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Neues Geschäft in Warendorf

„Herr Anton“ zieht an den Markt

Warendorf

„Herr Anton“, so der Namen des SB-Shops, der im Mai in das noch leerstehende Ladenlokal am Markt 9 zieht. Die Ware, vom Snack, über Kartoffeln, Eier, Grillfleisch und Suppen bis hin zu heißen und kalten Getränken, gibt es – wie bei vielen Landwirten auf dem Hof bereits erfolgreich praktiziert – aus dem Automaten. Franchisenehmerin ist Carmen Bocklage. Die Stadt fördert die Start-up-Unternehmerin mit Geldern aus dem Fördertopf des Landes zur Stärkung der Innenstädte. Hintergrund der Millionenspritze des Landes: den Leerstand in den Städten bekämpfen.

Joachim Edler

1,45 Millionen Euro hat Warendorf vom Land erhalten. Vor allem die City soll damit belebt und Leerstände beseitigt werden. Foto: Edler

In der Corona-Pandemie mit Lockdown gibt es auch eine gute Nachricht für Warendorf: Die Stadt hat 1,45 Millionen Euro vom Land zur Stärkung der City bekommen. Das Geld ist ein wichtiges Signal: Intervention statt Investition. Dafür ziehen Wirtschaftsförderung der Stadt, das Quartiersbüro Altstadt und WIWA (Wirtschaft für Warendorf) an einem Strang. „Die Innenstadt kann sich dadurch ein stückweit neu erfinden“, begrüßte Bürgermeister Peter Horstmann die Fördergelder, die gerade für Start-up-Unternehmen eine große Chance seien. Natürlich habe die Stadt ein Auge darauf, dass sich nicht der x-te Handyshop niederlässt. Kreative Angebote werden ausdrücklich begrüßt, so Horstmann auf der Pressekonferenz am Mittwoch, an der auch der städtische Wirtschaftsförderer Torsten Krumme, Helga Beckmann (Quartiersbüro Altstadt), Altstadtkoordinatorin Pascale Kaell und Heiner Kampf (WIWA-Hauptgeschäftsführer) teilnahmen.

Der Leerstand in der Warendorfer City sei mit insgesamt 1600 Quadratmetern Ladenfläche überschaubar und nicht so besorgniserregend wie in Großstädten. Es gibt aktuell neun freie Ladenlokale in der Größenordnung bis 300 Quadratmeter. Größere Leerstände in der Altstadt gebe es nicht.

Förderprogramm des Landes 

Das Förderprogramm des Landes zur Stärkung der Innenstädte gibt klare Richtlinien vor, was förderfähig ist und was nicht. Das Sofortprogramm soll den bereits laufenden Stadterneuerungsprozess vor Ort insbesondere im Bereich der Innenstadt unterstützen. Was in Warendorf auffällt: der Förderbereich konzentriert sich nur auf den Anfang der Oststraße und endet an der Zuhornstraße. Dabei ist die Oststraße immer schon ein Stiefkind in Sachen Einkaufsstraße gewesen. Und so wird das Ende des Ostviertels dann auch eher im Bereich Wohnen statt Geschäftsansiedlung gesehen. Der Förderbereich ist nahezu identisch mit dem zentralen Versorgungsbereich, der von Münsterstraße, Münstertor, Freckenhorster Straße, Markt und Emsstraße geprägt ist.

Die Förderung ermöglicht der Stadt die temporäre Anmietung von Leerständen unter vergünstigten Mietkonditionen und die Weitervermietung an potenzielle Nutzer, die sich so mit geringerem wirtschaftlichen Risiko in der Innenstadt ausprobieren können. In einer zweijährigen Probephase ( Dezember 2023 ist Schluss) sollen sich die Nachnutzungen im besten Falle langfristig etablieren. Eine Weitervermietung für frequenzbringende Angebote – etwa kreative und kulturwirtschaftliche Nutzungen, gastronomische und soziale Projekte, Bildungsangebote und Kinderbetreuung, Start-ups oder ganz neue Konzepte - ist denkbar und ausdrücklich erwünscht.

Selbstbedienungs-Automaten am Marktplatz

Auf diesen Zug aufgesprungen ist Carmen Bocklage, die im Mai am Markt 9 ein Selbstbedienungsgeschäft mit Lebensmitteln und Getränken (kein Alkohol) eröffnet. Die Ware, vom Snack, über Kartoffeln, Eier, Grillfleisch und Suppen bis hin zu heißen und kalten Getränken, gibt es – wie bei vielen Landwirten auf dem Hof bereits erfolgreich praktiziert – aus dem Automaten. Und das sieben Tage die Woche, rund um die Uhr.

Das Klientel: Laufkundschaft, Radwanderer und Touristen. Gute Erfahrungen habe die Franchisenehmerin bereits in Tecklenburg gesammelt, wo sie in der Altstadt genau dieses Automatenkonzept fährt. Der Namen des Mikro-Unternehmens auf gerade mal 20 Quadratmetern: „Herr Anton“, in Anlehnung an den Sohn des Automatenvertreibers.

Weitere Interessenten für leerstehenden Geschäfte

Und es gibt weitere Interessenten für acht der neun leerstehenden Geschäfte in der City, darunter ein Eiscafé to-go und ein Damenoberbekleidungsgeschäft.

Das Sofortprogramm ermöglicht die Anmietung von kleinteiligen, leerstehenden Ladenlokalen und Räumen für Gastronomie und Weitervermietung zu einer reduzierten Miete für einen Zeitraum von zwei Jahren. Die förderfähige Mietfläche beträgt maximal 300 Quadratmeter, förderfähig ist eine Anmietung in Höhe von 70 Prozent der Altmiete. Die Stadt vermietet die Läden weiter für 20 Prozent.

Die Moderation zwischen Nutzern und Ladeneigentümern soll ein Zentrenmanagement übernehmen. Das könnte das Quartiersbüro in der Altstadt sein, das bereits jetzt Ansprechpartner für solche Fragen ist. Eine neue Stelle, 16 Stunden in der Woche, wäre dafür denkbar, hieß es. Auch dafür gibt es Geld (132 000 Euro) aus dem Fördertopf des Landes.

Der lokale Einzelhandel sowie die Gastronomie leide derzeit unter erheblichen Umsatzeinbußen, begrüßte Heiner Kamp die Aktion. Zudem bringe der Bedeutungszuwachs des Online-Handels tiefgreifende Veränderungen und strukturelle Probleme für die Stadtzentren. Das florierende „Herz“ der Innenstädte sei aus dem Takt geraten. Die Corona-Krise mache das mehr als deutlich, so der WIWA-Hauptgeschäftsführer.

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