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Warendorf

Ehemalige Synagoge: „Warendorf verspielt eine Chance“

Ines-B. Hartmeyer

Warendorf - Die Kritik an dem Umbau der ehemaligen Synagoge an der Freckenhorster Straße in ein Wohn- und Geschäftshaus ebbt nicht ab: Nach der Stellungnahme des Bürgermeisters in der Ratssitzung wandte sich Sharon Fehr, Vorsitzender der jüdischen Gemeinde Münster, jetzt noch einmal direkt in einem Brief an Jochen Walter: „Herr Bürgermeister, Kritiker sagen, dass Sie mit der jetzigen Entscheidung die Chance verspielen, in Warendorf einen würdigen, beseelten Ort jenseits oberflächlicher Trauer- und Feierlichkeitssymbolik zu erhalten“, heißt es dort. „Ob diese Stimmen Recht behalten, liegt in Ihren Händen - eine Reifeprüfung gegen das Vergessen, bei der wir Ihnen für weitere Rückfragen immer konstruktiv zur Verfügung stehen.“

Ausgelöst hatten die Debatte Renovierungspläne des jetzigen Besitzers des Hauses. Ursprünglich hatte es Überlegungen gegeben, den ehemaligen Gebetsraum im ersten Stock in ein Museum umzuwandeln. Doch dann änderte die Eigentümerfamilie ihre Meinung. Zwar schreibt die Baugenehmigung in Hinblick auf den Denkmalschutz vor, dass Wände und Decke des ehemaligen Betraums mit einer Verschalung geschützt werden - aber die Öffentlichkeit bleibt ausgeschlossen. „Wozu ein solches Brimborium?“, gibt Fehr zu bedenken und spricht von „Augenwischerei“, wenn Walter betone, dass die prinzipielle Möglichkeit einer musealen Nutzung in der Zukunft erhalten bleibe.

Walter verwahrt sich gegen den Vorwurf: „Ich bedauere es sehr, dass es nun doch keine öffentliche Nutzung gibt, aber für uns als Stadt gab es keinen Ermessens-Spielraum. Das ist Sache des Eigentümers, und wenn der Bauherr sich verpflichtet, die Auflagen des Denkmalschutzes zu erfüllen, dann müssen wir grünes Licht geben.“

Nicht zum Ausdruck komme in dem Brief Fehrs, wie intensiv die Stadt sich für eine öffentliche Nutzung eingesetzt habe. Die Stadt habe nicht nur einen separaten Zugang ermöglicht, sondern auch eine umfassende öffentliche Förderung in Gang gesetzt. „Und ich selbst habe über Jahre hinweg intensive persönliche Gespräche geführ“, ergänzt Walter. „Ich bin traurig darüber, dass dieser Einsatz nicht gewürdigt wird.“

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