Liebesbeziehung endet vor Gericht

Geld für Entjungferung gefordert?

Warendorf

Um den Vorwurf der räuberischen Erpressung ging es jetzt im Schöffengericht des Amtsgerichts. Im Mittelpunkt zwei Roma-Frauen muslimischen Glaubens, deren Kinder vor drei Jahren eine folgenreiche Liebesbeziehung eingegangen waren, die im November 2018 in einer Anzeige gipfelte.

Max Babeliowsky

2016 hatten sich der Sohn der heute 20-jährige Sohn der Klägerin und die heute 17-jährige Tochter der Beschuldigten ineinander verliebt. Die Mutter des damals 15 Jahre alten Mädchens hatte das seinerzeit wegen des jugendlichen Alters ihrer Tochter nicht gutgeheißen und soll, als ihre Tochter schwanger wurde, für deren „Entjungferung“ von der Familie des Freundes ursprünglich 25 000, später 13 000 Euro gefordert haben.

Bei Nichtzahlung würden ihre Kinder den Geschwistern des jungen Mannes „etwas antun“, soll die Beschuldigte gedroht haben. Während einer von beiden Familien arrangierten kostenaufwendigen Verlobungsfeier am 5. November 2016 waren dann aber offenbar die Wogen geglättet und die Gesamtkosten geteilt worden.

Die Angeklagte soll außerdem von der Klägerin 6 000 Euro in bar erhalten haben. Für den Fall, dass die restlichen 7 000 Euro nicht gezahlt werden sollten, wollte die Beschuldigte für eine Abtreibung des erwarteten Kindes in den Niederlanden Sorge tragen. Eine solche Abtreibung soll dann die Kindesmutter selbst veranlasst haben.

Fünf Monate später wurde sie allerdings erneut schwanger. Die Zahlung der 7 000 Euro stand immer noch aus, trotz mehrfacher Einforderung. Schließlich erstattete die Klägerin im November 2018 Anzeige.

Die von einer Verteidigerin begleitete Angeklagte sagte mit Unterstützung eines Dolmetschers aus und beteuerte, für die Entjungferung ihrer Tochter kein Geld verlangt zu haben.

Das Gericht konnte auf dieser Basis zu keinem Urteilsspruch kommen. Mit dem Einverständnis der Staatsanwältin und der Verteidigerin sollten nun doch noch die Tochter der Angeklagten und eine weitere Frau, die als geladene Zeugin der Verhandlung ferngeblieben war und deshalb eine Ordnungsstrafe von 150 Euro erhielt, gehört werden. Ein Fortsetzungstermin wurde für September/Oktober 2019 anberaumt.

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