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Warendorf will an Schicksal der Zwangsarbeiter und Vertriebenen erinnern

Gedenktafel am Landgestüt

Warendorf

Sie kamen mit Viehwaggons zu jeweils 1000 Personen, überwiegend traumatisierte Kinder, Frauen und ältere Männer am Warendorfer Bahnhof an und wurden von dort in sogenannten Elendeszügen durch die Stadt zum Landgestüt gebracht. Viele der Heimatvertriebenen konnten nur noch tot aus den Zügen geborgen werden. Eine Gedenktafel im Eingangsbereich des Landgestüts soll nicht nur der Rolle des NRW-Landgestüts als Auffanglager für Heimatvertriebene, sondern auch der des Auffang- und Verteilungslagers für Kriegsgefangene gerecht werden.

Joachim Edler

Eine Gedenktafel im Eingangsbereich des Landgestüts soll nicht nur der Rolle des NRW-Landgestüts als Auffanglager für Heimatvertriebene, sondern auch der des Auffang- und Verteilungslagers für Kriegsgefangene gerecht werden. Der Kulturausschuss wird sich in seiner Sitzung am Mittwoch (14. April) mit der Gedenktafel beschäftigen. Foto:

Die Geschichte jener Menschen, die als Zwangsarbeiter während des Zweiten Weltkriegs nach Deutschland verschleppt und auch nach Warendorf gekommen waren, soll jetzt mit einer Gedenktafel am Landgestüt sichtbar gemacht werden.

Zum Hintergrund: Die leeren Pferdeställe des Landgestüts dienten in den Jahren 1945 und 1946 zunächst mehr als 10 000 Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter. Die Menschen kamen unter anderem aus Russland, Polen, den Baltenländern, Jugoslawien, Ägypten, Belgien und Italien. Sie erhielten – nach schweren Schicksalen – ihre Freiheit und wurden in ihre Heimat zurückgeführt oder in Länder ihrer Wahl.

Zeitgleich waren die Ställe des Landgestüts, aber auch die der damaligen Wehrkreis Reit- und Fahrschule (heute historische Gebäude der Georg-Leber-Kaserne), Auffanglager für mehr als 60 000 Heimatvertriebene aus den deutschen Ost- und Siedlungsgebieten.

Sie kamen mit Viehwaggons zu jeweils 1000 Personen, überwiegend traumatisierte Kinder, Frauen und ältere Männer am Warendorfer Bahnhof an und wurden von dort in sogenannten Elendeszügen durch die Stadt zum Landgestüt gebracht. Viele der Heimatvertriebenen konnten nur noch tot aus den Zügen geborgen werden.

Auch an sie soll die Gedenktafel am Landgestüt erinnern.

Unter den Heimatvertriebenen war auch das Kind Franz Junk. Es schlief damals auf Stroh gebettet in einem Futtertrog im Stall des Landgestüts. Heute ist Franz Junk römisch-katholischer Geistlicher, Prälat, Apostolischer Protonotar. Von 1983 bis 2012 war er Visitator für Priester und Gläubige der ehemaligen Grafschaft Glatz, die bis 1972 zum Erzbistum Prag gehörte. Seit 1983 bekleidet Franz Junk als Letzter das Amt des Großdechanten. Er ist Initiator der Idee, auf dem Gelände des NRW-Landgestüts in Warendorf eine Gedenkstele zu errichten, die an dieses historische Ereignis erinnert.

Mit dem Ehepaar Harald und Barbara Dierig, das zum Heimatbund Kreis Reichenbach (Patengemeinde Warendorfs) gehört, nahm Junk bereits im Jahre 2019 Kontakt auf, um die grundsätzliche Bereitschaft zur Umsetzung eines solchen Vorhabens abzuklären.

Mit dem in Warendorf ansässigen Historiker Prof. Dr. Paul Leidinger war schnell ein weiterer Mitstreiter für die Erinnerungstafel gefunden. Nach mehreren intensiven Gesprächen unter Federführung der Stadt Warendorf waren sich alle Beteiligten schnell einig, dass eine solche Gedenktafel nicht nur der Rolle des NRW-Landgestüts als Auffanglager für Heimatvertriebene, sondern auch der des Auffang- und Verteilungslagers für Kriegsgefangene gerecht werden sollte.

Für die künstlerische Umsetzung konnte der Künstler Basilius Kleinhans aus Sendenhorst/Günzburg gewonnen werden. Das Projekt wird vom Heimatbund Kreis Reichenbach/Eule (Sitz in Warendorf) und vom Verein Grafschaft-Glatz getragen, in deren Verantwortung auch die Akquise von Fördermitteln liegt. Die Kulturstiftung der Sparkassen Warendorf hat bereits Fördergelder in Aussicht gestellt. Der Kulturausschuss der Stadt Warendorf wird sich in seiner Sitzung am Mittwoch, 14. April, mit der Gedenktafel beschäftigen. Die Sitzung ist öffentlich; Beginn 17 Uhr in der Pausenhalle der Städtischen Gesamtschule.

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