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Freifunk

Freies Internet für die Flüchtlinge

Warendorf

Mal sind 40 Surfer gleichzeitig online, mal sind es 60 – manchmal sind es auch mehr. Seit das Freifunk-Netz für die Flüchtlinge in der Notunterkunft läuft, wird es rund um die Uhr genutzt.

Engelbert Hagemeyer

Die Freifunker Sebastian Heller und Paulo da Silva haben das Netz aufgebaut. Anwohner Michael Petring (r.) „spendet“ seinen Internetanschluss. Foto: Hagemeyer

Die Menschen dort sind sichtlich dankbar für die Möglichkeit, mit ihren Smartphones Kontakt zu ihren Angehörigen zu halten. Laptops sieht man in der Unterkunft nicht, aber viele Menschen haben ein Handy in der Hand. Auf der Flucht haben sie es vielleicht für die Navigation genutzt, jetzt ist es die Verbindung zur Heimat. Aber es ist ziemlich wertlos ohne Internetzugang – deshalb sind die Warendorfer Freifunker aktiv geworden.

Das Freifunk-Netz lief dort schon, bevor die Flüchtlinge überhaupt angekommen waren. „Als ich erfahren habe, dass die Flüchtlinge kommen werden, bin ich direkt rüber gelaufen und habe ein kleines Netz installiert“, sagt Paulo da Silva von der Warendorfer Freifunk-Initiative. Zu dem Zeitpunkt wusste nicht einmal das DRK, der Betreiber der Unterkunft, davon. Inzwischen ist aber alles geklärt. Das Rote Kreuz weiß das Netzwerk zu schätzen und hat den Aufbau schnell und unbürokratisch unterstützt.

Die Freifunker haben es sich zur Aufgabe gemacht, im gesamten Stadtgebiet einen offenen und kostenlosen Internetzugang aufzubauen, sie sind damit Teil einer deutschlandweiten Initiative. In Warendorf gibt es schon mehr als ein Dutzend dieser „Knoten“, mit denen sich jeder mit einem internetfähigen Gerät einfach verbinden und dann los surfen kann. Seit Freitag geht das auch in und vor der Notunterkunft. Die Geräte hatte da Silva Zuhause, was fehlte war ein Internetanschluss. Den stellte Michael Petring zur Verfügung. Er wohnt gegenüber der Unterkunft und seit Ende der Woche wird ein Teil seiner Bandbreite per Richtfunk zum ehemaligen Schulgebäude übertragen. „Die Menschen dort sind rund um die Uhr im Netz“, sagt Petring. Das sieht er an den Statistiken seines Anschlusses. Die Technik ist so clever, dass sie die Bandbreite des DSL-Anschlusses, die ja begrenzt ist, aufteilen kann. Wenn Petring Zuhause mehr Bandbreite braucht, weil er etwas herunterlädt, haben seine Daten Vorrang. Bislang musste die Technik aber noch nicht einschreiten, denn selbst wenn 100 Menschen in der Unterkunft surfen, bleibt genug Bandbreite für Petring übrig.

Am Wochenende haben die Freifunker weitere Router aufgestellt und das kleine Netz ausgebaut. Seitdem gibt es fast auf dem gesamten Gelände einen drahtlosen Zugang für die Flüchtlinge. Damit ist die Grundversorgung gewährleistet, aber die Freifunker möchten das Netz gerne stabilisieren. Um die Ausfallsicherheit zu erhöhen und die Bandbreite besser aufzuteilen, suchen sie Anwohner in der Nähe der Unterkunft, die bereit sind ihren Internetanschluss zu teilen. „Ideal wäre jemand an der Kleinen Straße oder an der Hermannstraße“, sagt da Silva.

Für den „Spender“ fallen lediglich die geringen Stromkosten für die Hardware an, die die Freifunker stellen. Auch die Installation übernehmen sie. Wer in der Nähe der Notunterkunft wohnt und seine Bandbreite teilen möchte, kann sich per Email melden: info@freifunk-muensterland.de.

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