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Ausstellung im Rathaus: „Bestenfalls Gespenster“

Feine Fühler am Puls der Zeit

Warendorf

Bevor die Künstlerin Kaj Osteroth am Sonntag selbst zu Wort kam, gab ihre Freundin Johanna Kettlack eine künstlerische Einführung in die Ausstellung: „Es gelingt mir, durch deine Bilder mich und mein Umfeld, meinen Umgang mit der Welt und meine gelernten Glaubenssätze zu reflektieren.“ Sie sei tief beeindruckt von Osteroths feministischer Arbeits- und Denkweise.

Von Stephan Ohlmeierund

Kaj Osteroth führte zwei Gruppen durch ihre Ausstellung. Im Hintergrund Bilder, die Erlebnisse ihrer Zeit in Johannesburg wiedergeben.. Foto: Stephan Ohlmeier

„Endlich dürfen wir wieder mit ein paar Personen in eine Ausstellung gehen und die Kunst einfach nur genießen“, freute sich Horst Breuer, Leiter des Sachgebietes Kultur der Stadt Warendorf, am Sonntagnachmittag. Im historischen Rathaus wurde die bereits seit drei Wochen zu sehende Ausstellung „Kaj Osteroth_Bestenfalls Gespenster“ im Beisein der Künstlerin offiziell eröffnet.

Die Künstlerin Kaj Osteroth wurde 1977 in Beckum geboren, lebt heute hauptsächlich in ihren Ateliers in Berlin und Brandenburg. Bis 2006 studierte sie an der Universität der Künste unter Stan Douglas und beendete 2008 ihr Ethnologie- und Kunstgeschichtsstudium an der Freien Universität Berlin. Internationale Bekanntheit erlangte sie unter anderem durch ihre dialogische Arbeit mit der Künstlerin Lydia Hamann als feministisches Duo „Hamann & Osteroth“. Ihre Arbeiten werden weltweit ausgestellt, unter anderem 2019 im Museu de Arte de São Paulo. 2018 war sie Teil der 10. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst und ist eine der Villa-Romana- Preisträgerinnen 2020.

Bevor die Künstlerin am Sonntag selbst zu Wort kam, gab ihre Freundin Johanna Kettlack eine künstlerische Einführung: „Es gelingt mir, durch deine Bilder mich und mein Umfeld, meinen Umgang mit der Welt und meine gelernten Glaubenssätze zu reflektieren.“ Sie sei tief beeindruckt von Osteroths feministischer Arbeits- und Denkweise: „Immer wieder begegnet uns als Betrachter ihrer Kunst auch ihre laute Kritik der patriarchalen, kolonialistischen und rassistischen Strukturen in unserer Gesellschaft und der Kunstwelt im Speziellen.“ Ein Gestaltungsprinzip sei die Überhöhung der Wirklichkeit als Provokation und Wachrütteln von Stereotypen. Auf diese Weise gelinge es Kaj Osteroth, den wahren Kern sichtbar zu machen.

Johanna Kettlack betonte, dass die ausgestellten Werke zum Verweilen und genauem Beobachten einladen würden: „Wie ein Wimmelbild dürfen wir verschiedene Prozesse, Symbole und Figuren finden, die die Perspektive des Bildes sehr komplex machen und zeigen, dass Kaj ihre feinen Fühler am Puls der Zeit hat.“

Insgesamt teile sich die Ausstellung auf vier Räume auf. In den ersten drei Räumen nimmt Kaj Osteroth die Betrachter mit auf eine Reise zu ihren Arbeits- und Inspirationsorten. Im Mittelpunkt stehen die Auseinandersetzung mit Themen wie Freundinnenschaft, inspirierende Begegnungen, Frauenbewegung und Kolonialismus. Hingegen sind im vierten Raum die neuesten Bilder der Künstlerin ausgestellt und zeigen hauptsächlich Szenen aus ihrem Leben im südlichen Brandenburg: „Sie ruft reale und fiktive Personen in ihre aktuelle Lebenswelt und lässt deren Geist zu uns sprechen.“

Kaj Osteroth selbst führte am Sonntag zwei Kleingruppen unter Einhaltung der Corona-Schutzvorkehrungen durch ihre Ausstellung: „Im Grunde genommen sind meine Bilder immer so aufgebaut, dass ich eine Geschichte erzähle.“ Darunter seien auch Erlebnisse, die sie während ihrer Zeit als Künstlerin und Kulturproduzentin für das Goethe-Institut zwischen 2009 bis 2014 in Johannesburg (Südafrika) gesammelt habe. Zugleich betonte sie wiederholt, wie wichtig ihr eine Auseinandersetzung mit Stereotypen und der eigenen Lebenswelt ist: „Vielleicht müssen wir manchmal anfangen, freiwillig zu mutieren, weil unsere Gesellschaft sonst keine Überlebenschance hat.“

Von der Ausstellung begeistert war auch Dieter Müller als Vorsitzender des Kreiskunstvereins Beckum-Warendorf: „Es ist heute so etwas wie ein Neustart in Richtung Normalität.“ Zum einen lobte er die Kaj Osteroth für ihr „ausdrucksvolles künstlerisches Schaffen“, zum anderen die Stadt für die langjährige erfolgreiche Zusammenarbeit. Die Ausstellung ist noch bis zum 4. Juli dienstags bis freitags von 15 bis 17 Uhr sowie an den Wochenenden von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

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