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Kantor Bernhard Ratermann verabschiedet

„Du hast wirklich alles mit Herzblut gemacht“

Warendorf

Er wollte keinen Abschied mit Pauken und Trompeten – und bekam stattdessen Kammermusik und Helene Fischer. Auch an weiteren Überraschungen fehlte es bei der Verabschiedung von Bernhard Ratermann nicht. Der Kantor wirkte 37 Jahre in der Pfarrei St. Laurentius.

Von Christopher Irmler

Bernhard Ratermann freute sich über eine ganz besondere Ehrung durch Diözesanpräses Clemens Lübbers und Ulrich Grimpe (Bistum Münster).Pfarrer Peter Lenfers überreichte Bernhard Ratermann zum Abschied ein Faksimile mit dem Psalm 92.Die Gemeinde würdigte Ratermanns Wirken mit stehenden Ovationen. Foto: Christopher Irmler

Gerne hätten wir noch einmal Abschied gefeiert – mit Pauken und Trompeten“, betonte Pfarrer Peter Lenfers. Doch diesem Ansinnen hätte ausgerechnet der Protagonist dieses Vorhabens deutlich widersprochen. „Wir machen hier keine Aufführung, wir feiern hier Gottesdienst“, habe Bernhard Ratermann ihm geantwortet, so Lenfers. Nach 37 Jahren verabschiedete sich die Pfarrei St. Lauentius am Samstagabend von ihrem Kantor. Viele Gemeindemitglieder wollten an der Heiligen Messe in der Laurentiuskirche teilnehmen und sich im Anschluss von ihrem langjährigen Wegbegleiter verabschieden, doch die Corona-Auflagen erlaubten nur 175 Personen im großen Gotteshaus.

„Bernhard kann auch schon mal bockig – wir sind beide Münsterländer“, blickte Lenfers humorvoll auf zwölf gemeinsame Jahre in der 2009 fusionierten Gemeinde zurück, in denen es auch „mal geknallt habe“. Und dennoch: „Deiner Loyalität konnte ich mir immer sicher sein. Dafür bin ich Dir sehr dankbar.“ Besonders in Erinnerung bleibe Ratermanns großer körperlicher Einsatz beim Dirigat während Mariä Himmelfahrt. Bei der Kommunikation mit Chor und Gemeinde habe der Kantor „fast ein Rad geschlagen“, merkte Lenfers schmunzelnd an.

Einsatzfreude und Zuverlässigkeit

„Herr Ratermann ist was Einsatzfreude und Zuverlässigkeit angeht, ein Vorbild“, betonte Ulrich Grimpe, Leiter des Referats Kirchenmusik im Bistum Münster. Er erinnerte an die besonderen Verdienste im Bereich der Kinder- und Jugendchöre und der musikalischen Ausbildung; einige einstige Auszubildende Ratermanns seien mittlerweile selbst Kirchenmusiker. Clemens Lübbers, Diözesanpräses des Diözesan-Cäcilien-Verbandes, sagte, er wolle nur „drei 3/4 Sätze“ sagen. Acht Jahre habe er mit Ratermann zusammengearbeitet. „Du hast wirklich alles mit Herzblut gemacht.“

Am Samstagabend kam es nun auch zu einer Premiere: Ratermann ist der erste Geehrte, dem im Bistum Münster die Verdienstnadel des Allgemeinen Cäcilien-Verbands (ACV) verliehen wurde. „Ich danke meinen Eltern, meiner Familie und allen, die den Weg mitgegangen sind. Danke“, sagte der Verabschiedete leise und bescheiden „tschüss“. Die Gemeinde tat dies mit stehenden Ovationen.

Verdienstnadel des Allgemeinen Cäcilien-Verbands (ACV)

Als Überraschungsgast kam Regionalbischof Dr. Stefan Zekorn. Foto:

Nach dem Gottesdienst gab es noch einen Empfang für geladene Gäste im Pfarrheim an der Marienkirche. Überraschend kam auch Regionalbischof Dr. Stefan Zekorn zum Empfang. Er hatte fast zeitlich mit Ratermann in Warendorf angefangen, damals als Kaplan. Seitdem verbindet ihn eine Freundschaft mit der Familie. Vor dem Pfarrheim sang ein Projektchor ein Ständchen: Ein auf Ratermann umgedichtetes Lied mit dem Titel „Bernhard Ratermann, Goodbye“, auf die Melodie von Helene Fischers „Atemlos“: als liebevoll gemeinter Kontrapunkt zu Ratermanns Liebe für Gregorianik und Latein.

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