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Warendorf

Ein verdienter Ritter

Joachim Edler

Warendorf - Lothar Ester ist tot. Der frühere Schulamtsdirektor starb am ersten Weihnachtstag (25. Dezember) im Alter von 84 Jahren. Die Beisetzung ist am Mittwoch (30. Dezember) auf dem Warendorfer Friedhof. Statt Blumen und Kränze wird um Spenden für den Förderverein Kloster Vinnenberg und den Rotary Club Warendorf (Projekt Historische Bildstöcke) gebeten.

Ester engagierte sich in Warendorf auf vielfältige Weise, unter anderem als Präsident und Governor des Rotary Club. Er war zudem Mitglied der ersten Stunde der Deutsch-Französischen Gesellschaft Warendorf (DFG). Der nach eigener Aussage mit Leib und Seele frankophile Warendorfer hatte eine besondere Beziehung zu den französischen Nachbarn. Vielleicht ist das so, wenn man dem Feind sein Leben verdankt.

In gewisser Weise und bis zu einem gewissen Punkt ist Esters Biografie durchaus typisch für die Generation der Mitte der 1920er Jahre Geborenen: Kriegsdienst bei der Wehrmacht, Gefangenschaft, 1948 Rückkehr in ein anderes Deutschland, das den Blick längst nach vorne gerichtet hatte:

„Wir waren die Zuspätheimkehrer“, sagte Ester einmal und umschrieb damit das Gefühl jener Deutschen, für die der Krieg länger dauerte als für die meisten anderen.

Als deutscher Kriegsgefangener nimmt ihn eine bretonische Familie wie einen eigenen Sohn auf - sicherlich eines der prägendsten Erlebnisse Esters. „Wenn ich in die Bretagne reise, ist das für mich immer noch ein Gefühl, als käme ich nach Hause.“

Ester handelte nach der Rückkehr wie viele andere auch: Durch den Krieg der Gelegenheit beraubt, sein Abitur zu machen, stellte er sich einer Begabten-Sonderprüfung und studierte Pädagogik an der Pädagogischen Hochschule in Paderborn. 1951 wurde er Lehrer in Niedersfeld, später in Brilon. 1960, nach bestandener Realschullehrerprüfung, unterrichtete er als Schulleiter in Olsberg. Seine Scherpunktfächer waren Biologie, Sport und Katholische Religion.

Mit gerade einmal 40 Jahren gelang ihm 1965 der Sprung an die Staatliche Schulaufsicht beim Regierungspräsidenten Münster: Ester wurde Schulrat in Warendorf.

Sein Beruf hatte ihn sicherlich geprägt. Mindestens ebenso bestimmend dürfte allerdings die Notwendigkeit gewesen sein, sich immer wieder in fremden Umwelten zurechtzufinden, Gegensätze zu überbrücken, ohne dabei die eigene Identität zu verlieren. Seine Kindheit erlebte der überzeugte Katholik im evangelischen Siegerland und fand dort zahlreiche Freunde. Doch nicht immer reagierte er mit Anpassung. In der Nazi-Zeit engagierte er sich in der verbotenen katholischen Jugend und trat in die Feuerwehr ein, um der Hitlerjugend zu entgehen.

Engagement, Aufgeschlossenheit und Prinzipientreue waren die vielfach honorierten Markenzeichen Lothar Esters, der unter anderem mit der Paulus-Plakette des Bistums Münster, der Silbernen Pilgermuschel von Jerusalem. dem Bundesverdienstkreuz sowie dem Ehrenkreuz der Bundeswehr in Gold ausgezeichnet wurde.

Seit 1983 war Ester zudem Ritter des Ordens vom Heiligen Grabe zu Jerusalem. Und für besondere Verdienste um das Werk der Kriegsgräberfürsorge erhielt er 2002 die Verdienstplakette, eine für deutsche Bundesbürger höchste Volksbund-Auszeichnung. Ester begleitete Angehörige zu den Gräbern der Gefallenen und führte auf Studienreisen Begegnungen auf Soldatenfriedhöfen durch. Schon in seiner Gefangenschaft hatte er den festen Entschluss gefasst, in Zukunft alles zu tun, damit nie wieder ein solcher Krieg über die Völker Europas hereinbrechen könnte.

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