Eingangsuntersuchungen während der Pandemie

Fit für die Schule ?

Warendorf

Während im letzten Jahr nur rund 70 Prozent der angehenden i-Männchen untersucht werden konnten, ist die Leiterin des Kreisgesundheitsamtes derzeit optimistisch und geht in einem Interview davon aus, dass mehr als 90 Prozent der Kinder auch untersucht werden.

Von Rebecca Lek

Während im letzten Jahr aufgrund der Corona-Pandemie nur rund 70 Prozent der angehenden i-Männchen untersucht werden konnten, sollen in diesem Jahr voraussichtlich mehr als 90 Prozent der Kinder untersucht werden können. Foto: Moritz Winde

Ein turbulentes Kindergartenjahr geht bald zu Ende. Komplett geschlossen, Notbetreuung, Pandemiebetrieb und normale Öffnung reihten sich aneinander. Kaum eine konstante Situation für die Kinder. Dennoch soll es für viele von ihnen im Sommer in die Schule gehen.

Um die Entwicklung des Kindes besser einschätzen zu können, gibt es seit mehreren Jahren eine Pflichtuntersuchung beim Gesundheitsamt. Dr. Anna Arizzi Rusche beantwortete den WN einige Fragen zur Schuleingangsuntersuchung unter Pandemiebedingungen.

Während im letzten Jahr nur rund 70 Prozent der angehenden i-Männchen untersucht werden konnten, ist Rusche derzeit optimistisch und geht davon aus, dass mehr als 90 Prozent der Kinder auch untersucht werden. Die Untersuchung an sich und auch die Inhalte hätten sich durch Corona allerdings kaum verändert. „Wir haben hohe Hygienestandards, die erfüllt werden müssen, um die Untersuchung pandemiekonform durchführen zu können. Allerdings haben wir die körperliche Untersuchung teilweise abgespeckt, um den Abstand einzuhalten“, erklärt Rusche. Neben der körperlichen Untersuchung wird auch die sprachliche, motorische und kognitive Entwicklung der Kinder begutachtet. Deutlich mehr Defizite konnten bis jetzt in der Motorik und auch bei der Sprache festgestellt werden. Für Rusche eine klare Auswirkung des Auf und Ab in den Kindergärten. „Ehrlicherweise haben wir damit gerechnet. Bei Kindern mit Migrationshintergrund wird die Sprache manchmal hauptsächlich im Kindergarten erworben beziehungsweise stark ausgebaut. Des Weiteren gibt es in Kindergärten und Vereinen tolle Bewegungsangebote, die nur teilweise bis gar nicht stattfinden konnten.“ In wenigen Ausnahmefällen haben jüngere Geschwister jedoch auch vom Homeschooling der älteren profitiert, hierbei handelt es sich nach Aussage der Expertin allerdings nur um Einzelfälle.

Insgesamt dauert die Untersuchung im Schnitt eine Stunde, wobei die Eltern dabei sein dürfen. Durch Corona wird jedoch darum gebeten, dass nur ein Elternteil mitkommt. „Die Eltern waren da sehr verständnisvoll und es gab kaum Diskussionen“, freute sich Rusche. In Einzelfällen wurde allerdings ein Übersetzer hinzugezogen. Angst oder Druck, dass das Kind „den Anforderungen nicht gerecht werde“, gab es nicht mehr oder weniger als in den letzten Jahren. Viel mehr hat Leiterin des Gesundheitsamtes eher den Eindruck gehabt, dass die Eltern dankbar für die Untersuchung waren. „Die Beratung in den Kindergärten entfiel teilweise und auch die Einschätzung der Grundschulen, da die Kinder oftmals nicht gesehen wurden. Die Einstufung empfanden viele Eltern daher als sehr wichtig, um selber zu wissen wo das Kind steht.“

Die Anfragen nach einer Rückstellung (dass das Kind ein Jahr länger im Kindergarten bleibt) kamen kaum. Viel mehr hätte der Wunsch nach Normalität und einem regulären Schuljahr im Fokus gestanden. Eine Rückstellung würde das Gesundheitsamt zudem nur in Ausnahmefällen, bei wirklich ausgeprägten Defiziten empfehlen. Statt die Kinder zurückzustellen, versuchten die Grundschulen, dem individuellem Bedarf des Kindes gerecht zu werden.

Aus diesem Grund gibt es die sogenannte „flexible Einschulungsphase“. Hierbei können die ersten beiden Schuljahre regulär in zwei Jahren durchgeführt werden oder aber auch auf ein Jahr verkürzt oder um ein Jahr verlängert werden. „Es sollte immer im Sinne des Kindes gehandelt werden. Was braucht das Kind für die optimale Entwicklung und welcher Förderbedarf besteht?“, meint Rusche.

Welche Auswirkungen der fehlende Unterricht in der Schuleingangsphase habe, könne man noch nicht abschätzen. „Das hängt immer sehr individuell vom Kind und vom familiären Hintergrund ab. Einige Kinder sind anpassungsfähiger und können selbstständig gut lernen. Manche Eltern haben mehr Zeit um zu helfen, andere sind beruflich mehr eingespannt“, erklärt Rusche.

Nach den Untersuchungen ist quasi schon wieder vor den Untersuchungen. Denn die nächste Runde startet bereits wieder im September für die nächsten angehenden Grundschüler. Hier hofft die Leiterin des Gesundheitsamtes auf deutliche Lockerungen für die Untersuchungen, möchte jedoch keine Prognose abgeben. Dass sie stattfinden werden, in irgendeiner Form, da ist sie sich jedoch sicher.

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