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Erinnerung an Leinenhändler und Bürgermeister Heinrich Kleine (1630-1700)

Geldbörse verloren: Kapelle gebaut

Warendorf

Heinrich Kleine wurde Ende des 17. Jahrhunderts Ratsherr in Warendorf. Es ist überliefert, dass er am Ende einer Handelsreise seine „Geldkatze“ mit vielen Gold- und Silberstücken kurz vor seiner Heimkehr nach Warendorf verlor. In seiner Not machte er das Gelübde, eine Kapelle zu stiften, wenn er sein Geld wiederfände.

Von Mechthild Wolffund

Derzeit ist die Gröblinger Kapelle leider geschlossen, lohnt aber auch von außen einen Blick. Foto:

Es war zu der Zeit, als Warendorf noch eine bedeutende Leineweberstadt war. Das Warendorfer Linnen war wegen seiner hohen Qualität in ganz Europa beliebt. Sogar der Preußische König und Königin Victoria von England kauften das Warendorfer Leinen.

Auf fast allen Bauernhöfen und in vielen Stadthäusern surrte das Spinnrad den ganzen Tag und der Webstuhl klapperte. Jedes Familienmitglied musste beim Weben helfen. Für das tägliche Brot hatte fast jede Warendorfer Bürgerfamilie ihren Garten, in dem Obst und Gemüse und Blumen gepflanzt wurden und auf dem Kamp wuchsen Kartoffeln und Roggen, Gerste und Buchweizen.

Besonders gut gediehen in unserer Gegend Flachs und Hanf für die Leinenweberei. Das Weben war ein willkommenes Zubrot für die Bevölkerung, denn wenn man mehr Leinen webte, als für den Eigenverbrauch nötig war, wurden die Ballen auf dem Markt verkauft.

Weber gingen zu Fuß nach Münster

Weil es in Warendorf aber so viele gute Weber gab, nahmen kluge Weber den Leinenballen auf die Schulter und gingen zu Fuß nach Münster zum Markt, wo bessere Preise zu erzielen waren. Das kostete aber viel Zeit – und Zeit war Geld. So entstand der Beruf des Leinenhändlers, der sich „Verleger“ nannte.

Solch ein Leinenhändler war auch Heinrich Kleine, der 1630 hier in Warendorf geboren wurde. Er war der Sohn eines „geringen Leinen-Tuchmachers“, der zwar immer fleißig gewebt hatte, aber doch arm geblieben war. Heinrich Kleine aber wollte aus der Armut heraus. Darum heiratete er Gertrud Zurstraßen, die Tochter des wohlhabenden Kommiss-Bäckers. Durch sein Monopol für die Heeresbelieferung war der reich, aber nicht beliebt geworden.

Mit Gertruds Mitgift konnte Heinrich Kleine seinen Leinenhandel begründen. Jetzt verkaufte er für die Weber die Leinenballen dort, wo er das meiste Geld dafür bekam. Mit Pferd und Wagen fuhr er bis nach Holland und Belgien, an die Nord- und Ostseeküste und ins Ruhrgebiet. Hier bekam er gute Preise für das feine Warendorfer Linnen und konnte den Webern einen besseren Lohn zahlen und ihnen neues Leinengarn liefern.

Er selbst verdiente so gut, dass er sich an der Oststraße, dort, wo später die Schnellsche Buchhandlung der Familie Leopold war, ein stattliches Bürgerhaus bauen konnte, in dem er mit seiner Frau Gertrud und seinen Kindern wohnte.

Hier betrieb er auch seinen Leinenhandel und lagerte auf dem Dachboden seine Vorräte. Kleine besaß sogar so viel Geld, dass er dem Bischof von Münster Geld leihen konnte. Dafür bekam er den Titel eines fürstbischöflichen Hoffaktors. 1678 sorgte er dafür, dass auch Mitglieder des Leinentuchmacheramtes im Rat der Stadt vertreten waren.

Heinrich Kleine wurde Ratsherr. Der Leinenhändler wurde zweimal zum Bürgermeister gewählt. Das war damals eine hohe Ehre und nur reiche Kaufleute wurden dafür ausgewählt.

Bürgermeister Heinrich Kleine wirkte sehr segensreich für die Bewohner, vor allem für die armen Weber, deren Mühsal er ja genau kannte. Er war sehr durchsetzungsstark und seine Umgangsformen waren nicht gerade zimperlich.

So ist uns überliefert, dass er den Rat einmal so gröblich beleidigte, das er dazu verurteilt wurde, die sieben steinernen Kreuzwegstationen auf dem Prozessionsweg von Telgte nach Münster auf seine Kosten zu errichten.

Ferner ist überliefert, dass er am Ende einer Handelsreise seine „Geldkatze“ mit vielen Gold- und Silberstücken kurz vor seiner Heimkehr nach Warendorf verlor. Damit wäre nicht nur sein eigener Verdienst dahin gewesen, nein, er hätte auch seine Weber nicht bezahlen können und so manche Familie ins Elend gestürzt. In seiner Not machte er das Gelübde, eine Kapelle zu stiften, wenn er sein Geld wiederfände.

Kleine ritt seinen Weg zurück über den Osnabrücker Landweg, damals der wichtigste Fernhandelsweg von Nord nach Süd. Kleine fand die unversehrte „Geldkatze“ in Gröblingen.

Genau an jener Stelle ließ er – im 33. Jahr seiner Ehe – eine kleine Rundkapelle im barocken Stil „zu Ehren der schmerzhaften Muttergottes Maria“ errichten. Auf den Altar stellte Heinrich Kleine jenes kostbare Kruzifix, das er bei den Umbauarbeiten hinter seinem Haus an der Oststraße in der Erde gefunden hatte.

Am Morgen des Mariä Himmelfahrtsfestes, dem 15. August 1688, weihte Pfarrer Neuhaus von St. Laurentius die Kapelle feierlich ein. Nun konnten die Gröblinger an Sonn- und Feiertagen der Heiligen Messe beiwohnen, ohne den langen und mühsamen Weg zur Laurentiuskirche in Warendorf auf sich nehmen zu müssen.

Heinrich Kleine starb am 21. August 1700 und wurde – wie schon seine Ehefrau zehn Jahre zuvor – in der Gröblinger Kapelle begraben. Noch heute ist die kleine Kapelle das Zentrum der Bauerschaft Gröblingen.

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