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Gedenken an Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz

Gegen das Vergessen von Mord und Vernichtung

Warendorf

Heute vor 77 Jahren befreiten alliierte Soldaten das KZ Auschwitz. Seit 2005 ist das Datum Holocaust-Gedenktag.

Stadtführerin Angelika Sturm, Bürgermeister Peter Horstmann, Kultur-Sachgebietsleiter Horst Breuer, VHS-Leiter Rolf Zurbrüggen und Udo Lakemper, Leiter des Paul-Spiegel-Berufskollegs (v.l.) Foto: Stadt Warendorf

Am 27. Januar jährt sich die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz durch die Alliierten zum 77. Mal. Dieses Ereignis von weltgeschichtlicher Bedeutung erhoben die Vereinten Nationen 2005 zum Holocaust-Gedenktag.

Der 27. Januar – wie ebenfalls der 9. November – sind auch im gesellschaftlichen Leben der Stadt Warendorf fest verankerte Gedenktage, die an das erinnern, was Adolf Hitler, die Nationalsozialisten und der Zweite Weltkrieg in die Geschichtsbücher schrieben. Sie erinnern auch an die Zerstörung und Verwüstung von jüdischen Geschäften und Synagogen, an Enteignung, Verschleppung und Deportation der 1938 noch in Deutschland lebenden Juden.

Erinnerung an das Unvergessliche

Sie erinnern aber auch an die mit dem 9. November 1938 beginnenden Vernichtungen und Ermordungen, in der das Nationalsozialistische Terrorregime verharmlosend die „Endlösung der Judenfrage“ sah.

Das Gedenken ist in Warendorf unter anderem mit dem Namen Hugo Spiegel verbunden. Spiegel kehrte nach der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau am 30. April 1945 auf einem beschwerlichen Weg durch das zerstörte Deutschland als Erster nach Warendorf zurück. Ausgerechnet in die Stadt, in der er 1938 von SA-Milizen an der Ems brutal zusammengeschlagen wurde. Die Frage, warum er nach all dem Erlebten und auf 40 Kilogramm abgemagert ausgerechnet hierhin zurückkehrte, stellt sich auch sein Sohn, der Warendorfer Ehrenbürger Paul Spiegel, in seinem Buch „Wieder zu Hause?“. „Hugo Spiegel (aber) war kein Philosoph. Er war ein klarer Kopf und ein westfälischer Dickschädel. Er war als Deutscher geboren worden und fühlte sich sein Lebtag so – selbst in Auschwitz. Daher stand für ihn unverrückbar fest: Warendorf ist mein Zuhause – komme, was da wolle.“

Paul Spiegel über seinen Vater Hugo

Wieder zu Hause kehrte Hugo Spiegel beruflich sehr schnell wieder zu seinen Wurzeln zurück. Er sann nicht nach Vergeltung. Ebenso wenig waren aber das Verdrängen oder Vergessen sein Bestreben. Und so begann er schon sehr früh, mit den politisch Verantwortlichen in Warendorf nach Formen des Erinnerns zu suchen.

Es sollte noch viele Jahre dauern, bis man hier bereit war, seinem Wunsch nach einem Gedenkstein auf dem jüdischen Friedhof an der heute nach ihm benannten Straße aufstellen zu können. Gemeinsam mit dem damaligen Bürgermeister Dr. Hans Kluck enthüllte Spiegel 1970 einen Gedenkstein. Mit den Worten „Zum Gedenken unserer jüdischen Mitbürger, die hier ihre Ruhestätte fanden, und derer, die in den Jahren 1933 bis 1945 umgekommen sind“ ist er ein erstes Zeichen der Erinnerungskultur an dieses dunkle Kapitel der Warendorfer und deutschen Geschichte. Diese doch eher verharmlosende Darstellung der Gräueltaten findet in einer zweiten, mit der Neugestaltung des Vorplatzes zum Jüdischen Friedhof 2006 umgesetzten Gedenkstele deutlichere Worte: Denn diese jüdischen Mitbürger sind nicht, wie viele weitere von den Nazis als „unwertes Leben“ eingestuften Mitmenschen auch, umgekommen. Sie wurden verschleppt, gefoltert und ermordet.

Nicht umgekommen: Von Nazis ermordet

Der im August 1990 auf der Freckenhorster Straße der Öffentlichkeit übergebene Gedenkstein an die Synagoge bezeugt dies ebenso. „Heute erinnern alle diese Orte wie auch die in Warendorf und den Ortsteilen verlegten Stolpersteine an unsere Geschichte und das, wozu totalitäre Regime mit all ihrem von Rassismus und Ausgrenzung beseelten Denken fähig sind“, so Bürgermeister Peter Horstmann.

Nicht nur in diesem Punkt sieht er sich dem Denken und Engagement von Ehrenbürger Paul Spiegel gegenüber in der Pflicht, der kurz vor seinem Tod beim Neujahrsempfang in Düsseldorf sagte: „Jede Begegnung, jedes Gespräch mit Menschen, die anders leben als wir selbst, trägt dazu bei, Vorurteile abzubauen. Nur mit diesem Bewusstsein wird es gelingen, in unserer Gesellschaft Weltoffenheit und Toleranz fest zu verankern, die Demokratie nachhaltig zu stärken und damit allen Bürgerinnen und Bürgern ein Leben in Freiheit und Sicherheit zu garantieren“.

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