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Scherenschnitt-Künstlerin gestorben

Im Münsterland neue Heimat gefunden

Freckenhorst

Im Alter von 89 Jahren ist am 20. September die bekannte Scherenschnitt-Künstlerin Ursula Domke-Rudolph verstorben. Beigesetzt wird ihre Urne am 4. Oktober.

Joke Brocker

Im Alter von 89 Jahren ist am 20. September die bekannte Scherenschnitt-Künstlerin Ursula Domke-Rudolph verstorben. Geboren am 31. Januar 1925 im Hotel „Zum Braunen Hirsch“ in einem Zimmer, in dem schon Königin Luise, Blücher, russische Zaren und viele gekrönte Häupter genächtigt hatten, verlebte Ursula Domke eine glückliche Kindheit, ehe sie Anfang der 40er Jahre ihre Lehrerausbildung begann, um ab 1943 als „Lehrerin im Kriegseinsatz“ tätig zu sein. Als Anfang Januar 1945 die russische Artillerie näher rückte, rieten der junge Frau einige Bäuerinnen zur Flucht. Für Ursula Domke, wie für Millionen Menschen aus West- und Ostpreußen, Pommern, Ostbrandenburg oder Schlesien, der Beginn einer menschlichen Tragödie, die sie 1985 eindringlich in einem Beitrag in Heft 5 der Schriftenreihe des Freckenhorster Heimatvereins beschrieben hat. Mit einem ostpreußischen Treck kam Ursula Domke ins Sudetenland. Dort trennte sie sich vom Treck und meldete sich bei der Schulbehörde, die sie als Lehrerin an einer Schule in Obergeorgenthal bei Brüx einsetzte. Dort lernte die junge Frau einen RAD-Arzt aus Münster kennen, den sie bald heiratete. „. . . und es begann zwischen März und Mai, zwischen zwei Untergängen, ein kleiner Friedenstraum“, beschrieb sie diese Zeit. Am 7. Mai wurde Dr. Arthur Rudolph in Richtung Westen verlegt, am 8. Mai erreichte die russische Armee Obergeorgenthal.

Wieder begab sich Ursula Domke-Rudolph auf die Flucht. Die fürchterliche Odyssee endete im Sommer 1945 in der „Trümmerwüste“ Münster. Dort traf sie auch ihren Mann wieder, der aus einem Gefangenentransport hatte flüchten können und zu Fuß nach Hause zurückgekehrt war. Es dauerte eine Weile, bis das Paar, das nach vielen Schwierigkeiten bei der Ärztekammer die Zulassung für eine Arztstelle in der Stiftsstadt erhalten hatte, in Freckenhorst Fuß fasste. Mit offenen Armen wurde die Familie hier zunächst nicht empfangen. Am 21. Januar 1946 begann Dr. Arthur Rudolph im Vereinszimmer der ehemaligen Wirtschaft Niemerg zu praktizieren. 1953 bezog die Familie ihr eigenes Haus in der Industriestraße. Als das achte Kind des Paares geboren war, starb 1956 Dr. Arthur Rudolph. Seine Witwe machte sich in Freckenhorst vor allem einen Namen durch die Fertigung kunstvoller Scherenschnitte, die in vielen Wohnungen der Stiftsstadt Ehrenplätze erhalten haben.

Am 4. Oktober findet die Trauerfeier für die Verstorbene in der Trauerhalle des alten Friedhofs in Freckenhorst statt. Anschließend wird die Urne beigesetzt.

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