WN-Hausbesuch bei Monika Lucht

Herz schlägt für die Nepalhilfe

Warendorf

„Ich würde alles wieder so machen in meinem Leben“, sagt Monika Lucht, überlegt und dann fällt ihr ein: „Eines dann aber doch nicht mehr. Ich würde heute nicht mehr mit Elefanten baden, eine Tourist-Attraktion in Nepal. Da sind mir die Asche der Toten, Elefanten-Kot und Krokodile um die Ohren geschwommen.“ Ein Hausbesuch bei der engagierten Kämpferin für die Kinderhilfe Nepal.

Joachim Edler

Monika Lucht lebt für die Nepalhilfe, stellt ihre privaten Interessen in den Hintergrund, wenn die Kinderkrankenschwester helfen kann. Monika Lucht möchte, dass den Kindern in Nepal eine schulische Ausbildung ermöglicht wird, dass sie lernen können und dabei nicht frieren und hungern müssen. Foto: Joachim Edler

Monika Lucht ist bekannt wie ein bunter Hund – im positiven Sinne. Die Warendorferin ohne ihr Engagement für die Kinderhilfe Nepal vorzustellen – das geht nicht. Beim WN-Hausbesuch verrät sie dann aber doch sehr Persönliches. Wie sie zum Beispiel ihren Mann Jürgen kennengelernt hat. „Per Bekanntschaftsanzeige in einer Zeitschrift“, lacht die gebürtige Warendorferin und erinnert sich an das erste Treffen, als sei es erst gestern gewesen. „Wir haben uns in Osnabrück auf dem Bahnsteig verabredet. Jürgen kam mit dem Zug aus Köln, trug als Erkennungszeichen einen hellen Mantel und die Zeitschrift Twen unter dem Arm, die uns zusammengebracht hat. Ich reiste mit dem Zug aus Warendorf an. Jahrelang hat das keiner gewusst. Damals war das nur peinlich, heute finde ich die Geschichte lustig.“

Aus dem Jux, den Monika Lucht sich damals gemacht hatte, wurde ernst. Aus der Bekanntschaft wurde Liebe. Heirat. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor.

Monika Lucht ist gelernte Kinderkrankenschwester. Ihr Leitsatz „Helfen und anderen eine Freude machen“ zieht sich wie ein roter Faden durch ihren Lebenslauf. Ihr Mädchenname: Stöwe. Ihre Mutter eine geborene Peters, verwitwete Johanterwage und nach erneuter Heirat Stöwer. Aufgewachsen in der Breiten Straße. „Ich bin ein Ostbezirks-Kind“, lacht Monika Lucht, die am 17. August ihren 70. Geburtstag feiert. Statt Geschenke bittet sie um Spenden für die Nepalhilfe. Wichtig war ihr immer, der Nepalhilfe in Warendorf ein Gesicht zu geben. Sie geht in Schulen, ist jeden Freitag auf dem Wochenmarkt präsent, hatte jüngst eine Einladung beim Bürgermeister, hält Vorträge bei der Frauengemeinschaft St. Laurentius, zu deren Vorstandsteam sie gehört, und sie lässt kaum einen Trödelmarkt zugunsten der Kinder im Himalayastaat aus. Kontakte sind ihr wichtig, die pflegt sie besonders. Spontane Begegnungen gibt es immer wieder. „Plötzlich spricht mich jemand auf dem Wochenmarkt an, zückt seine Geldbörse und gibt mir einen Schein für die Nepalhilfe – einfach so, ist das nicht toll?!“

Monika Lucht lebt für die Nepalhilfe, stellt ihre privaten Interessen in den Hintergrund, wenn die Kinderkrankenschwester helfen kann. Einmal im Jahr, immer im September, war bei Monika und Jürgen Lucht Umzug angesagt. Nicht etwa, dass das Ehepaar dann aus seinem Haus an der Bremer Straße auszog. Nein, das Haus, die Garage und der Vorgarten wurden dann freigeräumt. Zwischen 200 und 300 gefüllte Umzugskartons, die zum Teil das ganze Jahr über im Keller des Hauses verstaut waren, wurden dann ausgepackt. Geschirr, Hausrat, Kleidung, Trödelartikel wie man sie kennt, kamen einmal im Jahr wieder zum Vorschein. Einmal im Jahr organisierte das Ehepaar vor seiner Haustür einen Straßentrödel. So half Monika Lucht den Kindern im Nepal. Doch mit dem Straßentrödel vor der Haustür ist seit dem vergangenen Jahr Schluss. Die 69-Jährige und ihr 71-Jähriger Mann können die Logistik nicht mehr stemmen. Auf Trödelmärkte geht sie aber weiter.

Begonnen hat Monika Lucht ihr Engagement für die Kinderhilfe Nepal vor 14 Jahren. Vorausgegangen war eine Nepalreise mit ihrem Mann. Das war im Jahre 2003. „Unserem Guide war als Kind der Schulbesuch durch die Nepalhilfe ermöglicht worden. Von da an wollte ich mehr wissen über die Kinderhilfe. Zuhause in Warendorf organisierte ich Flohmärkte, löste Ur-Omas- Haushalt auf und spendete die ersten 100 Euro an die Nepalhilfe.“ Der Grundstein war gelegt. 2005, bei einer zweiten Reise, war es dann offiziell. In den 15 Jahren hat sie 70 Patenkinder vermitteln können. Auch sie selbst hat eine Patenschaft übernommen. Ihr Patenkind Bipana ist heute zwölf Jahre alt. „Es gibt viele schöne und auch kuriose Begegnungen. Ein Patenkind habe ich im Freibad vermittelt. Da sprach mich eine Frau an, während ich meine Runden im Becken drehte: Ich möchte auch so ein Patenkind, wie mache ich das?“ Die Formalitäten wurden an Land geklärt.

