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Nikolaus-Collegium besteht seit 75 Jahren

Herzlichkeit der Kinder spüren

Freckenhorst

„Wenn ich als Nikolaus losgehe, dann bin ich der Nikolaus!“ August Weiser muss es wissen. Seit fast 60 Jahren spielt er nicht, nein er verkörpert den einstigen Bischof von Myra. Und in der Stiftsstadt wird nun das 75jährige Jubiläum des Nikolaus Collegiums gefeiert. August Weiser erinnert sich noch an die Anfänge dieses Brauchtums in Freckenhorst.

Von Andreas Engbert

Ob „alter Hase“ oder neu dabei: Thomas Helmer, Jascha Stammkötter und August Weiser blicken dem Nikolausabend gespannt entgegen.  Foto: Andreas Engbert

„Die katholische Jugend Freckenhorsts hatte es sich in diesem Jahr zur Aufgabe gemacht, gegen das Unwesen der vielen ‚Sünne Klöskes‘ anzugehen“, berichteten die Westfälischen Nachrichten im Dezember 1947 vom ersten offiziellen Nikolausabend mit persönlichen Besuchen in jeder Familie der Stiftsstadt. Die Anfänge des Nikolaus-Collegiums sind also genau 75 Jahre her – Grund zum Feiern, wie die Verantwortlichen des heute gut organisierten Brauchtums finden. Und auch, um auf die Geschichte und Gegenwart zu schauen.

Ein gut organisiertes Brauchtum

„Wenn ich als Nikolaus losgehe, dann bin ich der Nikolaus!“ August Weiser muss es wissen. Seit fast 60 Jahren spielt er nicht, nein er verkörpert den einstigen Bischof von Myra, der seit vielen Jahrhunderten als Heiliger und Helfer der Kinder verehrt wird. Damit ist Weiser ein echtes Urgestein im Freckenhorster Nikolaus-Collegium. Im Pressegespräch zum anstehenden Jubiläum erinnert er sich an sein erstes Jahr als Ruprecht und die darauffolgenden Jahre als Nikolaus. Vieles habe sich seit dem verändert: „Die Nikolause müssen nicht mehr unter den Tischtüchern, die als Gewänder dienten, frieren“, erinnert er sich lachend an das Nikolaus-Outfit vergangener Jahre, das mit Pappmitren und Dichtungshanf-Bart nicht mehr mit den heutigen, professionell geschneiderten Gewändern zu vergleichen sei. Auf die Frage, was das Beste am Nikolausdasein ist, hat er schnell eine Antwort: „Die Herzlichkeit der Kinder zu spüren“, sagt er und spricht von einprägsamen Begegnungen, die man selbst erleben müsse.

Diese Erfahrungen kann Jascha Stammkötter, nach einigen Jahren als Ruprecht, in diesem Jahr erstmalig als Nikolaus selbst machen: „Es ist der Perspektivwechsel, der die Spannung ausmacht; dass man nicht mehr als stiller Beobachter diese Situation wahrnimmt“, freut sich der Neu-Nikolaus schon auf den 5. Dezember. Und er gesteht, ob der neuen Verantwortung schon etwas nervös zu sein. „Die Spannung muss immer da sein“, springt der erfahrene Nikolaus August Weiser dem neuen Kollegen zur Seite: „Jedes Jahr ist anders, jede Familie erwartet dich anders.“

In den 1970er Jahren trug der Nikolaus schon etwas hochwertigere Gewänder. Foto: Nikolauskollegium

Anders wird der Nikolausabend auch für Thomas Helmer werden, der als dreifacher Vater und langjähriger Fahrer eines Nikolausgespanns schon oft mit dabei war. Der Schwiegervater von Neu-Nikolaus Jascha Stammkötter wird in diesem Jahr erstmalig als Jung-Ruprecht in die Rolle des treuen Nikolausbegleiters schlüpfen. So könne er nicht nur etwas von dem zurückgeben, was seine Kinder vom Nikolaus-Collegium bekommen hätten, sondern auch selbst erleben, was die von ihm sonst begleiteten Nikolausgespanne aus den Familien berichtet haben: „Ich bin schon gespannt, wie die Kinder auf den Ruprecht reagieren.“

Vieles habe sich in den vergangenen Jahrzehnten verändert – nicht nur der Look des heiligen Mannes. „In den ersten Jahren waren die Tüten sparsamer“, erinnert sich August Weiser an von den Müttern gebackene Plätzchen und Äpfel. Heute gebe es zur Tüte nicht selten zusätzlich größere Geschenke von den Familien. Insgesamt seien die Besuche heute besser vorbereitet und das Brauchtum organisierter. Vor drei Jahren wurde sogar eine aufwändig erstellte, feierliche Vortragefahne angeschafft, die zu feierlichen Anlässen wie Krüßing, aber auch zu Beerdigungen aktiver Mitglieder zum Einsatz kommt.

Friedel als NikolausMit einem Bart aus Dichtungshanf besuchte der Heilige Nikolaus (hier der erste Primas Friedel Rose) in den Anfängen des Nikolaus-Collegiums die Freckenhorster Kinder. Foto: Nikolauskollegium

Weibliche Ruprechte sind inzwischen nicht mehr wegzudenken. Einen weiblichen Nikolause habe es mit Maria Stammkötter, der Oma von Jascha Stammkötter, nur in einem Jahr aus spontaner Personalnot gegeben. Die Kinder hätten ihr aber die trotz Bart die männliche Rolle nicht abgenommen und so blieb es bei diesem einmaligen Versuch.

Ganz bewusst wolle man kein „pompöses Jubiläum“ feiern, sondern sich auch in diesem Jahr auf den Haupttag des Nikolausbrauchtums, den Vorabend des Nikolausfestes, konzentrieren: „Der fünfte Dezember ist unser Kerngeschäft“, macht der Primas des Nikolas-Collegiums, Richard Poppenborg, deutlich. Deshalb habe man auch auf eine Chronik verzichtet und sich stattdessen eine besondere Überraschung für die vom Nikolaus besuchten Kinder einfallen lassen.

Nach dem Empfang auf dem Kirchplatz begleitete die stellvertretende Bürgermeisterin Doris Schröer den Nikolaus auf seiner Kutschfahrt 1997. Foto: Nikolauskollegium

Ganz ohne Feier lassen die Nikolause, Ruprechte und ihre Helfer das Jubiläum dann aber doch nicht verstreichen. Am 4. Dezember (Sonntag) wird um 10.30 Uhr in der Stiftskirche ein Festgottesdienst gefeiert, bevor es für die Mitglieder und geladene Gäste zu einem kurzweiligen Festakt mit kurzem Rückblick und einer kleinen Ausstellung zur Geschichte des Nikolaus-Collegiums sowie Gelegenheit zur Begegnung in den Stiftshof Dühlmann geht.

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