Kinderpornografische Videos

„Dies ist kein Kavaliersdelikt“

Warendorf

„Dies ist kein Kavaliersdelikt“, machte der Richter bei der Urteilsverkündung deutlich. Er verurteilte den Angeklagten wegen des Besitzes kinderpornografischer Videos zu einer sechsmonatigen Freiheitsstrafe, ausgesetzt zur Bewährung, sowie zu einer Geldstrafe in Höhe von 500 Euro, zu zahlen an Unicef Deutschland. „Es geht um Kinder, um schutzbedürftige Personen. Auch mit dem Besitz wird das System am Laufen gehalten“, widersprach er dem Angeklagten, der betont hatte, das Material nicht weiter verbreitet zu haben.

Von Christopher Irmlerund

Wegen des Besitzes zweier kinderpornografischer Videos musste sich am Freitag ein 37-jähriger Warendorfer vor dem Amtsgericht verantworten. Zögerlich räumte er den Tatvorwurf ein, versuchte mehrmals, den Besitz zu relativieren. Wegen der einwöchigen Mitgliedschaft in einer von den Behörden beobachteten Whatsapp-Gruppe kamen ihm die Ermittler auf die Spur.

Sie stellten im Dezember vergangenen Jahres ein Smartphone sicher, auf dem sich zwei Videos mit eindeutig kinderpornografischem Inhalt befanden. Die Gesamtgröße dieser Dateien betrug 102 MB, das längere der beiden Videos dauerte zehn Minuten. Der Angeklagte hatte angegeben, „kurz“ in der Chatgruppe gewesen zu sein. Die Videos seien dort versendet worden und „einfach“ auf seinem Smartphone gelandet. Er sei davon ausgegangen, sie gelöscht zu haben. Auch Alkohol habe eine Rolle gespielt. „Irgendwie ist man dann in so eine Gruppe gekommen.“

Der Richter hakte nach, was genau er sich von dieser Gruppe erhofft habe. Er habe „ganz normale Pornofilme“ gesucht, so der Angeklagte. An die habe er einfacher gelangen können – ohne die Mitgliedschaft in einer derartigen Chatgruppe – entgegnete ihm der Vertreter der Anklage. „Es war Ihnen schon bewusst, was da abging.“ Der Angeklagte sei aktiv einer eindeutigen Chat-Gruppe beigetreten, das Smartphone habe er regelmäßig regulär genutzt, räumte der Vertreter der Anklage mit der These auf, das Material sei „irgendwie“ und „zufällig“ auf dem Endgerät gelandet. Die Kindheit der gefilmten Mädchen sei zerstört. Das Gesetz werde bald verschärft; derzeit liege der Strafrahmen lediglich zwischen einer Geldstrafe und drei Jahren Haft. Um „ein Zeichen zu setzen“ plädierte die Anklage für 50 Tagessätze à 30 Euro. „Dies ist kein Kavaliersdelikt“, machte der Richter bei der Urteilsverkündung deutlich. Er verurteilte den Angeklagten zu einer sechsmonatigen Freiheitsstrafe, ausgesetzt zur Bewährung, sowie zu einer Geldstrafe in Höhe von 500 Euro, zu zahlen an Unicef Deutschland. „Es geht um Kinder, um schutzbedürftige Personen. Auch mit dem Besitz wird das System am Laufen gehalten“, widersprach er dem Angeklagten, der betont hatte, das Material nicht weiter verbreitet zu haben.

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