Freckenhorsterin präsentiert Debüt-Album

Hundert Prozent Louisa

Freckenhorst/Berlin

Einem breiten Publikum bekannt wurde sie in der Rolle der Intrigen spinnenden Desirée Bramigk in der ARD-Telenovela „Sturm der Liebe“. In der Krimireihe „Mord in bester Gesellschaft“ gab sie die Kommissaranwärterin Nina Wagner. Steht Louisa von Spies nicht gerade vor der Kamera, spielt sie Theater. Zuletzt war sie als Polly Peachum am Staatstheater Darmstadt zu sehen. Jetzt hat die Freckenhorsterin, die in Berlin-Kreuzberg lebt, ihr Debütalbum „I‘ll be fine“ veröffentlicht. WN-Redakteurin Joke Brocker hat mit der 35-Jährigen gesprochen.

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Louisa von Spies während der Aufnahmen für „I‘ll be fine“ in den Planet Earth Studios Berlin. Foto: Phil Vetter

Gerade ist Ihr erstes Album „I‘ll be fine“ erschienen. Switchen Sie jetzt von Schauspielerei auf Musik um?

Louisa von Spies: Nein. Ich bin in erster Linie Schauspielerin. Das bin ich ganz bewusst und das bleibe ich auch. Gleichzeitig habe ich immer Musik gemacht. Der Fokus musste mal ein bisschen verrutschen.

Wie sind Sie zur Musik gekommen? Stimmt es, dass Sie schon während ihrer Schulzeit Gitarre und Klavier gespielt haben?

Louisa von Spies: Ja, das stimmt. Ich habe mit Klavier angefangen und als Jugendliche die Gitarre meiner Mutter geklaut. Dazu habe ich gerne geträllert.

Sie haben am renommierten Max-Reinhardt-Seminar studiert. Gehörte zum Schauspielstudium eine Gesangsausbildung? Vor allem der Song „Zeit“, mein Favorit auf Ihrer CD, lässt mich das vermuten. Sie haben die Polly Peachum in der „Dreigroschenoper“ gespielt, da muss frau auch singen können . . .

Louisa von Spies: Das Max-Reinhardt-Seminar in Wien ist eine Abteilung der Universität für Musik und darstellende Kunst. Gesang ist tatsächlich ein Hauptfach meines Studiums gewesen. Davon habe ich natürlich profitiert. Wie schön, dass Ihnen „Zeit“ so gefällt. Mir liegt das Lied auch sehr am Herzen. Es ist durch die deutsche Sprache und die reduzierte Umsetzung mit Klavier und Cello auch theatral in der Wirkung. Wie ein Chanson. Ich liebe Chansons! Polly Peachum habe ich schon öfter gespielt. Am Staatstheater Braunschweig, im Theater Chemnitz, im Staatstheater Darmstadt. Jedes Mal in anderer Besetzung und mit größter Freude! Ich bin ein riesen Fan von Bertolt Brecht und Kurt Weill.

Seit wann komponieren und schreiben Sie? Was ist zuerst da? Eine Melodie oder eine Textzeile?

Louisa von Spies: Das hat früh angefangen. Ich war leider immer sehr faul, was Musiktheorie und das Üben vom Blatt betrifft. Da bin ich schwer erziehbar. Dafür habe ich schon als Kind immer improvisiert. Einfach Melodien geklimpert und gesummt. Als Jugendliche habe ich angefangen erste Songs zu schreiben. Und so ging es fort. Meist fallen Text und Melodie zusammen. Wenn es gut läuft, geht die Grundidee schnell. Manchmal sogar ein ganzes Lied. Grundsätzlich kann ich sofort Melodien erfinden. Das Texten ist schwieriger für mich. Ich will ja auch nicht nur Quatsch reden.

Wer oder was inspiriert Sie? Gibt es musikalische Vorbilder?

