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100 Jahre Schützenverein „Hinter den drei Brücken“

Gründung bis morgens gefeiert

Warendorf

Seit 100 Jahren besteht der Schützenverein „Hinter den drei Brücken“. Wie er entstanden ist, hat Vereinschronist Christian Fährenkämper ausfindig gemacht.

Beeindruckend waren schon immer die Paraden auf der Dreibrückenstraße. Foto: Archiv

„In Naut un Daut hol wie to haup.“ Frei übersetzt heißt das: Wir halten in guten und in schlechten Zeiten zusammen! Es ist der Wahlspruch des Schützenvereins „Hinter den drei Brücken“, der in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen feiert. Anlässlich des Jubiläums hat der Vereinschronist Christian Fährenkämper ins Protokollbuch des Vereins geschaut:

Die Anfänge des Vereins reichen in die frühen 1900er Jahre zurück. Wenn die Gestütswärter des Landgestüts nach mehrmonatiger Zeit auf den Deckstationen in der Region nach Warendorf zurückkamen, hatte es sich ergeben, dass man dies im Rahmen eines Nachbarschaftsfestes gebührend feierte. Über die Jahre fand das immer größeren Zuspruch und wurde im Saal und auf dem Gelände der ehemaligen Gaststätte „Tönneburg“ ausgerichtet. Christian Fährenkämper ist im Besitz des sorgfältig geführten Protokollbuches aus dieser Zeit und kann detailliert unter anderem die Gründung des Vereins nachvollziehen.

Auf Grund des sich weiter entwickelnden Warendorfer Nordens und dem zunehmend an Attraktivität und Zuspruch gewinnenden Nachbarschaftsfest im Sommer entwickelte sich die Idee der Gründung eines Vereins im und für den Warendorfer Norden. Im Herbst 1921 trugen sich die Anwohner des „Emstores“ (so wurden die Bewohner des Stadtteils im Norden von Warendorf gerne bezeichnet) mit dem Gedanken, die Nachbarn zu einem Verein zusammenzuschließen. Über den Zweck des Vereins war man durchaus unterschiedlicher Ansicht. Dem Protokollbuch nach wurde sowohl über die Gründung als Wirtschafts- oder als Vergnügungsverein, aber auch schon als Schützenverein diskutiert. Um den Gründungsgedanken in die Tat umzusetzen, verfasste Nachbar Gausepohl unter der Bezeichnung „Der Einberufer“ Einladungen an sämtliche möglichen Interessenten und lud zu einer Versammlung in die damalige Gastwirtschaft Pumpe (heute Sole Mio) ein.

Für die Bürger des Warendorfer Nordens

Dem Vereinsarchiv ist zu entnehmen, dass sich „eine ansehnliche Anzahl von Nachbarn eingefunden haben“. Außerdem wird von einer angeregten Diskussion zur Ausrichtung des zu gründenden Vereins berichtet. Letztlich endete die Versammlung mit dem einhelligem Votum, einen Verein für die Bürger besonders des Warendorfer Nordens zu gründen. Zeitgleich wurde ein provisorischer Vorstand gewählt, der beauftragt wurde, die erforderlichen Schritte für die formale Gründung eines eingetragenen Vereins zu unternehmen. In der Vereinshistorie des Schützenvereins „Hinter den drei Brücken“ wird diese Versammlung als Gründungsversammlung angesehen, von ihr ging der wesentliche Impuls zur Gründung des Vereins aus, der heute im Warendorfer Norden, aber auch im Warendorfer Schützenwesen fest verankert ist.

Der provisorische Vorstand organisierte noch 1921 ein erstens Weihnachts- und zum Jahreswechsel ein erstes Neujahrsfest. Durch den überaus großen Zuspruch zu diesen Festen, die in der Gaststätte „Tönneburg“ durch Vereinswirtin Ida Mellange durchgeführt wurden, ermutigt, lud man am 5. Juni 1922 nach weiteren vorbereitenden Sitzung zur formalen Gründungsversammlung in den Saal der Tönneburg ein.