Monika Lucht möchte, dass den Kindern in Nepal eine schulische Ausbildung ermöglicht wird, dass sie lernen können und dabei nicht frieren und hungern müssen. Wenn sie dann mal wieder vor Ort ist – geplant ist Ostern 2020 – , umringt von vielen Kindern, diese Freude, die sie dort erlebt , das ist für sie das oft zitierte unbeschreibliche Gefühl. „Ich empfinde es als Glück, helfen zu dürfen.“

Die Einladung von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vor zwei Jahren ins Schloss Bellevue wird der Warendorferin noch lange in Erinnerung bleiben. Mit dem Bürgerfest rückte der Bundespräsident die Menschen in den Fokus, die mit ihrem bürgerschaftlichen Engagement zu einer starken Zivilgesellschaft beitragen. Unter den rund 4000 geladenen Engagierten aus ganz Deutschland, die mit Mut und Ausdauer gesellschaftliche Herausforderungen angehen und sich für andere Menschen einsetzen, war auch die Warendorferin Monika Lucht, die eine nepalesische Tracht trug. Sie hatte sich sich fest vorgenommen, dem Bundespräsidenten und der First Lady, Elke Büdenbender, ein Geschenk zu überreichen: zwei Khattas, nepalesische Seidenschals. Zwei Stunden lang war Monika Lucht dem Bundespräsidenten sprichwörtlich auf den Versen – ohne Erfolg.

Aufgeben gibt es für Monika Lucht aber nicht. Plötzlich entdeckte sie eine Lücke zwischen den Fotografen und Bodyguards , sie drängte sich dazwischen und rief dem Bundespräsidenten zu: „Ich möchte gern ein Foto von Ihnen machen – für die Lipper. Sie kommen doch aus dem Lipperland.“ Der Bundespräsident wandte sich daraufhin zu Monika Lucht mit den Worten: „Ja, für die Lipper.“ Monika Lucht grinste: „Und zack, hatte mein Mann das Foto von mir und Frank-Walter Steinmeier im Kasten. Als ich ihm dann den nepalesische Seidenschal überreichen wollte, sagte er: Geben Sie ihn bitte meiner Frau. Ich durfte das Geschenk dann Frau Büdenbender um den Hals legen.“

Der Abend war gerettet, die Mission erfüllt.

Dann schweift Monika Lucht wieder ab ins Privatleben, erzählt, wie sie gemeinsam mit ihrem Mann, der beim Gerling-Konzern arbeitete, die erste gemeinsame Wohnung in Köln bezog. „Wir waren noch nicht verheiratet und ich habe den Mietvertrag mit Lucht unterschrieben – sonst hätten wir die Wohnung nicht bekommen.“ Von Köln ging es nach Frankfurt. „Wir sind immer umgezogen, weil wir keine Lust hatten, die Wohnung neu zu streichen. Quatsch“, winkt sie ab. „Berufsbedingt folgte ich meinem Mann nach Frankfurt. Hier kam Britta zur Welt, Sohn Lasse wurde in Köln geboren.“ Die Kinderkrankenschwester hatte schon immer ein Herz für Kinder, arbeitete als Kindermädchen in Haushalten, in einem Heim für ledige Mütter und war an einer Sonderschule für geistig und körperlich behinderte Kinder als zusätzliche Pflegekraft angestellt.

Um ihren betagten Eltern in Warendorf und Osnabrück näher zu sein, zog das Ehepaar nach Warendorf, baute ein Haus im Hanseviertel, hielt drei Ziegen, Kaninchen, Eichhörnchen und eine Schildkröte. Letztere lebt noch immer. „Als die Kinder aus dem Haus gingen, war ich 55 und suchte neue Tätigkeitsfelder. Ich wurde Schiedsfrau, doch Fälle zu schlichten gab es kaum.“

Wenn im Hause Lucht das Telefon mal nicht klingelt, wird die engagierte Kämpferin für die Nepalhilfe unruhig – schließlich klingelt dann kein Cent im Sparschwein. Als im Jahre 2015 das große Erdbeben viele Teile des Himalayastaates verwüstete, war Monika Lucht Tag und Nacht auf den Beinen, hielt Vorträge in Schulen und sammelte Spendengelder. „Das waren eindrucksvolle Tage, Wochen, Monate. Die Spendenbereitschaft war einfach unbeschreiblich. Ich würde alles wieder so machen in meinem Leben“, sagt sie, überlegt und dann fällt ihr ein: „Eines dann aber doch nicht mehr. Ich würde heute nicht mehr mit Elefanten baden, eine Tourist-Attraktion in Nepal. Da sind mir die Asche der Toten, Elefanten-Kot und Krokodile um die Ohren geschwommen.“

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