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CVJM-Projekt für Rumänien: Verkaufsort in der City gefunden

Handarbeit aus dem „Puschenort“

Warendorf

Bereits im Jahr 2019 hatten sich viele in die bunten Filzpuschen verliebt, die der CVJM im Weihnachtswäldchen angeboten hatte, um damit ein Projekt in Rumänien zu unterstützen. Obwohl es in diesem Jahr kein Weihnachtswäldchen gibt, haben die Puschen trotzdem einen Ort in der City gefunden, an dem sie zum Verkauf angeboten werden können. Der Erwerb dieser bunten Hausschuhe ist eine gute Gelegenheit, um Menschen in Rumänien zu unterstützen und damit ihren Lebensunterhalt zu sichern.

Von Beate Trautner

Leonore Berger liebt bunten Filzpuschen, gemeinsam mit dem CVJM Warendorf zieht sie an einem Strang, um auch in diesem Jahr wieder durch den Verkauf der Puschen Menschen in Rumänien tatkräftig zu unterstützen. Foto: Beate Trautner

Beim letzten Weihnachtswäldchen 2019 verkaufte der CVJM Warendorf (Christlicher Verein Junger Menschen) erstmalig dicke und bunte Filzpantoffeln aus reiner Schafwolle, hergestellt von Frauen aus Rumänien. Auch für den Winter 2021 sind die beliebten „Puschen“ längst fertig. Aber das Weihnachtswäldchen findet wegen der hohen Corona-Inzidenzwerte nicht statt. Was also tun?

Ein Ladenlokal musste her und das am besten mitten in der Innenstadt gelegen. Gesagt, getan. Die Crew vom CVJM ging zu Rudolf Hülsmann vom gleichnamigen Café und bat ihn, ihnen für die Adventszeit sein kleines Ladenlokal an der Freckenhorster Straße 3 zur Verfügung zu stellen, in dem zuletzt die Stadtwerke ihre Geschäftsstelle hatten.

Weihnachts-Lädchen statt Weihnachts-Wäldchen

Statt Weihnachtswäldchen heißt es ab dem heutigen Freitag (3. Dezember) nun Weihnachts-Lädchen, denn dann werden die „Puschen“ aus Rumänien dort eingeräumt und zum Verkauf angeboten. Und das während der gesamten Adventszeit – jeweils freitags von 10 bis 12 Uhr und 15 bis 18 Uhr sowie samstags von 10 bis 13 Uhr.

„Naja, gut, solche Filzpantoffeln bekomme ich auch anderswo“, mag vielleicht jemand denken. Oder vielleicht haben handarbeitsfreudige Menschen sich auch schon einmal selbst welche gefilzt.

Was also ist das Besondere daran? Wieso gerade diese „Puschen“?

Mit dem Puschenprojekt wird Frauen in Rumänien ein fester Arbeitsplatz in ihrem Dorf und ein Grundeinkommen für ihre Familien ermöglicht. Gerade die Frauen auf dem Land haben nicht genügend Möglichkeiten, sich weiter zu entwickeln und Geld zu verdienen. Hier setzt das von von Jule Daut und Erich Kremer initiierte „Puschenprojekt“ an.

„Puschenort“ mit 100 Seelen

Im so genannten „Puschen­ort“, dem 100 Seelendorf Probstdorf in der Nähe von Hermannstadt in Rumänien, werden die Puschen in Handarbeit gefertigt. Wie es dort aussieht?

Im Dorf scheint das Leben stehen geblieben zu sein. Nur wenige Menschen haben im eigenen Ort eine Anstellung. Ein kleines Einkommen erwirtschaften einige Dorfbewohner sich über ihre eigene Landwirtschaft. Diese Selbstversorgung ist sehr arbeitsintensiv, reicht aber zum Leben nicht aus. Für die Dinge, die nicht selbst produziert werden können, sind zusätzliche Einkommensquellen notwendig. Eine dieser Einkommensquellen ist die Puschenherstellung.

Die Frauen können sie bei freier Zeiteinteilung gestalten. Die Vermarktung in Deutschland übernimmt Erich Kremer. „Ganz wichtig ist, dass die Frauen erkennen, dass sie für sich selbst arbeiten und dass wir kein Geld daran verdienen“, erklärt er. Der Erlös aus dem Puschenverkauf gehe zur Hälfte als Arbeitslohn an die Frauen. Kremer dazu: „Das ist mehr, als sie im normalen Arbeitsleben in Rumänien für den gleichen Zeitaufwand erhalten.“ Die andere Hälfte der Erlöse werde für den Einkauf der notwendigen Zutaten wie Wolle, Leder für die Sohlen, Material zum Färben sowie für den Transport nach Deutschland eingesetzt.

Nun gibt es die farbenfrohen Puschen mit dem Nachhaltigkeitseffekt also auch dieses Jahr wieder in Warendorf zu kaufen. „Seit zwei Jahren schlüpfe ich täglich in meine regenbogenfarbenen Puschen“, freut sich auch Leonore Berger über das angenehme Gefühl am Fuß. Die Filzpantoffeln mit der Ledersohle gibt es in den Größen 37 bis 45 in unterschiedlichen Farbvarianten. So hoffen die Mitarbeiter des CVJM, dass sie gemeinsam mit vielen Warendorfern in diesem Jahr die Frauen in Rumänien mit dem „Puschenprojekt“ unterstützen können.

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