Interview mit Claudia Müller vom DRK

Ein Lockdown wäre fatal gewesen

Warendorf

Blut spenden in Zeiten der Corona-Krise – geht das? Was es dabei zu beachten gibt, und wie das Virus die Blutspende-Situation verändert hat, erklärt DRK-Sprecherin Claudia Müller im Interview.

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Claudia Müller ist Referentin für Unternehmenskommunikation beim DRK Foto: DRK

Die Corona-Pandemie lässt die Blutspende plötzlich in einem anderen Licht erscheinen. Was zuvor selbstverständlich war, das wird unter dem Stichwort Corona plötzlich mit Unsicherheit und mit Fragenzeichen besetzt. Unser Redaktionsmitglied Monika Vornhusen hat mit DRK-Sprecherin Claudia Müller gesprochen.

Wie lange wurde wegen der Corona-Krise kein Blut gespendet?

Claudia Müller: Wir haben immer Blutspenden durchgeführt. Da viele Patienten weiterhin Bluttransfusionen brauchen – zum Beispiel während einer Chemotherapie – , wäre ein Blutspende-Lockdown fatal gewesen. Einige Blutspendeaktionen sind ausgefallen, weil die Räume, in denen die Blutspende geplant war, zu eng sind, um den Mindestabstand einzuhalten. In vielen Fällen haben wir Ersatz wie Turnhallen gefunden, in die wir die Blutspende verlegen konnten.

Was hat sich bei den Blutspendeterminen verändert?

Claudia Müller: Wir brauchen mehr Platz, weil wir den Mindestabstand einhalten müssen. Vor Corona standen in der Regel immer jeweils zwei Liegen eng nebeneinander. Das geht jetzt nicht mehr. Alle Mitarbeiter müssen einen Mund-Nasen-Schutz tragen. In der Regel wird jetzt schon vor dem Blutspendelokal die Körpertemperatur gemessen und nach Corona-Risiken gefragt. Nach der Blutspende sitzt man nicht mehr gemütlich beim Imbiss zusammen, sondern bekommt ein Lunchpaket zum Mitnehmen.

Woran sollten Blutspender denken, wenn sie zu einem solchen Termin gehen möchten?

Claudia Müller: Sie sollten nur Blut spenden, wenn sie sich absolut gesund fühlen. Schön wäre, wenn man einen eigenen Kugelschreiber mitbringt. Und Begleitpersonen dürfen wir derzeit nicht in das Blutspendelokal mit reinlassen.

Wie steht es derzeit um die Versorgungslage mit Blutspendeprodukten?

Claudia Müller: Derzeit ist die Lage angespannt. Die Krankenhäuser fordern viele Blutkonserven, weil sie jetzt die Operationen durchführen, die wegen erwarteter Corona-Patienten aufgeschoben worden waren. Gleichzeitig konnten wir in den letzten Tagen weniger Blutspender als erwartet begrüßen.

Verzeichnen Sie Unsicherheit bei den Blutspenden aufgrund der noch immer anhaltenden Corona-Pandemie?

Claudia Müller: Eher nicht. Am Anfang der Pandemie sind sehr viele Menschen zu unseren Blutspendeterminen gekommen. Das ist oft so – auch bei großen Unglücksfällen oder Terror-Angriffen: Man möchte ja helfen und irgendetwas tun. Da liegt es nahe, Blut zu spenden. Mittlerweile ist dieser große Andrang deutlich abgeflaut. Vielleicht hat man sich an die neue Situation gewöhnt und sieht nicht mehr so sehr die Notwendigkeit, etwas zu tun. Diese Notwendigkeit ist aber immer noch da!

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