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Elmar Brok hält Vortrag in Landvolkshochschule

„Europa muss geeinter auftreten“

Freckenhorst

Ein bekannter langjähriger Europaparlamentarier widmete sich in der Landvolkshochschule Freckenhorst einem aktuellen Thema: Elmar Brok sprach dort am Montagabend über Putins Angriffskrieg – und legte ein ums andere Mal den Finger in die Wunde.

Von Christopher Irmler

Der langjährige Europaparlamentarier Elmar Brok sprach am Montagabend in der Landvolkshochschule über Putins Angriffskrieg gegen die Ukraine. Foto: cirm

Zwei Jahre lang verhinderte die Corona-Pandemie größere Veranstaltungen in den Räumen der Katholischen Landvolkshochschule (LVHS), in den vergangenen 18 Monaten wurde die Gartenhalle saniert. Umso größer war nun die Freude bei LVHS-Leiter Michael Gennert, im Rahmen des Krüßingfests zu einem tagesaktuellen Vortrag einladen zu können. Vor mehr als 50 Interessierten sprach am Montagabend der langjährige Europaparlamentarier Elmar Brok.

Brok, mittlerweile unter anderem Berater der Münchener Sicherheitskonferenz, befasste sich in seinem gut einstündigen Vortrag mit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine und legte dabei ein ums andere Mal den Finger in die Wunde. Mit Nachdruck erinnerte Brok an die KSZE-Schlussakte von 1975, die Pariser Charta und das Budapester Memorandum. „Jedes Land kann frei entscheiden, wo es hin möchte“, so Brok. Die Ukraine sei slawisch, aber keinesfalls russisch.

Junge Ukrainer streben gen Westen

Die Entwicklungen seit dem Fall des Eisernen Vorhangs seien eindeutig, besonders die junge Bevölkerung der Ukraine strebe gen Westen. „Eine freie, erfolgreiche Ukraine ist das Letzte, was Putin braucht, um an der Macht zu bleiben“, sagte er. Brok weitete den Blick, verwies auf historische Parallelen und hinterfragte vielzitierte Positionen und einen unpräzisen Sprachgebrauch.

Elmar Brok bei seinem Vortrag. Foto: cirm

Polen und die Ukraine gerieten demnach immer wieder aus dem Blick. So werde in Deutschland mit Verweis auf den Zweiten Weltkrieg auf eine „besondere Verantwortung für Russland“ verwiesen, so Brok. Dabei griff Nazi-Deutschland nach seinem Überfall 1939 auf Polen im Jahr 1941 die Sowjetunion und damit zunächst vor allem Ukrainer und Weißrussen an. „Das Land, das im Zweiten Weltkrieg am meisten gelitten hat, war Polen.“

Drei polnische Teilungen

Weite man den Blick, müsse man auch an die drei polnischen Teilungen durch Preußen, Österreicher und Russen erinnern. Erst nach dem Ersten Weltkrieg 1918 erhielt Polen seine staatliche Souveränität zurück. Brok erinnerte an den Hitler-Stalin-Pakt 1939, in dem Deutsches Reich und Sowjetunion die Aufteilung ihrer Interessensphären fixierten – und sich dabei Polen und die Ukraine zuschoben.

Neben historischen Einordnungen blickte Elmar Brok auch auf Versäumnisse in der jüngeren Vergangenheit. Er kritisierte beispielsweise – unabhängig von Parteibüchern – die Entscheidungen für die Pipelines Nord Stream I und II, aber auch das Wirken von CDU-Politikern in Verteidigungs- und Rüstungsfragen. Europa müsse geeinter auftreten. Während die USA über 25 Waffensysteme verfügten, seien es in Europa 160; bei deutschen Rüstungsproduzenten werde aufgrund nationaler Sonderwünsche in Handarbeit statt am Fließband produziert.

Abschließend verurteilte Brok Stimmen, man solle die Ukraine nicht mehr mit Waffen unterstützen. Die Bedenken seien legitim, die damit verbundene Botschaft an die Ukraine laute jedoch, sich nicht mehr zu wehren. „Es ist eine Unverschämtheit, dies von einem Volk zu erwarten.“ Es gelte, den Vorwurf zu vermeiden, Demokratie und Freiheit verraten zu haben.

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