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Kunstwerke selbst herstellen

Geschenke von Herzen

Warendorf

Wie man mit künstlerisch wertvollen Kleinigkeiten Familie, Freunde und Bekannte erfreuen kann, hat der Warendorfer Künstler Friedrich Kreuzberg den WN in seinem Atelier demonstriert.

Joke Brocker

  Foto: Brocker

Der Sinn des Weihnachtsfestes, ärgert sich Friedrich Kreuzberg, gehe zunehmend verloren. „Überall nur noch Konsum und Kommerz“, schimpft der 73-jährige Künstler und erzählt vom Weihnachtsfest 1945. Damals lebten er und seine Mutter im zerbombten Düsseldorf auf engstem Raum: „Wir waren froh, überhaupt ein Dach über dem Kopf zu haben“, blickt der Warendorfer zurück. „Meine Mutter hat Brot geröstet und es mit braunem Zucker bestreut. Das waren meine Weihnachtsplätzchen.“ So viel Verzicht ist natürlich extrem. Doch damals hat Kreuzberg, wie viele andere seiner Generation, gelernt, auch vermeintliche Kleinigkeiten zu schätzen. Und mit solchen „Kleinigkeiten“ bereitet der Tier- und Jagdmaler seinen Kindern sowie – handverlesenen – Freunden und Bekannten auch in der Weihnachtszeit gerne eine Freude. Wie man mit etwas Fantasie, Kreativität, auch kleinerem Budget und sogar auf den letzten Drücker hübsche Kunstwerke schaffen kann, die von Herzen kommen, demonstrierte der Künstler wenige Tage vor Weihnachten den WN in seinem Atelier an der Oststraße.

Vergleichsweise schnell gestaltet sind Linolschnitt-Grußkarten, die nach dem Fest garantiert nicht ins Altpapier wandern. Das Arbeitsmaterial: ein Stück Linoleum, es darf auch gern das Überbleibsel einer alten Kegelbahn oder eines ausgedienten Fußbodens sein, ein scharfes Messerchen, Farbroller, Acrylfarbe und Papier. Wer‘s edel mag, wählt Bütten. Mit dem Schnitzmesser wird ein Motiv in die Linolplatte geschnitten. Mit einer Gummiwalze wird auf einer glatten Oberfläche (etwa einer Glasplatte) die Farbe verteilt und gleichmäßig aufgenommen. Danach wird das in die Linolplatte geschnittene Negativmuster gleichmäßig eingefärbt. Diese wird anschließend auf das saugfähige Papier gedrückt. Fertig ist die Grußkarte, die man noch mit einem hübschen Band dekorieren kann.

Das ganze Jahr über, vor allem, wenn er in Österreich, Kanada oder irgendwo am Meer urlaubt, sammelt Friedrich Kreuzberg Federn, Muscheln, Treibholz und Steine; und gestaltet aus diesen Materialien ansprechende Objekte. Durch einige wenige Pinselstriche verwandelt sich der an einem Ostseestrand gefundene Feuerstein in einen Seehund. Mit Kontaktkleber auf einem zuvor grundierten Brettchen fixiert, das er sich im Baumarkt hat zurecht schneiden lassen, und versehen mit einer Signatur, entsteht so ein echtes Unikat, mit dem der Beschenkte zum Beispiel an einen unvergesslichen Urlaub am Meer erinnert wird. Der Rest einer Koralle oder eine kleine Muschel nimmt sich auf einem glatten Kieselstein wie ein kostbares Schmuckstück aus.

Mit grafischen Ornamenten versehene, schinkenförmige Steine, hängen bei Kreuzberg unter der Holzbalkendecke. Flache Steine, die er an österreichischen Bächen findet, bemalt er mit Acrylfarben, baut daraus Mobilees oder befestigt sie mit Hilfe von Drahtbügeln aus der Reinigung in alten Bilderrahmen, die ihrerseits von einem Drahtbügel gehalten werden. In der gemütlichen Wohnung des Künstlers peppen diese Hingucker die weißen Heizkörper unterhalb der Fenster auf.

Und warum nicht einfach mal etwas malen? Mit Hilfe von in Acrylfarbe getauchten Korken lassen sich farbenfrohe Erinnerungen an einen schönen Sommer auf Papier bannen.

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