Im Gründungsprotokoll wurde der Einsatz von Frau Westhaus und Frau Günther in der Mitgliederwerbung besonders gewürdigt, letztlich sei es ihnen zu verdanken, so Gausepohl, dass 80 Nachbarn zur Gründungsversammlung erschienen seien. Man beschloss einstimmig die Gründung des Vereins mit dem Namen „Hinter den drei Brücken“. Zum ersten Vorsitzenden in der Historie des Vereins wurde Bernhard Schnieder gewählt, der sein Amt von 1921 bis 1951 ausübte, Ferdinand Baggeroer wurde zu seinem Stellvertreter gewählt. Im ansonsten sehr sachlich gehaltenen Gründungsprotokoll ist vermerkt, dass die Vereinsgründung „gebührend und in ausgelassener Stimmung bis in die frühen Morgenstunden“ gefeiert worden sei.

Sommerfest im August 1922

Im August 1922 wurde auf der Tönneburg das erste Sommerfest des neu gegründeten Vereins unter musikalischer Gestaltung der damaligen Gestütskapelle gefeiert, welches mit Kinderbelustigung, festlicher Polonäse und Tanz einen glanzvollen Verlauf nahm.

In den folgenden Jahren entwickelte sich das Neujahrsfest zu einem Winterfest mit Musik und Tanz, so wie es die Dreibrückenschützen weiterhin heute in den Räumlichkeiten des Kolpinghauses jeweils am 2. Samstag des Januar feiern. Das Sommerfest dagegen entwickelte sich zunehmend und erhielt weiter großen Zuspruch, so dass bereits im Rahmen des Festes im Jahr 1923 ein Kinderkönig gekürt wurde. Nach Altväterart schossen die Jungen mit Armbrust auf einen in luftiger Höhe thronenden Vogel mit anschließender Proklamation des Kinderkönigspaares. Der Chronik zufolge war Bernhard Klaas der erste Kinderkönig und Thea Kleinelümmern seine Kinderkönigin.

Erstes Stern- und Hampelmannschießen im Jahr 1924

1924 wurde für die Erwachsenen erstmalig ein Stern- und Hampelmannschießen durchgeführt. Erster Hampelmannkönig wurde Bäckermeister Schildmacher. Für die in der Satzung verankerte Pflege althergebrachter heimatlicher Bräuche setzte sich der Verein auch dadurch ein, dass er ab 1925 das Abbrennen eines großen Osterfeuers durchführte und ab hier 1928 sogar eine Blaskapelle am Osterfeuer aufspielte.

Im Jahre 1926 wurde das Vogelschießen für Kinder eingestellt, wobei die Gründe hierfür der Chronik nicht zu entnehmen sind. Zunehmend wurde im Nachbarschaftsverein nun über die Ausrichtung eines Schützenfestes inklusive eines Königsschießens diskutiert. In der Vorstandssitzung vom 10. Juni 1929 wurde beschlossen, beim jährlichen Sommerfest ein „Ringen um die Königswürde und anschließender Proklamation des Königspaares“ durchzuführen, was beim folgenden Sommerfest erstmals umgesetzt wurde. Der Schützenverein „Hinter den drei Brücken“ e.V. heutiger Prägung war somit aus dem Nachbarschaftsverein der Bürger des Warendorfer Nordens und wesentlich der dort lebenden Gestütswärter mit ihren Familien hervorgegangen. Zu ersten Zeremonienmeister wurde Heinrich Povelhovski gewählt, der dieses Amt über viele Jahre ausübte. Umjubelter erster Schützenkönig des Schützenvereins „Hinter den drei Brücken“ wurde 1929 Gerhard Kunstleve, der sich „Fräulein Maria Peters“ zu seiner Königin auserkor.

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