1. www.wn.de
  2. >
  3. Muensterland
  4. >
  5. Warendorf
  6. >
  7. Eine Baustraße im Fluss

  8. >

Ufersanierung von Malteserheim bis Emsbrücke nötig

Eine Baustraße im Fluss

Warendorf

Die Begradigung der Ems machte jetzt das Südufer krumm. Die Böschung muss saniert werden.

Von Jörg Pastoor

Zwischen der Brücke am Malteserstift und der Brücke Emsstraße gibt es teils umfangreiche Schäden am südlichen Flussufer. 2024 soll die Sanierung beginnen. Foto: Jörg Pastoor

Es ist ähnlich wie bei älteren Kanalrohren: Schäden an Flussufern werden erst bemerkbar, wenn man genauer hinsieht.

Das ging beim Niedrigwasser 2021 während der Sanierung des Emswehrs auch am Südufer zwischen Malteserstift und Brücke Emsstraße. Ausgerechnet an der stark bebauten Flussseite gibt es umfangreiche Schäden der Uferbefestigung. Sie muss saniert werden..

Problem: Eine dauerhafte Senkung des Wasserspiegels für die Bauarbeiten scheidet aus. Die vielfach aus Eichenstämmen bestehenden Fundamente der historischen Gebäude würden faulen.

Die aktuelle Befestigung ist schon lange nicht mehr kontrolliert worden und stammt von 1957. Die Böschung ist am Übergang zur Sohle des Flussbetts mit Pfählen und Holzbalken gesäumt, als Stütze für die schräg nach oben gepackten Steinschichten. Die hölzerne Stützzeile ist teils unterspült, was zu den vereinzelt deutlichen Setzrissen in den Betonfugen geführt hat.

Sohle durch höheres Fließtempo vertieft

„Die Sanierung ist schwierig“, befand Sachgebietsleiter Udo Bierbaum am Donnerstag im Umwelt- und Mobilitätsausschuss. Dass die Stämme unter den Häuserzeilen nass bleiben müssen, ist das eine. Um die rissigen Stein- und Betonböschungen zu sichern, wäre der Zugang von Land ein Riesenaufwand, weil man mit Baggern und anderem Gerät nur über die Privatgrundstücke an die Flusskante käme. Bei der Kalkulation der Kosten käme eine Betonsanierung für den gesamten Bereich mit zwei bis drei Millionen Euro am teuersten.

Als Alternative denkt die Fachverwaltung jetzt an eine dicke Lage aus Sand und Kies auf einem sogenannten Geotextil, also einer verrottungsfesten Unterlage. Da hinein soll Röhricht gesetzt werden – als Laichzone. Darunter bekommt die gesicherte Böschung eine dicke Lage aus Wasserbausteinen. Auf die sandige Sohle des Flussbetts kommt eine 20 Zentimeter Lage aus Steinen. Das verhindert die Abtragung der Sedimente. Die sei eine Konsequenz aus der nach der Begradigung der Ems gestiegenen Fließgeschwindigkeit.

Sachgebietsleiter Udo Bierbaum

Die Verwaltung hat sich mit der Bezirksregierung auf ein spektakuläres Verfahren geeinigt: eine Straße im Fluss, direkt vor dem Südufer. Darüber rollen die Fahrzeuge, von ihr aus wird das Material eingebaut. Schritt für Schritt wird der aufgeschüttete Damm dann mit dem Sanierungsfortschritt sozusagen im Rückwärtsgang wieder abgetragen.

Das könne zwischen 500 000 und 800 000 Euro kosten – „jedenfalls unter einer Million“, so Baudirektor Peter Pesch auf WN-Nachfrage. Vielleicht gebe es aber die Möglichkeit, eine 80-prozentige Förderung gemäß Wasserrahmenrichtlinie zu erhalten. „Dann sähe die Welt schon wieder ganz anders aus.“ Geplanter Baustart ist – Stand jetzt – im Jahr 2024.

Startseite