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Plan für Warendorfs erstes Mehrgenerationenhaus

Elektroauto inklusive

Warendorf

17 Wohnungen, als Passiv- oder Energieeffizienzhaus gebaut, ein kleines Café, ein Appartement für Gäste und ein hauseigenes Elektroauto zum genossenschaftlichen Car-Sharing – das sind Details des Projekts, das der Verein „Wohnen in Gemeinschaft“ vorstellte.

Jörg Pastoor

Deutlich mehr Bürger als erwartet interessierten sich Mittwochabend für Einzelheiten des geplanten Mehrgenerationen-Wohnhauses des Vereins „WiGE“. Foto: Jörg Pastoor

17 Wohnungen – ob im Baustandard Passiv- oder Energieeffizienzhaus, ist noch zu klären. Überhaupt muss der Verein „Wohnen in Gemeinschaft“ noch Antworten auf eine Reihe von Fragen finden. Mit dem gerade gefundenen Grundstück und schon recht klaren Aussagen über die Kosten für das angestrebte Mehrgenerationen-Haus hat „WiGE“ aber offenbar eine klare Nachfrage getroffen. Mittwochabend waren mehr als doppelt so viele Interessenten ins Haus der Familie gekommen als jene 18, die sich angemeldet hatten.

Mit der Baufläche, die der Verein in Erbpacht nutzen kann, ist er bei seiner jahrelangen Suche inzwischen beim 15. Grundstück angekommen, wie Vorstandsmitglied Antonius Stuke erzählte. Nach der Begrüßung durch Marita Teunissen, die Leiterin des entsprechenden Fachbereichs im Haus der Familie, berichtete er von der gemeinsamen Recherche mit Baudirektor Peter Pesch. „Wir hätten es am liebsten in zentraler Lage gehabt, auch gerne auf dem Brinkhaus-Gelände“, so Stuke. Doch nirgendwo habe es gepasst.

Vorstandsmitglied Antonius Stuke zum Standort

Also jetzt die Nummer 15. Die sei zwar etwas kleiner als gedacht, aber: „Wir haben festgestellt. Es passt auch dort.“ Die nächsten Schritte sollen nun die verfeinerte Projektplanung mit genauer Kostenermittlung, die Gründung einer Trägergenossenschaft aus den Eigentümern der Wohnungen und dann der weg zu den Banken sein denn, meinte Antonius Stuke: „Ohne Geld läuft nix.“

Dann war die Reihe an Agnes Weber. Die Ahlener Architektin hatte 2004 genau so ein Mehrgenerationenhaus dort geplant und ist von ihrer Bauphilosophie her stark ökologisch ausgerichtet. Sie hatte die (von den WN bereits grob vorgestellten) Entwurfsskizzen für ihr Idee zum WiGE-Haus mitgebracht. Das besteht aus einem zur Carl-Leopold-Straße hin orientierten, zweiteiligen Gebäudekomplex, der gegen den Verkehrslärm auf der Reichenbacherstraße geschützt wird, indem die Wohn- und Ruheräume abgewandt angeordnet sind. Mit enthalten sind Gemeinschaftsflächen, Lagerräume und Pkw-Stellplatzflächen. Warum nur elf? Weil zum Konzept ein hauseigenes Elektroauto gehört, das die Hausbewohner über Car-Sharing nutzen können. An dessen Strom-„Tankstelle“ können auch Elektrorollstühle nachladen. Durchs E-Auto brauche nicht mehr jeder Haushalt ein eigenes Auto.

E-Auto zur gemeinschaftlichen Nutzung

Eigentlich, sagt Vorsitzende Gabi Brinkemper am Tag nach der Infoveranstaltung, hätte sie mit mehr Fragen gerechnet. Es habe wohl eher Neugierde vorgeherrscht, nicht so sehr schon konkretes Interesse. Aber sie glaubt, dass sich viele noch nicht eingehender mit dem WiGE-Projekt befasst haben. „Wir werden immer wieder weiter darüber informieren – dann wird die Bevölkerung das auch stärker im Bewusstsein haben. Das ist schließlich das Wohnen der Zukunft.“

WiGE-Vorsitzende Gabi Brinkemper

„Das“? Das ist der Gebäudekomplex, den eine (noch zu gründende) Genossenschaft aus Wohnungsbesitzern auf das Grundstück Ecke Carl-Leopold-Straße/Reichenbacherstraße bauen will.

Weil der Gedanke nicht nur auf der Philosophie gelebter Gemeinschaft zu bezahlbaren Preisen beruht, sondern auch auf Nachhaltigkeit, hatte der Verein die einschlägig erfahrene Architektin Agnes Weber ins Haus der Familie gebeten. Dort stellte sie ihre Pläne vor.

Die bisher angemeldeten Wünsche von elf Vereinsmitgliedern reichen von 44 bis etwa 90 Quadratmetern. Die Grundrisse der nun geplanten 17 Wohnungen geben das her, sind aber auch veränderbar. „Es spricht auch nichts dagegen, eine Maisonettewohnung zu nehmen“, so Agnes Weber.

Geschätzt 3,6 Millionen Euro Baukosten

Wohnen soll im ersten und zweiten Geschoss untergebracht werden, Nutzen parterre: Lagermöglichkeiten, Stellplätze. Die beiden Trakte sind über ein Treppenhaus und Stege verbunden; ausreichend breite Galeriegänge führen zu den Wohnungen.

Weber plant mit extrem hoher Dämmung; zudem sollen Photovoltaik und Solarthermie die Energiekosten sehr gering halten. Apropos Kosten: Bei rund 3,6 Millionen Euro Gesamtaufwand wird der Quadratmeter etwas über 480 Euro in der Anschaffung kosten, eine Wohnung von 60 m² also etwa 28 000 Euro. Dazu komme eine Umlage für Café und Appartementwohnung, die separat genutzt werden kann, also etwa für Gäste. Die Quadratmetermiete hat Agnes Weber mit rund 8,70 Euro taxiert, die Nebenkosten inklusive Wartung des zentralen Lifts auf rund zwei Euro.

Der Weg zu den Banken setzt ein gewisses Eigenkapital voraus. Das lasse sich zumindest teilweise über bestimmte Fördertöpfe zusammenbringen, erklärte die Expertin.

Möglicherweise Anfang 2018 Bauantrag

Jetzt geht der Vorstand die nächsten Schritte in der Projektverwirklichung. Laut Gabi Brinkemper steht ein Beratungsgespräch mit der Wohnbundberatung aus Bochum an, dann ein weiteres Gespräch mit der Stadt. Und dann zu den Geldinstituten.

Wenn alles klappt, das hatte Antonius Stuke Mittwochabend zu den Gästen im Haus der Familie gesagt, könne der Verein möglicherweise Anfang 2018 einen Bauantrag stellen. Bei den von Agnes Weber geschätzten 15 bis 18 Monaten Bauzeit „sind wir in 2019, wenn wir einziehen.“

Bis dahin sind noch viele Fragen zu klären – unter anderem, ob nur Selbstnutzer oder auch Kapitalanleger dort Besitzer sein sollen. Das, so Antonius Stuke, sei eine Entscheidung der Genossenschaft.

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