärchenholz.

Parallel zum Entwurf lag der Fokus auf der Nachhaltigkeit des Hauses. Neben einer Nutzung für dauerhaftes Wohnen kann das Haus eine KfW-Förderung der Kategorie Effizienzhaus 55 bekommen. Voraussetzung dafür sind bestimmte Wandaufbauten, Dreifachverglasung eine nachhaltige Heizung. Schutz gegen sommerliche Hitze geben innenliegende technisch ausgestattete Vorhänge.

Bürgermeister Pläne vorgestellt

Der Entwurf vom T2-Minihaus trägt bereits erste Früchte. So werden in Greffen sechs solcher Häuser auf privatem Grund und Boden zur Vermietung gebaut. Der Stadtrat war begeistert, gab grünes Licht.

Auch Warendorfs Bürgermeister Peter Horstmann, Baudirektor Peter Pesch und Wirtschaftsförderer Torsten Krumme hat Alexander Polomka seine Mini-Häuser präsentiert. Der Kontakt zum Bürgermeister kam über Instagram zustande. „livingunits“, übersetzt Wohneinheiten, nennen Berit Wenthaus und Alexander Polomka ihre Homepage, die innerhalb eineinhalb Monaten bereits über 1000 Follower hat. Bis jetzt haben sie noch keine Gesellschaft gegründet, wollen das vom Verkauf ihrer Wohneinheiten abhängig. Doch die jungen Innenarchitekten sind auf dem besten Weg. Denn auch Warendorfs Bürgermeister Peter Horstmann sei begeistert gewesen vom nachhaltigen und ökologischen Wohnraum. „Wir dürfen unser T2-Haus auf der neu für Tiny-Häuser zu entwickelnden Fläche an der Fischerstraße/Alter Münsterweg aufstellen.“

Wie bei einem Einfamilienhaus ist eine Baugenehmigung erforderlich. Die Bauzeit eines Mini-Hauses beträgt vier bis sechs Wochen. Ausschließlich Warendorfer Firmen sind an der Fertigung beteiligt. Kommt das Minihaus aus der Werkstatt, werden zwei Tage für den Aufbau an Ort und Stelle benötigt. Voraussetzung ist das zuvor gegossene Betonfundament.

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