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Jahrgangsstufe neun des Laurentianums erlebt drei emotionsgeladene Tage in Thüringen

Exkursion mit vielen Irritationen

Warendorf

Das war eine Reise voller Emotionen – die Jahrgangsstufe neun des Laurentianums bereiste Thüringen mit den Städte Erfurt und Weimar. Auch ein Besuch des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald stand dabei auf dem Programm.

Von und

Die Laurentianerinnen und Laurentianer der Jahrgangsstufe neun vor dem Gothe-und-Schiller-Denkmal vor dem Deutschen Nationaltheater Weimar. Foto: Laurentianum

Es war eine aufwühlende und kontrastreiche Exkursion nach Thüringen, die die Jahrgangsstufe neun des Laurentianums über das Pfingstwochenende erlebte – mit insgesamt 41 Schülerinnen und Schülern unter der Leitung von Bettina Bloch, Lars Boesenberg und Jessica Neeland.

Im Zentrum der dreitägigen Exkursion stand die Frage, unter welchen Bedingungen Kultur und Menschlichkeit gelebt werden, und wann Menschen zu Grausamkeit und Barbarei fähig werden.

Nach einem Rundgang durch die sehenswerte mittelalterliche Altstadt Erfurts und dem Besuch der ältesten erhaltenen Synagoge Europas nördlich der Alpen löste vor allem der Besuch des Erinnerungsorts „Topf & Söhne“ Fassungslosigkeit und aus. Diese Erfurter Firma baute die Öfen für die Krematorien in Auschwitz, Buchenwald und anderen Konzentrationslagern sowie die Entlüftungsanlagen der Gaskammern in Auschwitz. Die Schülerinnen und Schüler, so heißt es in einer Pressenotiz der Schule, setzten sich mit der Frage nach dem Gewissen der Ingenieure und der Geschäftsführung auseinander und waren von deren Rechtfertigungsversuchen in der Nachkriegszeit ebenso erschüttert wie von der Tatsache, dass die Firma das Modell der Verbrennungsöfen der Konzentrationslager nach dem Krieg als Müllverbrennungsofen in Westdeutschland zu verkaufen versuchte.

Emotionalster Teil der Exkursion

Am folgenden Tag stand der emotionalste Teil der Exkursion an, der Besuch des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald. Leitender Gedanke war, wie vom ehemaligen Buchenwaldhäftling Józef Szajna formuliert: „Es gab nicht Teufel und Menschen, sondern Menschen und Menschen“. Dass „ganz normale Menschen“ nicht nur zu Tätern wurden, sondern die ohnehin unmenschlichen Regeln und Bedingungen des Konzentrationslagers durch negative Kreativität, Machtstreben und Sadismus noch steigerten, löste Entsetzen aus und führte zu emotionalen Fragen. Zugleich irritierte, dass SS-Offiziere mit ihren Familien ein „ganz normales“ Leben führten und nach ihrem Dienst in die Theater Weimars gingen oder sich liebevoll ihren Familien widmeten.

Auf dem Gelände der Gedenkstätte Buchenwald Foto: Foto: Laurentianum

Eine auf dem Lagergelände installierte schlichte Bodenplatte aus Metall, die zum Gedenken der Opfer und der Mahnung an die Menschlichkeit stets auf 37 Grad Celsius temperiert ist, löste vor diesem Hintergrund entsprechend emotionale Reaktionen aus, ebenso der Besuch des Krematoriumgebäudes, in dem die Verbrennungsöfen der Firma „Topf & Söhne“ zu sehen waren.

Die Weimarer Klassik Goethes

Der Kontrast des Folgetages, die Auseinandersetzung mit der Lebendigkeit, Offenheit, Humanität und Kultur der Weimarer Klassik Goethes, Schillers und der freiheitlichen Herrschaft des Weimarer Herzogs Carl Augusts im 19. Jahrhundert, irritierte die Exkursionsgruppe schließlich vollends. Nach einem Stadtrundgang zur Weimarer Klassik und zu der Rolle Carl Augusts und Goethes, dem Besuch der herzoglichen Residenz von Anna Amalia sowie von Goethes Wohnhaus, stellte sich den Schüler:innen die Leitfrage der Exkursion umso deutlicher: Wie konnte in diesem historischen Umfeld höchster Kultur eine solche Unkultur möglich werden?

Umso dringlicher erschien als Fazit, wachsam zu sein, eine humane und diverse Gesellschaft zu bewahren.

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