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Erzählungen zum Nachdenken

Zweite Schallück-Lesung im Offenen Kreis

Warendorf

Der Offene Kreis rückt ein weiteres Mal den Warendorfer Autor Paul Schallück ins Zentrum. Zwei Erzählungen präsentiert er in einem Livestream.

Die Emsbrücke spielt eine große Rolle in der Erzählung „Weiße Fahnen im April“. Auch sie wird am kommenden Montag vorgelesen. Foto: Offener Kreis

Im Offenen Kreis werden am Montag (21. März) zum zweiten Mal Erzählungen Paul Schallücks vorgelesen. Die Kölner Künstlerin Krischa Siegel meldete sich bereits als Zuhörerin für den Livestream an. Als Kind und Jugendliche lernte sie den 1922 in Warendorf geborenen Schriftsteller kennen.

Krischa Siegel freut sich besonders über die Auswahl von „Pro Ahn sechzig Pfennige“ als Vorlesetext. Denn Schallücks Erzählung aus dem Jahr 1959 steckt voller Ironie. Sie endet mit einem bösen Seitenhieb auf die noch junge Bundesrepublik.

Alles beginnt während des Dritten Reiches. Wer damals etwas werden wollte, musste „arischer“ Abstammung sein. Familienstammbäume waren in den Kirchenbüchern dokumentiert. Nun verlangt ein Nationalsozialist in einem barschen Schreiben, dass der katholische Priester des Dorfes seine germanische Abkunft bestätigt. Der Stil des Briefes ärgert den 16-jährigen Neffen des Priesters, der die Bücher verwaltet. Also bewirkt er schriftliche Veränderungen in der Familiengeschichte der Nazi-Größe. Die Konsequenzen sind heftig . . .

Erzählungen mit eindeutigem Ende

Die zweite Erzählung veröffentlichte Schallück 1955, zehn Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Angesichts des Krieges in der Ukraine verstärkt sie das Nachdenken. „Weiße Fahnen im April“ führt nach Warendorf. Am Ostermontag 1945 bringen deutsche Soldaten unter der stadtnahen Emsbrücke Handgranaten an, um sie zu sprengen. Einige Bürger versuchen, das zu verhindern. Bei den Verhandlungen riskieren sie ihr Leben. Sie greifen auch zu einer List, die aber durchschaut wird. Paul Schallück weicht in „Weiße Fahnen im April“ von der historischen Wahrheit ab. Er lässt ein Kind wagemutig in das Geschehen eingreifen.

Im Januar habe es Rückfragen zur Lesung von „Lakrizza“ im Offenen Kreis gegeben, heißt es in der Pressemitteilung. Paul Schallück habe das Ende dieser Erzählung bewusst offen gehalten. Dagegen hätten die diesmal ausgewählten Texte jeweils ein eindeutiges Ende. Eine Lesung vor Publikum wäre zwar möglich, aber um Corona-Erkrankungen keinen Vorschub zu leisten, erfolgt sie per Livestream.

Die Lesung findet am Montag (21. März) ab 20 Uhr als Livestream der evangelischen Kirchengemeinde Warendorf statt.

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