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Stiller Protest mit Stühlen

Gastronomen bangen um ihre Existenz

Warendorf.

Nach und nach öffnen die Geschäfte, doch die Gaststätten und Hotels, die der Shutdown im März kalt erwischte, müssen nach wie vor geschlossen bleiben. Für die Gastronomen geht es um die nackte Existenz. Das machten sie am Freitagvormittag mit einem stummen Protest auf dem Marktplatz deutlich.

-jb-

Stummer Protest auf dem Marktplatz: Die Gastronomie bangt um ihre Existenz. Wie die Gastwirte würde sich auch FDP-Politiker Markus Diekhoff MdL (kleines Foto, Mitte) eine klare „Exit-Strategie“ wünschen. Organisiert hatte die Aktion, bei der Hotelier Gerd Leve (l.) die Situation beschrieb, Halil Basaran, Geschäftsführer des Café Extrablatt (r.) Foto: Joke Brocker

Mit einem eindrucksvollen, einem stillen Protest machten die Warendorfer Gastronomen am Freitag auf ihre prekäre Situation aufmerksam. Für zwei Stunden erinnerte der Marktplatz an glückliche Vor-Corona-Zeiten. Stühle aller Art und eine festlich gedeckte Tafel hatten die Gastwirte und Hoteliers aufgebaut. Einziger Schönheitsfehler: Die Stühle blieben leer, mussten leer bleiben.

Leer wie die Kassen von Gastronomen, Hoteliers und Veranstaltern seit dem Shutdown am 18. März, der Ga­stronomie- und Touristikbranche in existenzielle Nöte stürzt. Mit dem Stuhl-Protest nach Dresdener Vorbild – dort hatte der Verein Leaders Club den stillen Protest gestartet, um sich Gehör zu verschaffen – fanden am Freitag in vielen deutschen Städten in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) vergleichbare Protestveranstaltungen statt. Als „Zeichen der Branche, dass wir da sind“, wie Gerd Leve bemerkte. Der Hotelier dankte im Namen seiner applaudierenden Kollegen ausdrücklich der Stadt Warendorf für deren Entgegenkommen, das offenbar nicht selbstverständlich ist, wie der Blick nach Münster zeigt, wo die geplante Protestaktion abgesagt wurde.

Leve beschrieb mit Fakten und Zahlen die dramatische Situation der rund 230 000 Hotel- und Gastronomiebetriebe im Land, die etwa 2,4 Millionen Menschen beschäftigen und nun ums Überleben kämpfen.

Der Hotelier stellte klar, dass die Gastronomen auf ein zweites Rettungspaket angewiesen seien, das deutlich über die bestehende Soforthilfe hinausgehen müsse. Gastwirte und Hoteliers fordern zudem eine Aufstockung des Kurzarbeitergeldes auf 80 Prozent sowie dessen Einführung für die Auszubildenden und Steuererleichterungen in Form eines reduzierten Mehrwertsteuersatzes auf alle Getränke und Speisen – und das über das nächste Jahr hinaus. Außerdem wünschen sich Gastronomen wie Gäste endlich Planungssicherheit. Dazu gehöre ein klarer Fahrplan für die Wiedereröffnung der Betriebe und eine klare Aussage darüber, welche Veranstaltungen in welcher Größenordnung in den nächsten Monaten stattfinden können.

Elementar wichtig sind laut Leve Betriebsunterbrechungsversicherungen. Von den Versicherungsgesellschaften wünsche man sich klare Antworten dazu, ob diese Versicherungen auch in dieser Situation vollumfänglich greifen.

Der FDP-Politiker Markus Diekhoff MdL, der sich am Freitag gemeinsam mit seinen Warendorfer Parteifreunden über die Situation der Gewerbetreibenden vor Ort informierte, bemerkte in einem kurzen Statement, dass Mehrwertsteuersenkungen und Rettungspakete wenig Sinn machten, wenn es keine Exit-Strategie gebe.

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