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Verfahren wegen sexuellen Missbrauchs nicht fortgesetzt

Gutachter muss Alkoholkonsum bewerten

Warendorf

Das Verfahren wegen sexuellen Missbrauchs wurde nicht fortgesetzt: Die Bedeutung von Alkohol im Leben des Angeklagten spielt eine Rolle.

Von Christopher Irmler

Symbolbild Foto: GaToR/Fotolia

Wegen des Vorwurfs des sexuellen Missbrauchs musste sich am Donnerstag ein 38-jähriger Warendorfer vor dem Schöffengericht verantworten. Doch das Verfahren wird nicht fortgesetzt, sondern neu terminiert. Ein Sachverständiger soll zunächst die Rolle von Alkohol im Leben des Mannes klären.

Das Opfer war laut Anklage seine Halbschwester. Sie hatte in der Nacht auf den 11. Oktober 2020 gefeiert und gegen 4 Uhr stark alkoholisiert die Wohnung des Angeklagten aufgesucht. Den Weg zu ihrer eigenen traute sie sich nicht mehr zu.

Als sie gänzlich bekleidet im Bett des Warendorfers schlafen wollte, habe sich dieser zu ihr gelegt, sie begrabscht und sein Glied an ihrem Körper gerieben. Gegen 9 Uhr sei sie ohne Jeans und mit verkehrt angezogenem Tanga aufgewacht.

Zwei, der Halbe und eine Flasche Wodka

Vorwürfe, die der Angeklagte bestritt. Er sei ebenfalls sehr betrunken gewesen. Seine Version: Sie schlief in seinem Bett, er auf der Couch. An mehr erinnere er sich nicht. Gemeinsam mit seinem Verteidiger rekonstruierte er die Geschehnisse. So hatte er sich nachmittags nach Freckenhorst begeben, um dort mit einem Freund „fünf, sechs, sieben halbe Liter Bier“ zu trinken. Mit dem Bus ging es gegen 22.50 Uhr zurück nach Warendorf. Sein Ziel war nun jedoch nicht die heimische Adresse, sondern die Wohnung der Cousine.

Hier trank er weiter: Laut eigener Aussage nochmals „zwei, drei halbe Liter Bier und eine Flasche Wodka“. Gegen 3.30 Uhr sei er in seine Wohnung zurückgekehrt.

Vorsitzende Richterin weiß von Konsum des Angeklagten

Dass Alkohol ein großes Thema im Leben des Mannes sei, machte auch die Vorsitzende Richterin deutlich. Sie kenne ihn aufgrund anderer Verfahren schon länger, zweifele dessen ernsthafte Bereitschaft zur Abstinenz an. Sie erinnerte an dessen Ansinnen, mit einer entsprechenden Therapie erst nach seinem Geburtstag beginnen zu wollen – davor werde noch mal ordentlich gefeiert. Derzeit ist der Mann zwangsläufig abstinent – er sitzt in einer JVA ein. Dort gehe es ihm ohne Alkohol gut, versicherte er auf Nachfrage seines Verteidigers.

Angesichts der Vorgeschichte – dabei ging es um Alkohol im Straßenverkehr – sei für ihn eine Bewährungsstrafe undenkbar, machte der Vertreter der Anklage unmissverständlich klar. Eine Begutachtung sei in Betracht zu ziehen. Sein Mandant sei nicht einschlägig vorbestraft, erwiderte der Verteidiger hingegen mit Blick auf die Anklageschrift. Nach 20 Minuten war klar: Zeugen würden an diesem Tag nicht mehr gehört.

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