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Patron der Geldbedürftigen auch im Finanzamt zu finden

Gedichte für heiligen Eligius

Warendorf

Er ist schon ein „merkwürdiger Heiliger“ – der heilige Eligius. Dem Patron, der laut Heiligenkalender den Gold- und Hufschmieden zur Seite steht, wird zumindest in Warendorf auch eine andere Seite zugeschrieben. Als Patron der Geldbedürftigen wird er unter anderem auch in Gedichten dargestellt. Selbst im Finanzamt der Emsstadt ist der heilige Eligius zu finden – wer weiß schon, was an diesem Ort ein schnelles Stoßgebet zu ihm noch bringen kann?

Von Klaus Gruhn

Kunst am Bau: die Eligiustafel im Finanzamt Warendorf – ob der damalige Leiter des Amtes, Regierungsrat Homoet dazu augenzwinkernd die Anregung gab, muss wohl offen bleiben. Foto: Joachim Edler

Wer es gerne möchte, der kann auch in Warendorf dem heiligen Eligius begegnen. Wie bereits berichtet, kann man bei einem Ferienspaziergang zur Freckenhorster Stiftskirche einen „merkwürdigen Heiligen“ kennenlernen. Einen Eligius nämlich, der nicht gemäß dem Heiligenkalender Patron der Gold- und Hufschmiede, sondern Patron der Geldbedürftigen ist. Doch nicht nur dort ist die Begegnung möglich – auch im Warendorfer Finanzamt. Doch zunächst zurück zur Stiftskirche. Der „merkwürdige Heilige“ hat dort schon frühere Besucher angeregt, sich mit diesem Eligius zu beschäftigen.

Zu ihnen gehört ein bedeutender Gelehrter, Franz Jostes (1858 – 1925), der an der Universität Münster nach seinen Studien in Berlin, Straßburg und Leipzig den Lehrstuhl für Germanistik innehatte und zahlreiche volkskundliche Forschungen betrieb. Jostes, als Bauernsohn in Glandorf geboren und Abiturient des Gymnasium Laurentianum in Warendorf, gehörte der „Geographischen Gesellschaft zu Münster“ an. Deren Mitglieder machten regelmäßig Exkursionen mit langen Spaziergängen im Münsterland und besuchten auch Freckenhorst. Sie verfassten darüber ausführliche Berichte, öfter auch in Gedichtform.

Gedichte des Franz Jostes

Eines solcher Gedichte verfasste Jostes nach dem Besuch in der Stiftskirche zu Freckenhorst. Das Bild des Eligius und besonders seine Bezeichnung als Patron der Geldbedürftigen regten seine Fantasie so an, dass er kurzerhand sein zweimaliges Wirken in die Geschichte Freckenhorsts verlegte. Einmal dichtete ihm Jostes seine Hilfe nach dem Brand zu, der 1129 zum Bau der jetzigen Kirche führte, zum zweiten sah er ihn in Verbindung mit den Raubzügen des Tollen Christian durch das Münsterland 1633 im Dreißigjährigen Krieg.

Als beim Wiederaufbau der Kirche 1129 das Geld ausgeht, lässt Jostes die Äbtissin in seinem Gedicht Eligius um Hilfe anflehen, und so heißt es dazu:

„…So geschah’s; durch seine Macht. Sah man bald in neuer Pracht Freckenhorst erstanden.

Und die Steine riefen laut:

‚Wer Eligius vertraut, Niemals wird zu Schanden‘.“

Jedoch die Güte des Heiligen gegenüber den Geldbedürftigen verführte auch zur Räuberei, als „…Einst der tolle Christian kam zu dieser Stelle: Sah das Bild im Gotteshaus. Brach in hellen Jubel aus: ‚Hier ist’s an der Quelle! Nönnchen, ihr habt Überfluss. Denn bei Sankt Eligius seid ihr wohlgeborgen! Darum her mit Gut und Gold. War er euch bis heute hold, bleibt er es auch morgen‘…“

Jostes und seine Freunde kehrten, wie üblich, nach ihrer Wanderung in einem der vielen Gasthäuser ein, wo natürlich die Rechnungen zu bezahlen waren. Dabei half der Heilige Eligius allerdings nicht, weshalb das launige Gedicht so abschließt: „Wer dies neue Lied erdacht, hat die Wallfahrt selbst gemacht. Und das Bild gefunden. Was er hatte, war gering, und als er von dannen ging, war auch das verschwunden.“

Soweit Jostes und seine Wallfahrt nach Freckenhorst um 1900. Eine „Wallfahrt anderer Art“ müssen viele Steuerzahler machen, wenn sie ihre jährliche Steuererklärung im Finanzamt Warendorf abzugeben haben. Dort aber finden sie an der linken Wand der Eingangshalle einen, soweit man weiß, in Deutschland einzigartigen Zuspruch.

Plastische Tontafel des Heiligen im Finanzamt

Er befindet sich auf einer plastischen Tontafel mit dem identischen Bild des heiligen Eligius aus der Stiftskirche Freckenhorst. Eligius wird daher auch im Warendorfer Finanzamt „Patronus Pecuniae Indigentium – Patron der Geldbedürftigen“ genannt, so dass vielleicht ein Stoßgebet den steuerpflichtigen Besucher vor allzu großen Steuerzahlungen schützen kann.

Als 1957 das Gebäude des Warendorfer Finanzamtes an der Düsternstraße bezogen wurde, gab es noch die staatliche Auflage, dass eine gewisse Summe für „Kunst am Bau“ vorzusehen sei.

Diese Bestimmung hatte zur Folge, dass der Telgter Bildhauer Baur von der Freckenhorster Eligiustafel eine Replik in Ton anfertigte. Ob der damalige Leiter des Amtes, Regierungsrat Homoet, dazu augenzwinkernd die Anregung gab, muss offen bleiben.

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