1. www.wn.de
  2. >
  3. Münsterland
  4. >
  5. Warendorf
  6. >
  7. Für Frieden und Freundschaft

  8. >

Partnerstadt-Bürgermeister erhalten Ehrensiegel

Für Frieden und Freundschaft

Warendorf

Zwei zutiefst überzeugte Europäer zeichnete Bürgermeister Peter Horstmann Freitagabend aus: François Tierce aus Pavilly und Jan Bronś (Olesnica). Sie tragen nun das Ehrensiegel Warendorfs.

Von Jörg Pastoor

François Tierce Stehende Ovationen für die beiden neuen Ehrensiegel-Träger nach der Verleihung am Freitagabend im Sophiensaal.In einer alten Citroën DS kamen Bürgermeister Peter Horstmann und seine Amtskollegen François Tierce und Jan Bronś Freitagabend am Sophiensaal anJan Bronś (l.) brachte den für Polen so nahen Ukraine-Krieg zur Sprache, dankte aber auch für die „wunderschöne Auszeichnung“.  Foto: Fotos: Jörg Pastoor

Die Bürgermeister zweier Partnerstädte für ihr langjähriges Engagement in der Völkerverständigung zu ehren? Das habe, meinte Peter Horstmann, „gerade in diesen Zeiten eine besondere Wichtigkeit und Dimension.“ Ohne ihn auszusprechen, meinte der Bürgermeister den Ukraine-Krieg. Umso wichtiger war Horstmann die Ehrung seiner Amtskollegen François Tierce aus Pavilly und Jan Bronś (Olesnica) im Sophiensaal. Beide erhielten das selten verliehene Ehrensiegel der Stadt Warendorf.

Als François Tierce die Grundlagen für seine ganz natürliche Tätigkeit in der Völkerverständigung begann, hatte Peter Horstmanns Geburt noch sechs Jahre Zeit: 1979 wollte Tierce Urlaub in Warendorf machen und zeltete hinter der Tankstelle an der Sassenberger Straße, erinnerte sein heutiger Amtskollege Horstmann. Fünf Monate arbeitete Tierce als Drehmaschinenschlosser bei Claas in Harsewinkel, wohnte in der Dreibrückenstraße. Abendessen gab‘s oft im Dreibrückenhof. Und in der Bar „Tiffanys“ neben dem Rathaus, das gab Tierce gern zu, habe er „eine Menge D-Mark gelassen“. Ob das mit der baldigen Schließung gleich nach seinem Weggang heim nach Pavilly zu tun hatte, bleibt offen . . .

Ehrensiegelträger Jan Bronś

In seiner Zeit hier an der Ems sei François Tierce „tief eingetaucht in die westfälische Kultur“, habe Land und Leute kennengelernt – was nicht selbstverständlich gewesen sei. Schließlich sei sein Vater, fünf Jahre in österreichischer Kriegsgefangenschaft – gar nicht froh darüber gewesen.

So habe Tierce „dazu beigetragen, dass Frankreich und Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg wieder zueinandergefunden haben“, so Peter Horstmann weiter in seiner Laudatio, die absatzweise sowohl ins Polnische als auch ins Französische übersetzt wurden.

Die Basis der Partnerschaft Freckenhorst-Pavilly drücke sich vor allem in der bis heute herzlich-engen Verbindung zur Familie Dudey aus – private Kontakte lägen Tierce besonders am Herzen.

Der Geehrte bedankte sich für die „große Ehre“ und verzichtete auf die durchaus mögliche, stundenlange Erinnerung an viele Momente und Anekdoten aus der Warendorfer Zeit. Dass erst vier andere Bürgermeister das Ehrensiegel erhalten haben, berühre ihn sehr. Er ließ die vertretenen Länder hochleben und beschwor den Einsatz für „ein freies Europa“.

Deutlicher auf den Ukraine-Krieg zu sprechen kam nach der von der „BFFbrass“ gespielten Marseillaise dann Jan Bronś. Der Bürgermeister Olesnicas bedauerte es, wies aber auf den Krieg „hinter der Ostgrenze Polens“ hin bei diesem „Treffen in außergewöhnlichen Zeiten“. „Das muss man erwähnen, denn die Ukrainer kämpfen auch für die Deutschen, die Franzosen, die Polen – für uns alle“, so Bronś unter dem Applaus der rund 60 Ehrengäste im Saal.

Ukraine-Krieg betont Bedeutung der Völkerverständigung

Er sagte ein herzliches „Danke, dass man heute hier unter Freunden sein kann“ und wünschte sich als Ingenieur auf Deutsch, „mit Menschen Brücken zu bauen“.

Jan Bronś, das hatte Peter Horstmann zuvor in seiner Ansprache gewürdigt, erlebte gleich nach Beginn seiner ersten Amtszeit als Olesnicas Bürgermeister 1990 den Fall der innerdeutschen Mauer.

Über den schon seit 1987 freundschaftlich mit Freckenhorst verbundenen Janusz Marszalek – in dem Fall der Familie Jaks, damals Vorsitzende des Kinder- und Jugendchors – kam Jan Bronś dann mit seinem damaligen Vize enger ins Thema Städtepartnerschaft. 2004 dann die Unterschrift unter die Urkunde der Städtepartnerschaft.

Dass die zur Unterzeichnung nach Polen gereisten Warendorfer das Gefühl hatten, als Fremde dort angekommen und als Freunde gefahren zu sein, das sei „maßgebliches Verdienst von Jan Bronś, der mit seiner Vision vom vereinten Europa“ zahlreiche Treffen auf vielen Gebieten initiiert habe, so Peter Horstmann. Austausche zwischen Gymnasium Laurentianum, Augustin-Wibbelt-Gymnasium und den beiden Gymnasien Olesnicas seien „ebenso lebendiges Zeichen der europäischen Partnerschaft wie die jährlichen Besuche der Europatage in Olesnica.“

Nach den Ansprachen trugen sich die beiden Geehrten und die Ehrengäste – unter ihnen der einzige noch lebende Warendorfer Ehrenbürger Michel Bentot und die Ehrensiegelträger Dieter Mevert, Willi Schütte und Klaus Schäffer – ins Goldene Buch ein, lud die Stadt dann zum Abendessen und Beisammensein im Sophiensaal ein.

Peter Horstmann kann zudem bald ins Training gehen. Denn François Tierce lud ihn ein, 2023 mit dem Rad von Pavilly nach Warendorf zu fahren.

Startseite
ANZEIGE