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Kupferstich von Johann Baptist Klauber

Ein Schatz für die Tradition

Freckenhorst

Dieser optisch doch recht kleine Kupferstich ist ein Bildnis der Freckenhorster Festtradition an Krüßing. Das kleine Bild und seine Inschrift sind ein Zeugnis der Kunst und der Volksfrömmigkeit des 18. Jahrhunderts sowie der Freckenhorster Kreuzverehrung und Wallfahrtstradition.

Von Klaus Gruhn

In diesem Kupferstich aus dem 18. Jahrhundert ist die Freckenhorster Kirche in eine schmückende so genannte barocke Rocaillerahmung gesetzt. Foto: privat

Alte Glaubenstraditionen sind mit dem kirchlichen Fest „Kreuzauffindung“ in Freckenhorst, Krüßing genannt, verbunden. Davon kündet auch ein kleiner Schatz, der im Depot des Museums Stiftskammer verwahrt wird. Es handelt sich um einen Kupferstich aus dem 18. Jahrhundert.

Der Kupferstich, der nur 12,5 x 8,5 Zentimeter misst, ist für die Festtradition ebenso wie für die Geschichte Freckenhorsts besonders wertvoll. Ist doch auf ihm die Gesamtansicht der Kirche von Norden aus abgebildet, so wie sie zur Mitte des 18. Jahrhunderts den Besucher grüßte. Es ist dies die früheste historische Bildansicht der Stiftskirche. Sie zeigt bis auf ein bauliches Detail die Kirche im Wesentlichen so, wie sie heute bekannt ist. Dieses Detail ist das heute verschwundene „Kreuzhäuschen“ mit seinen zwei nördlichen Eingangstüren, an dessen Stelle heute unter vereinfachtem Dach eine Rundbogentür in den Kirchenraum führt.

Barocke Rocaillerahmung

Die Kirche ist in eine schmückende so genannte barocke Rocaillerahmung gesetzt. Aus dem oberen Bildteil schwebt ein Engel herab, begleitet von fünf weiteren Engelsfiguren. Er hält die Kreuzreliquie in dem bekannten Freckenhorster Kreuz in seinen Händen. Die dahinter sichtbaren Strahlen gehen auf die Kirche nieder und verheißen den Segen des Kreuzes.

In einer Kartusche verdeutlicht die Bildinschrift die Funktion des Kupferstichs als Besuchs- und Gebetserinnerung: „Wahre abbildung des Wunderthätigen Creutzes der Hochadlichen Stiffts- und Collegiat-Kirch zu Freckenhorst im Hochstifft Münster“. Der rätselhafte Zusatz „ist angerühret worden“ weist den Kupferstich als „Berührungsreliquie“ aus. Indem man mit solchen Gebetszetteln das Heilige Kreuz berührte, erhoffte man dessen segensreiche Wirkung auch für sich persönlich.

Hoffnung auf segensreiche Wirkung

Das kleine Bild und seine Inschrift sind ein Zeugnis der Kunst und der Volksfrömmigkeit des 18. Jahrhunderts sowie der Freckenhorster Kreuzverehrung und Wallfahrtstradition. 1743 hatte die Äbtissin Clara Francisca Antonetta von Westerholt eine neue Kreuzreliquie aus Rom besorgt und damit das Fest Kreuzauffindung als „Krüßing“ in Freckenhorst wiederbelebt. Es war hier schon im 12. Jahrhundert gefeiert, aber in der Reformationszeit aufgegeben worden. Die Äbtissin beauftragte einen der berühmtesten Kupferstecher ihrer Zeit, Johann Baptist Klauber aus Augsburg, damit, das Andachtsbild vom Freckenhorster Kreuz herzustellen. Klauber fertigte zur gleichen Zeit auch das Andachtsbild der Glorreichen Jungfrau zu Warendorf an.

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