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Arbeitskreis Bildstöcke unterstützt Objekt in Greffen

Ein Mahnmal für den Frieden

Warendorf/Greffen

Auf einer seiner Touren durch die Bauerschaften der Umgebung stieß Walter Suwelack auf die Neue Mühle in Greffen. Die Mühle mit 1000-jähriger Tradition, direkt am einstigen Mühlteich und einem alten Emsarm gelegen, schien perfekt als neues Zuhause für den Nepomuk, der als „Brückenheiliger“ gilt.

Monika Vornhusen

Herbert Schwermann hat mit der Aufstellung seines Gedenksteins eine lange gehegte Idee in die Tat umgesetzt. Foto: Monika Vornhusen

Eigentlich fing alles damit an, dass Walter Suwelack (Pfarrer em.) vom Arbeitskreis Historische Bildstöcke und Wegekreuze des Rotary Clubs Warendorf eine neue Heimat für eine Figur des Heiligen Nepomuk suchte. Auf einer seiner Touren durch die Bauerschaften der Umgebung stieß er auf die Neue Mühle in Greffen. Die Mühle mit 1000-jähriger Tradition, direkt am einstigen Mühlteich und einem alten Emsarm gelegen, schien perfekt als neues Zuhause für den Nepomuk, der als „Brückenheiliger“ gilt.

Der im heutigen Tschechien um 1350 geborene Priester und Jurist Johannes Nepomuk wurde 1393 auf Geheiß des Königs von der Karlsbrücke in die Moldau gestürzt; 1729 wurde er heilig gesprochen. Gewässer und Brücken gab es aus Sicht des Arbeitskreises also rund um die Neue Mühle genug.

Doch alles kam ganz anders: Der Nepomuk hat dort zwar nicht sein Zuhause gefunden, dafür ist aber zeitgleich im Sinne des Warendorfer Arbeitskreises ein neuer Bildstock entstanden. Mehr als ungewöhnlich für die heutige Zeit ist dieser Schritt, den Eigentümer Herbert Schwermann getan hat. Zugleich hat er damit eine Idee umgesetzt, die schon lange in seinem Hinterkopf ein festes Plätzchen hatte.

Er wollte ein Mahnmal für den Frieden setzen und ein Symbol der Gerechtigkeit schaffen. Wenn Herbert Schwermann seinen Aktenordner rund um die Geschichte dieses „Mahnmals“ im Wohnzimmer hervorholt, dann wird schnell klar, wie viele Gedanken er sich dazu gemacht hat und wie wichtig ihm dieses Projekt ist. Es lässt Familiengeschichte lebendig werden, denn nicht zuletzt soll der Bildstock mit dem Abbild der Madonna von Stalingrad an Herbert Schwermanns dort im Krieg gefallenen Schwiegervater erinnern.

Auf dem mannshohen Findling in hellem Sandsteinton hat Steinmetz Hermann Claas aus Harsewinkel das Bild eben jener Madonna verewigt, die Dr. Kurt Reuter im Jahre 1942 an der Ostfront in der Schlacht von Stalingrad gezeichnet hat. Seine Zeichnung hatte er damals mit den Worten „Licht, Leben, Liebe“ versehen. Worte, die Herbert Schwermann ebenfalls hat in Stein meißeln lassen – Worte des Erinnerns und der Mahnung. Ende August war das Mahnmal am Wegesrand zwischen den Kreisen Warendorf und Gütersloh und nahe der Ems fertiggestellt worden. Drei Tage später feierte Schwermann mit seiner Familie, also mit seinen Töchtern, Schwiegersöhnen, Enkelkindern und Geschwistern, seinen Geburtstag und zugleich die Einweihung des Mahnmals.

Schwermanns Ehefrau Anni starb bereits 2008. „Sie hätte sich über die Fertigstellung sicher auch gefreut, denn sie hat schon vor rund 20 Jahren von der Idee eines Bildstocks oder Wegekreuzes für den Hof gesprochen“, erinnert sich Schwermann. Ein leicht vergilbtes Foto von dem aus Stalingrad nicht zurückgekehrten Schwiegervaters hat er ganz sorgfältig mit zu den Unterlagen und Dokumenten rund um den neuen Bildstock geheftet – ein Foto aus frohen Tagen, als Familienvater von vier Kindern.

Da kann das Mahnmal gegen den Krieg gar nicht groß genug sein. Genau darauf kam es ihm bei der Auswahl des Steines auch an. „Vier Jahre hat es nun gedauert von der Idee bis zur Fertigstellung. Überall habe einen passenden Stein gesucht. Die meisten Findlinge waren zu klein.“ Es sollte ein Stein mit Ecken und Kanten sein, der die erdrückende Last eines Krieges symbolisiert. Von der Ostsee bis in den Süden ist Schwermann deshalb gereist. In Bethen bei Cloppenburg hat er sich Rat eingeholt von Dr. Gustav Schlömer. Auf ihn war der Landwirt, der in seiner Jugend noch das Müllerhandwerk erlernt hat, durch einen Bericht in der Kirchenzeitung aufmerksam geworden. „Dieser Bericht hat mich sehr berührt und eigentlich 2016 das ganze Projekt so richtig ins Rollen gebracht“, erinnert sich Schwermann.

Schlömer hatte auf seinem Hof aus einem 20-Tonnen- Granitfindling ein vergleichbares „Mahnmal“ geschaffen. Der Zufall oder das Schicksal wollten es, dass Schwermann beim Aushub eines neuen Baugebietes in Versmold fündig wurde. „Ich bin mit meiner Tochter dort hingefahren, wir hatten beim zweiten Mal sogar einen Eimer Wasser und eine Bürste dabei, um den dreckigen Findling abzuwaschen und die Originalfarbe zu sehen“, führt Schwermann im WN-Gespräch aus.

Dieser Stein sollte es werden. Mit Schriftvorlagen und Rohzeichnungen näherte sich Schwermann Schritt für Schritt der Gestaltung. „Es ist einfach toll, mit wie viel Elan die Familie Schwermann an das Projekt für solch ein Mahnmal herangegangen ist. Das möchten wir vom Arbeitskreis auch gerne finanziell unterstützen und anerkennen“, versichert Walter Suwelack der Greffener Familie im Gespräch. Diese gelebte Familiengeschichte beeindruckt den emeritierten Pfarrer aus Warendorf.

Die Geschichte lebt auf dieser Hofparzelle allein schon durch das ehemaligen Mühlengebäude, das quasi ein Industriedenkmal ist. 2008 hat Herbert Schwermann die Umbauarbeiten, die aus der einstigen Mühle ein Wohnhaus mit ganz besonderem Charakter geschaffen haben, abgeschlossen. Gleich neben der Eingangstür steht noch der alte Mühlstein, angelehnt an die Hauswand, als hätte der Müller es gerade erst dort abgestellt. 1000 Jahre Geschichte – ein Windhauch.

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