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175 Jahre neue Pfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt

Gläubige sind entschiedener

Füchtorf

Die Pfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt feiert ihr 175-jähriges Bestehen. Pandemiebedingt fallen die Jubiläumsfeierlichkeiten etwas kleiner aus als noch vor 25 Jahren.

Von Ulrike von Brevern

Trutzig wirkt der Turm der Füchtorfer Pfarrkirche aus dieser Perspektive (oben). Er wurde, auch aus Kostengründen, erst viel später fertiggestellt, als die neue, neugotische Pfarrkirche. De Foto: Ulrike von Brevern

Die Stürme des Winters 1839/40 müssen für die katholischen Gläubigen in Füchtorf einen echten Schock bedeutet haben. Nicht, dass sie nicht vorgewarnt gewesen wären: Die Risse in ihrer Kirche, die sich von den Fenstern bis unters Dach und den gesamten Turm hinauf zogen, waren unübersehbar und wurden bereits kontrolliert. Doch in jenem Jahr gab der Sturm dem rund 600 Jahre alten romanischen Bauwerk den Rest. Wegen akuter Einsturzgefahr durfte von jetzt auf gleich keine Messe mehr gelesen werden. Es schlug die Stunde der „neuen Pfarrkirche“ in Füchtorf, deren Kirchweihtag sich in diesem Jahr zum 175. Mal jährt.

Pastor Norbert Ketteler

Fast 16 000 Taler mussten die Füchtorfer damals berappen und da war der neue Turm, der erst 1902 entstand, noch nicht dabei. Eine Hauskollekte in ganz Westfalen brachte 8 000 Taler zusammen. Der Rest blieb der Gemeinde – plus Hand- und Spanndienste. „Ich blicke mit großer Dankbarkeit auf die Gemeinde damals. Wir würden das heute nie schaffen“, sagt Füchtorfs langjähriger Pastor Norbert Ketteler nachdenklich.

Pandemiebedingt fallen die Jubiläumsfeierlichkeiten etwas kleiner aus als noch vor 25 Jahren. Allerdings ist es nicht allein die Pandemie, die die Zahl der Messebesucher sinken lässt, weiß Ketteler. Nur noch rund 100 Gläubige dürfen in die Kirche; mehr kamen vor Corona allerdings auch nicht. Berechnet worden war die Kirche vor 175 Jahren für 800 Erwachsene und 400 Kinder.

Pastor Norbert Ketteler

Das nachlassende Interesse am kirchlichen Leben will er in seiner Festmesse ansprechen, hat sich Pastor Ketteler fest vorgenommen. Allerdings ist er auch dankbar für das, was ist. „Der Kontakt zur Kirche hat nachgelassen. Da kann sich heute jeder ausklinken“, sagt er. „Aber wer trotzdem kommt, ist auch mit mehr Entschiedenheit dabei.“ Eltern, die ihre Kinder bei kirchlichen Aktivitäten unterstützen, zollt er Respekt.

Am eigentlichen Kirchweihtag am Donnerstag (23. September) hat die Gemeinde neben der Festmesse die Begegnung der Vertreter „Geistlicher Berufe“ in den Mittelpunkt des Festprogramms gerückt. „Das ist ein Werktag“, sagt Pfarrer Ketteler nüchtern. Diejenigen, die in und für die Kirche arbeiten würden den Tag nutzen, um sich gegenseitig zu stärken. Als Ehrengäste werden unter anderem je drei Priester und Ordensfrauen erwartet, die aus Füchtorf stammen. Mit Vorfreude blickt Ketteler auf ein weiteres Highlight, den Festvortrag am Freitag, den Professor Johannes Meier, emeritierter Kunsthistoriker der Uni Mainz über die neue Pfarrkirche halten wird.

Ketteler macht darauf aufmerksam, dass die neue Kirche ein Zeichen für das Aufblühen des Kirchenlebens vor 175 Jahren gewesen sei und das habe das Dorfleben mitgezogen. Ein Beleg: Im kommenden Jahr steht das Fest für 175 Jahre Bürgerschützenverein auf der Dorfagenda. Und allzu pessimistisch will er auch nicht sein. Schließlich: „Die alte Kirche hat 600 Jahre gedient. Da hat die neue noch rund 400 Jahre vor sich“, schmunzelt er. „Es wäre spannend, in die Zukunft zu blicken.“

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