Louisa von Spies: Inspiration kommt aus meinem Leben. Die Liebe, die Melancholie, der Alltag und seine Tücken. Vorbilder kann ich kaum benennen. Es gibt unendlich viele tolle Musiker und Künstler. Ein Leben reicht nicht, sie alle zu entdecken.

Wie viel Louisa – außer, dass die Bürokratie und Sie nie Freunde werden, wie das Lied „Bürokratie“ verrät – steckt in den Texten?

Louisa von Spies: Hundert Prozent Louisa. Alle Texte sind von mir. Jede Melodie. Jede Situation. Es ist furchtbar intim eigentlich.

Warum der Mix aus deutschen und englischen Songs auf der CD?

Louisa von Spies: Deutsch und Englisch sind meine Hauptsprachen. Das geht wohl den meisten Menschen so in Deutschland. Ich benutze sie daher, wie es mir passt und gefällt. Das fühlt sich für mich ganz natürlich an. Deutsch ist meine Muttersprache und somit ganz meins. Englisch hingegen verstehen viel mehr Menschen. Ich will ja immer auch etwas erzählen.

Es ist schwierig, Ihr Album stilistisch in eine bestimmte Schublade zu packen. Wo würden Sie persönlich es einordnen?

Louisa von Spies: Absolut. Wir wollten möglichst frei sein in der Arbeit. Uns stilistisch nicht einengen. Offen sein für Klangfarben und Formen. So ist ein bunter Strauß entstanden. Von klassischem Lied, Rock, neuer deutscher Welle, soft Jazz bis Soul mit leichten Electro Elementen. Dennoch, gültige Kategorien sind: Singer-Songwriter Album, Popmusik.

Mit den Studioaufnahmen haben Sie vermutlich nicht nur ein Hausboot, sondern Neuland betreten. Eine spannende und wiederholenswerte Erfahrung?

Louisa von Spies: Ich war schon öfter im Studio. Das erste Mal vielleicht mit 17. Da habe ich Musiker und Produzenten in Münster kennengelernt. Es war toll! Einer fragte mich, ob ich Popstar werden will und gab mir einen Vertrag mit nach Hause. Abgesehen davon, dass mein Vater den ziemlich absurd fand – er las ihn und malte lauter Fragezeichen an die Seite – war mir später klar, dass ich Schauspiel studieren will. Musik kann ich trotzdem machen, dachte ich. So war es auch. Nach unzähligen musikalischen Projekten und Studioaufnahmen ist „I‘ll be fine“ nun mein kleiner musikalischer Gipfel, den ich erklimmen musste. Mal sehen, wie es weiter geht.

Mein Produzent Phil Vetter ist übrigens tatsächlich gerade mit seinem Hausboot unterwegs und hat sicherlich musikalisches Equipment dabei. Wir haben aber in Belin-Neukölln aufgenommen. Also Festland.

Sind Sie gelegentlich in Konzerten zu erleben? Lassen Engagements in Theater und Fernsehen überhaupt Zeit dafür?

Louisa von Spies: „Zeit“ ist generell Mangelware. Es gab gerade ein Record Release Konzert in einem alten Berliner Jazzclub bei mir im Kreuzberg Kiez. Das war wunderschön. Weiter weiß ich noch nicht.

Gibt es eine Band, mit der Sie auftreten?

Louisa von Spies: Es gibt nur mich und diverse Musiker, die ich, je nach Anlass, als Gäste dazu hole. Auf dem Album ist außer mir vor allem mein Produzent Phil Vetter zu hören. Instrumental mit Gitarre, Bass, Keyboard). Außerdem Nikolaus Herdieckerhoff, Cello, Andreas Wirth, Schlagzeug und Klaus Reichardt, Pedal Steel.

Singt Louisa von Spies mal in der Heimat? Vielleicht beim Sommerkonzert im Garten von Schloss Westerholt?

Louisa von Spies: Wenn die Heimat nach mir ruft, sage ich sicher nicht nein! Ihr müsst also alle mein Album hören und dann gucken wir mal, was passiert.

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