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Typisierungsaktion der DKMS an den Gymnasien

Gemeinsam im Kampf gegen den Blutkrebs

Warendorf

Rund 95 Prozent der über 17-jährigen Schülerinnen und Schüler am Mariengymnasium und am Laurentianum haben sich an der Typisierungsaktion der DKMS beteiligt. Sie wollen Leukämie-Patienten die Chance geben, durch eine Stammzellenspende wieder gesund zu werdenn.

Von Ulrich Lieber

Gemeinsam im Einsatz gegen den Blutkrebs: Lehrer Peter Behrens (l.) und Markus Artmeier von der DKMS (r.) gemeinsam mit dem Helferteam aus der Sanitäts-AG (v.l.): Hannah Arendt, Cahrlotte Seiler, Mira Eggersmann, Luise Offinger und vorne Tabea Haack und Emily Wiemann. Foto: Ulrich Lieber

Das Mariengymnasium und das Laurentianum sagen dem Blutkrebs den Kampf an. Bereits zum zehnten Mal fand an beiden Schulen eine Typisierungsaktion der DKMS (Deutsche Knochenmarkspenderdatei) statt, und die Resonanz war wieder hervorragend. „Über 95 Prozent der über 17-Jährigen haben teilgenommen“, freut sich der Polizeibeamte Markus Artmeier, der ehrenamtlich für die DKMS tätig ist.

Initiatoren der Typisierung waren und sind die Lehrerin Petra Behrens am Lau und ihr Mann und Lehrer Peter Behrens am MGW. Eine Tochter des Ehepaares war an Leukämie erkrankt, ist aber mittlerweile wieder genesen. „Das ist für uns natürlich ein Glücksfall“, erklärt Artmeier.

Markus Artmeier

Die Schülerinnen und Schüler wurden an den Gymnasien vor einer Woche auf einer Informationsveranstaltung für das Thema sensibilisiert und waren daraufhin hochmotiviert, an der Aktion teilzunehmen. Die Schüler erhielten eine Einverständniserklärung, ein Wangenabstrichset für zu Hause und können damit ihre Probe abgeben. „Sie müssen mit dem Stäbchen zwischen Zähne und Wange und einen Abstrich entnehmen. Die Proben werden dann zum Labor der DKMS nach Köln geschickt und anonym typisiert“, erklärt Markus Artmeier das Procedere. Anschließend werden die Ergebnisse in einer weltweiten Datenbank für Blutkrebspatienten abgespeichert.

Mit der Probe werden die Gewebemerkmale der Freiwilligen ermittelt. Jeder Teilnehmer erklärt sich bereit, seine Stammzellen im Bedarfsfall zu spenden. Wer sich in einem solchen Fall dann aber nicht mehr wohl mit der Entscheidung fühlt, der hat immer noch die Möglichkeit, von seiner Einverständniserklärung zurückzutreten.

Sollte der seltene Fall eintreten, dass eine Stammzellenspende möglich ist, gibt es zwei Entnahmemethoden: die periphere Stammzellentnahme und die Knochenmarkentnahme. „Früher wurde eine Punktion am Beckenkammknochen vorgenommen, das ist heute aber nur noch in zehn Prozent der Fälle so. Zu 90 Prozent wird die periphere Entnahme durchgeführt, bei der die Stammzellen herausgefiltert werden“, erklärt Artmeier. Das sei so ähnlich wie bei einer Dialyse und würde in etwa drei bis fünf Stunden dauern. Damit der Spender genügend Stammzellen hat, erhält er zuvor ein paar Spritzen, damit sich zusätzliche Stammzellen bilden. „Man ist also danach nicht unterversorgt, sondern gibt die Stammzellen ab, die überflüssig sind.“

Blutkrebs ist ein Sammelbegriff für verschiedene bösartige Erkrankungen des blutbildenden Systems, bei denen Blutzellen entarten und sich unkontrolliert vermehren. Diese entarteten, bösartigen Zellen verdrängen die roten Blutkörperchen (Erythrozyten), die weißen Blutkörperchen (Leukozyten) und die Blutplättchen (Thrombozyten).Rote Blutkörperchen transportieren normalerweise Sauerstoff, weiße Blutkörperchen bekämpfen Infektionen und Blutplättchen stoppen Blutungen. Werden diese gesunden Blutzellen von funktionsuntüchtigen, kranken Zellen verdrängt, kann das Blut seine lebensnotwendigen Aufgaben nicht mehr übernehmen.

Damit betroffene Patienten weiterleben können, benötigen sie die Stammzellenspenden. Je mehr Menschen sich typisieren lassen, desto größer ist die Chance auf Heilung. „Jeder Mensch hat seinen genetischen Zwilling“, versichert Artmeier. Und in Warendorf war die Trefferquote bisher deutlich über dem Durchschnitt. „Aus unseren Typisierungen sind schon 15 Stammzellenspender hervorgegangen. Das ist ein Supererfolg, denn wir haben damit vermutlich 15 Leben gerettet.“

Diese Erfolge motivieren auch das Ehepaar Behrens, die Typisierungsaktion weiter zu organisieren. „Wir erreichen hier mit wenig Aufwand sehr viel.“

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