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Josephs-Hospital als Traumazentrum zugelassen

Erste Adresse für Schwerverletzte

Warendorf

Schwerverletzte kamen bisher nach Unfällen in weiter entfernte Kliniken. Jetzt nicht mehr. Ab sofort ist das Josephs-Hospital ein anerkanntes Traumazentrum.

Von Jörg Pastoor

Wenn auch nachgestellt: So sieht eine Behandlung im Schockraum nach Einlieferung eines Schwerverletzten aus. Ab sofort werden solche Behandlungen häufiger vorkommen: Das Josephs-Hospital ist das einzige Traumazentrum im Kreis Warendorf. Zwei solcher Notfallkoffer hat die ZNA. In beiden steckt alles für die Behandlung Nötige.,Stiftungskuratorin Doris Kasier, Vorstandsvorsitzender Peter Goerdeler, Dr. Timm Schlummer (Chefarzt Orthopädie und Unfallchirurgie), Dr. Tim Kleffner (Chefarzt Notaufnahme) und Landrat Dr. Olaf Gericke (v.l.) mit der Zulassungsurkunde. Foto: Jörg Pastoor

Sogar den Schrei während der Behandlung mimte Jason Middendorf so realistisch, als wäre er wirklich schwer verletzt. War er nicht. Aber seine – angenommenen – Brüche nach einem Verkehrsunfall werden im Echtfall genau so behandelt, wie Notaufnahme-Chefarzt Dr. Tim Kleffner und sein Team es Mittwochmorgen simulierten. Und ab sofort häufiger real erleben. Das Josephs-Hospital ist jetzt kreisweit das einzige Traumazentrum. Das bedeutet, dass Schwerverletzte nicht mehr in die nächste Uni-Klinik gefahren werden müssen.

Vorstandsvorsitzender Peter Goerdeler

Das bringt unter anderem weniger Zeitverlust bei der stationären Behandlung nach der Erstversorgung am Unfallort. „Es ist für uns und den Rettungsdienst ein Meilenstein“, sagte Dr. Timm Schlummer, Chefarzt Orthopädie und Unfallchirurgie, am Mittwoch vor der ursprünglich „nur“ geplanten Besichtigung der neuen Zentralen Notaufnahme mit Landrat Dr. Olaf Gericke.

Vorstandsvorsitzender Peter Goerdeler war stolz auf die Zertifizierung des Hauses, von der die Leitung Montag erfahren hatte. „Wir sind damit das Unfallkrankenhaus des Kreises!“ Für Goerdeler ist das der „ganz tolle“ Beweis für die medizinische Leistungsfähigkeit des Krankenhauses, auf den vor allem Dr. Kleffner und Dr. Schlummer mit ihren Teams beharrlich hingearbeitet haben. Schlummer: „Man muss über drei Jahre nachweisen, dass man die Qualität hat.“ Dass das nach inzwischen sechsjähriger Entwicklung nun funktioniert habe, sei eine grandiose Teamleistung – auch beim Rettungsdienst, dessen Personal Schlummer „höchste Professionalität“ bescheinigte.

Drei Jahre lang die nötige Qualität nachgewiesen

Patienten vom Unglücksort möglichst schnell zur vollen Behandlung in eine Klinik zu bringen? „Das klingt so einfach, ist aber hoch komplex“, fand Landrat Gericke. Dass das Hospital nun den Schritt zum Traumazentrum geschafft habe, entspreche der seiner Ansicht nach richtigen Philosophie von Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann. Der trete für starke dezentrale Strukturen ein. „In Ballungsräumen kommen Sie an den großen Kliniken vorbei. Unser Problem sind Fläche und Entfernung.“ Gericke gratulierte allen an diesem Fortschritt Beteiligten und dankte ihnen für ihren Einsatz.

Doris Kaiser, die neue Kuratorin der Stiftung, dankte Olaf Gericke für seinen Besuch und betonte die Bedeutung der Zulassung. „Es macht uns glücklich, dass diese Entscheidung stattgefunden hat.“

Damit begann der kurze Rundgang durch die 2021 in Betrieb genommene Notaufnahme, in der Tim Kleffner auch auf die teils besonderen Belastungen durch die Corona-Schutzmaßnahmen einging.

Und dann kam Jason Middendorfs Einsatz. 22 Jahre alt, gerade von einem Auto umgefahrener Radler, in der Liegendanfahrt mit Brüchen und womöglich Pneumothorax, also Luft zwischen den Schichten des Brustfells, angekommen – das war das Szenario für den realistisch inszenierten Fall. Das Team arbeitete ihn nach der Übergabe durch die Rettungsassistenten des DRK so ab, als sei er echt. Die Abstimmung zwischen den Ärzten und medizinischem Personal lief genau so, als hätte Middendorf einen offenen Bruch am linken Unterschenkel, ein gebrochenes Becken und besagten Pneumothorax.

Landrat Dr. Olaf Gericke zu den Herausforderungen im ländlichen Raum

Mit der angenommenen Übergabe des „Unfallopfers“ an die Computertomographie war das Besuchsprogramm für alle erledigt. „Ich habe so was noch nie gesehen“, sagte der Landrat und fasste zusammen: „Am Ende geht es immer um Menschenleben."

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