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Stichwahl: Amtsinhaber Axel Linke muss Bürgermeistersessel räumen

Horstmann macht das Rennen in Warendorf

Warendorf

Es war ein Abend der klaren Entscheidung und persönlichen Konsequenzen. „Es ist eine bittere Niederlage. Meine Wahlversprechen vor fünf Jahren habe ich alle eingehalten. Doch die Wähler haben den Wechsel gewollt“, gestand Bürgermeister Axel Linke und war sichtlich enttäuscht. Er war muss nach nur fünf Jahren den Bürgermeistersessel räumen. Neuer Bürgermeister ist Peter Horstmann.

Joachim Edler

Gratulation per Ellenbogen-Check: Axel Linke (rechts) zeigt sich als fairer Verlierer. Foto: Andreas Engber

Warendorf hat einen neuen Bürgermeister gewählt. Es war keine Überraschung mehr: Peter Horstmann (33) hat das Rennen gemacht. Unterstützt wurde der parteilose Kandidat von SPD, Grünen, FWG, den Linken und Die Partei. Nach Auszählung aller 20 Wahlkreise lag Horstmann dann auch sehr deutlich vor Amtsinhaber Axel Linke (54), der nach nur fünf Jahren den Bürgermeistersessel räumen muss. Das Endergebnis: 76,1 Prozent der Stimmen für Horstmann, Linke 23,9 Prozent. Rund 31 000 Warendorfer waren am Sonntag ein zweites Mal aufgerufen, einen Bürgermeister zu wählen. Die Wahlbeteiligung lag bei 56,58 Prozent.

Natürlich war er glücklich, natürlich freute er sich riesig, und natürlich lächelte er zufrieden – doch den Triumphator gab Peter Horstmann nicht, als er um 19.30 Uhr mit seinem Bruder und Wahlmanager Paul Horstmann unter lautem Beifall und Jubelrufen seiner Anhänger das Wahlzentrum im Historischen Rathaus betrat. Nein, keine Show-Inszenierung. Der 33-Jährige wirkte nach dem Wahlsieg erleichtert: „Der ganze Tag war emotional eine Achterbahnfahrt gewesen. Ich bin von dem Wahlergebnis total überwältigt. Ich habe heute von den Warendorfern einen Vertrauensvorschuss bekommen, dem will ich in den nächsten fünf Jahren gerecht werden.“ Horstmann bedankte sich bei allen für die großartige Unterstützung in diesem intensiven Wahlkampf, und verriet, dass er nun eine Wohnung in Warendorf suche.

Es war ein Abend der klaren Entscheidung und persönlichen Konsequenzen. „Es ist eine bittere Niederlage. Meine Wahlversprechen vor fünf Jahren habe ich alle eingehalten. Doch die Wähler haben den Wechsel gewollt“, gestand Bürgermeister Axel Linke und war sichtlich enttäuscht. Das beste Ergebnis mit 44,39 Prozent hatte der Bürgermeister in Einen geholt.

Als die ersten Ergebnisse aus den Wahllokalen an die Wand projiziert wurden, war schnell klar, wer neuer Bürgermeister der Kreisstadt wird. Die schwarzen Balken tendierten immer wieder zu Horstmann. Und so deutete sich schnell ein Vorsprung für den 33-Jährigen an, den Axel Linke nicht mehr aufholen konnte. Fair gratulierte er seinem Nachfolger: „Herzlichen Glückwunsch und ein glückliches Händchen.“ Horstmann erzielte sein bestes Ergebnis in Wahlbezirk 18 (Everwordschule Feckenhorst): 89,65 Prozent. Und auch der Hoetmarer Wahlbezirk (Dechant-Wessing-Schule), den der bereits im ersten Wahlgang ausgeschiedene dritte Bürgermeisterkandidat Peter Huerkamp gewonnen hatte, ging mit 75,67 Prozent an Horstmann.

Amtsinhaber Axel Linke hatte sich die vergangenen 14 Tage krank gemeldet, aber versucht, das Blatt noch einmal zu wenden. Er gestand Fehler ein, schrieb Wähler persönlich an – aber am Ende reichte es nicht. Der 54-jährige Verwaltungsfachmann, der am Rande der Wahlpräsentation gestand, dass er noch nicht wisse, wie es für ihn beruflich weitergehen werde, wurde von CDU und FDP unterstützt. Ulla Kindler, Stadtverbandsvorsitzende und neues CDU-Ratsmitglied, sieht die CDU aufgrund der neuen Mehrheiten im Rat keineswegs in der Oppositionsrolle. „Wir sind die stärkste Fraktion und werden weiter zielorientiert für unsere Themen eintreten – und das sachlich und konstruktiv. 90 Prozent der Ratsbeschlüsse wurden in der Vergangenheit mehrheitlich beschlossen.“ Diese Zusammenarbeit wünsche sie sich auch mit den neuen Fraktionen im Rat. Sie sei froh, dass der Wahlkampf jetzt zu Ende sei, konnte ihre Enttäuschung jedoch nicht verhehlen. Ihr Blick ging jedoch zuversichtlich in die Zukunft: „Packen wir es an.“

Bereits am Montagabend tagt der CDU-Fraktionsvorstand. Dann werde man nicht nur das Wahlergebnis analysieren, so Ulla Kindler, sondern auch einen neuen Fraktionschef benennen. Das schlechte Abschneiden des CDU-Bürgermeisters führte Ulla Kindler auf die Kommunikation zurück: „Es muss Frust entstanden sein in der Bevölkerung.“

Peter Horstmann hatte sich in diesem Wahlkampf auf die Fahne geschrieben, einen „offenen Dialog“ zwischen Bürgern und Ratsmitgliedern zu führen, „in dem wir gemeinsam neue Bürgerbeteiligungsmodelle umsetzen.“ Ein spannendes Thema des neuen Bürgermeisters wird in diesem Zusammenhang die Entwicklung der Emsinsel sein. Klar hatte sich Horstmann im Wahlkampf gegen die Bundesstraße B 64n in der jetzigen Planung positioniert. Im WN-Interview sagte der neue Bürgermeister, dass er sich Kompromissen gegenüber nicht verschließen werde. Am Wahlabend wurde jedoch erst einmal gefeiert – so gut dies in Corona-Zeiten möglich war. Horstmann verbrachte den Abend mit seinen Unterstützern im Kolpinghaus.

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