B 64n-Online-Information von Straßen NRW

Es gibt weiter offene Fragen

Warendorf

Die Stadt ist so voll mit Verkehr, dass allein eine Umgehungsstraße ihn herausbringt. Sagt Gutachter Dr. Hartmut Ziegler. Bei der Infoveranstaltung Freitag gab es dazu grundsätzliche Fragen.

Jörg Pastoor

Reinen Zählstellen (rot) fügte DTV auch kameragestützte Messpunkte hinzu, um Binnen- und Durchgangsverkehre genau abbilden zu können. Foto: DTV Verkehrsconsult GmbH

Sind die Fahrten in Zügen und Bussen richtig eingerechnet? Lässt sich nicht durch Verbesserung der Ampelschaltungen die Verkehrsverstopfung auf der jetzigen B 64 entspannen? Und: Kann es sein, dass die B 64n, wenn sie dann 2030 fertig sein sollte, in dieser Größe gar nicht mehr gebraucht wird? Die zwei Stunden am Freitagabend brachten gefühlt gar nicht so viele Fragen zum Verkehrsgutachten des Aachener Büros DTV (die WN berichteten). Aber viele waren grundsätzlich; es ging unter anderem um die „Haltbarkeit“ der von DTV-Inhaber Dr. Hartmut Ziegler erhobenen Daten.

2030 soll die Verkehrsspitze erreicht sein

Ziegler selbst räumte auf Nachfrage von VCD-Regionalverbandsvorsitzendem Thomas Lins ein, dass man allgemein mit der Spitze der Verkehrsentwicklung im Jahr 2030 rechne. Für Lins stand damit folgerichtig fest, dass das ja wohl für ein Bauwerk sorge, das in dieser Dimension dann gar nicht mehr gebraucht werde. Ziegler bezog sich auf die Werte von 2018, die definitiv Steigerungen gegenüber der letzten Zählung von 2012 zeigten: 1,8 Prozent mehr Pkw, 8,7 Prozent zusätzliche Lkw-Fahrten. Schon „jetzt“, also Stand 2018, rollten westlich 9000 Fahrzeuge am Tag, 10 500 östlich und 14 500 in der Ortsdurchfahrt. Er konnte zwar nicht ausschließen, dass möglicherweise schon vor 2030 die Verkehre abnähmen; der Lkw-Verkehr seiner Erwartung nach aber nicht. Selbst deutlich mehr E-Autos angenommen, brauchten auch die Straßen. Und den Großteil des Schwerlastverkehrs, nämlich 70 Prozent – Bürgermeister Peter Horstmann hatte danach gefragt – schaffe die B 64n aus der Stadt.

Dr. Ing. Hartmut Ziegler

Eine große Unbekannte für Verkehrsplaner sprach Andrea Kleene-Erke (SPD) an. Sie arbeite in einem Unternehmen mit 5000 Mitarbeitern. Nur 15 Prozent arbeiteten noch vor Ort, der Rest im Heimbüro. Es sei sicher, dass auch nach dem Lockdown viele das weiter täten. Hartmut Ziegler gab ihr teils Recht: Zu Beginn von Corona seien die Individualverkehre um 50 Prozent geschmolzen. Aktuell – trotz noch fehlender Schulfahrten – sei das Niveau aber mit vorher vergleichbar.

Dennoch: In einem, zwei Jahren lägen dazu vielleicht andere Zahlen vor, weil es einen „großen Umbruch im Mobilitätsverhalten“ gebe. Auch diese Daten – das hatten Manfred Ransmann, Bernd Epmann und Sandra Beermann während der zwei Stunden mehrfach wiederholt – fließen fortlaufend in die Planungen ein, können also zu Veränderungen führen. Und Ransmann betonte, dass die Richtlinien für Lärmschutz (ein großes Thema im Hanseviertel) zu Jahresbeginn im Interesse betroffener Anwohner strenger geworden seien.

Homeoffice senkt Individualverkehr nicht mehr so stark

Jessica Wessels‘ (Bündnisgrüne) Hoffnung auf Zeitreserven in den Ampelschaltungen musste Ransmann enttäuschen. Da sei schon das Ende der Fahnenstange erreicht. Offenbar abweichende Werte für die tatsächlichen täglichen Fahrten auf der Zugstrecken, auf die Thomas Lins hinwies, müsse man laut Hartmut Ziegler noch einarbeiten. Die doppelte Zahl von Fahrten führe aber nicht zur doppelten Fahrgastzahl – wohl aber, so Bernd Epmann, zu doppelt so vielen Schrankenschließungen. Was wiederum den Verkehr bremse.

Mehr Zugfahrten gleich mehr Schrankenschließungen

Anregungen zu mehr Berücksichtigung des Radverkehrs wie von Dirk Schellhammer (CDU) hat Straßen NRW auf der Liste, wie Bernd Epmann bemerkte.nAuch einen – bisher nicht geplanten – möglichen Anschluss der Waterstroate an die Freckenhorster Umgehung soll DTV noch auf seine Entlastungswirkung berechnen.

Thomas Lins‘ Vermutung, dass die Tempo-100-Strecke zu mehr Unfällen führe wie auf der B 54, wies Hartmut Ransmann zurück. Dort werde schneller gefahren, als hier in Warendorf geplant.

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