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Hausmeister Rainer Bexte

In der Schaltzentrale der Schule

Warendorf

Rainer Bexte ist seit 1997 Hausmeister der Bischöflichen Realschule – ein Job wie viele andere, sollte man meinen. Doch Bexte und die „Bischöfliche“ verbindet mehr – bereits sein Vater war an dieser Schule Hausmeister. So wuchs Bexte neben der Schule in der 1970 eingerichteten Hausmeisterwohnung auf, besuchte selber sechs Jahre lang diese Schule, ebenso wie seine eigenen Kinder, Neffen und Nichten.

Monika Vornhusen

In seiner Schaltzentrale hat Rainer Bexte die Schule „systemisch“ im Blick. Foto: Monika Vornhusen

Die Johann-Heinrich-Schmülling-Schule in Warendorf hat wohl für nur wenige Menschen eine so tiefe Bedeutung wie für Rainer Bexte. Seit 1997 ist der Warendorfer Hausmeister der Bischöflichen Realschule – ein Job wie viele andere, sollte man meinen. Doch Bexte und die „Bischöfliche“ verbindet mehr – bereits sein Vater war an dieser Schule Hausmeister. So wuchs Bexte neben der Schule in der 1970 eingerichteten Hausmeisterwohnung auf, besuchte selber sechs Jahre lang diese Schule, ebenso wie seine eigenen Kinder, Neffen und Nichten.

Somit kennt Bexte die Schule und ihr Gelände vielleicht sogar besser als manche seiner eigenen Westentaschen. Grund für die WN, Rainer Bexte mal einen Vormittag in seiner Arbeitswelt zu begleiten.

Nachdem Bexte als Abschluss-Schüler 1976 die Bischöfliche Realschule verlassen hatte, machte er sein Fachabitur für Elektrotechnik, ein Jahr lang dual in einem Warendorfer Elektrobetrieb und ein Jahr vollschulisch. Danach hängte er eine Ausbildung als Nachrichtengeräte-Mechaniker bei der Bundeswehr dran. 1982 kehrte er zurück und arbeitete in dem Elektrobetrieb, in dem er bereits sein Praktikum absolviert hatte. Als Vater Adolf Bexte dann 1997 als Hausmeister der Bischöflichen Realschule in den Ruhestand ging, hatte das Bistum als Schulträger mit der Einreichung des Ruhestands-Schreibens gleich eine qualifizierte Bewerbung von Rainer Bexte mit auf dem Tisch. Eingearbeitet war Bexte junior ja quasi schon, hatte er doch von klein auf dem Vater stets geholfen bei seiner Arbeit, wenn es nötig war. „Eine dritte Hand braucht man ja als Handwerker immer mal“, schmunzelt Bexte heute.

Sein Büro, die Schaltzentrale, gleicht quasi dem Herz der Schule. Das gilt auch für Bexte selbst – ohne ihn müsste sich diese Schule vielleicht neu erfinden. Er ist ihrer „gute Seele“ oder auch das „Herz“. Während der Gong zur Großen Pause durch die gesamte Schule und sein Büro hallt, erzählt er von seinem Tagesablauf. „Rund zehn Kilometer lege ich hier bestimmt täglich zu Fuß zurück“, sagt er. Sportliches, festes Schuhwerk ist deshalb ein Muss.

Obwohl jeder Tag arbeitstechnisch für ihn anders verläuft, gibt es zwei feste Rituale: Morgens schließt er als Erster die Schule auf mitsamt allen Klassenräumen und Fachräumen und abends wird eben wieder alles abgeschlossen.

„Ohne Schlüssel geht also bei mir in meinem Job gar nichts“, zieht Bexte Bilanz. Das gilt auch für die mobile Erreichbarkeit via Handy. Denn darüber erreichen den Hausmeister meist die täglichen Herausforderungen: wenn der PC im Klassenzimmer nicht läuft, der Strom irgendwo ausgefallen ist, ein Beamer und ein Laptop für einen Vortrag gebraucht werden oder auch nur ein Abschluss oder eine Toiletten verstopft sind. Manchmal springt er sogar beim Schwimmunterricht als Begleit-Trainer mit ein. „Weil ich die Lizenz dazu habe, kann ich das schon mal machen, wenn es nötig ist.“

Wenn Bexte kreuz und quer auf dem Schulgelände unterwegs ist, entgeht ihm kaum eine Veränderung. „Ich bemerke das zumeist schon ganz unbewusst, dass an irgendeiner Stelle etwas nicht stimmt.“

Anders ist das, wenn es um die zentralen Anlagen im Keller geht. Die Lüftungsanlage und die Heizungsanlage, die für jeden Laien futuristische Ausmaße haben, hat der Hausmeister natürlich täglich im Blick. „Es ist wichtig, dass man bei diesen Anlagen auch die Systematik dahinter versteht“, erläutert der gelernte Elektrotechniker und Nachrichtengeräte-Mechaniker. Was ihm an seiner Arbeit bis heute noch gut gefällt, das ist die Abwechslung und die Vielseitigkeit.

„Mein Vater hat immer gesagt: Wo man als Handwerker mit anderen Gewerken zu tun hat, da muss man mit den Augen klauen und sich vieles aneignen.“ Ein Rat, den Bexte sich zu Herzen genommen hat und damit zum Allrounder im Handwerk geworden ist. So war es vor 20 Jahren auch kein Problem für ihn, die Gartenpflege auf dem Schulgelände zu übernehmen. „Die Schule beziehungsweise das Bistum als Träger haben dafür Profigeräte zur Verfügung gestellt, damit war es dann nur eine Frage des richtigen Zeitmanagements, das Außengelände in Schuss zu halten“, sagt er und sieht genau darin einen echten Vorteil. „Ich kann mir die Arbeit größtenteils selber einteilen.“

Corona hat zwar vorübergehend den normalen Schulbetrieb außer Gefecht gesetzt, nicht aber die Arbeit des Hausmeisters. „Für mich ging alles ganz normal weiter, allein schon deshalb, weil wir während dieser Zeit in den letzten Zügen mit unserer Bauphase waren. Da gab es viele Dinge zu tun und zu koordinieren.“

Kalt erwischt hat ihn die Pandemie auch nicht, wenn es um seine Großbestellungen in Sachen Hygieneartikel ging. „Ich bin einer, der immer gerne rechtzeitig bestellt. Deshalb gab es da mit unseren Großlieferanten keine Lieferengpässe.“

Kontrolliert werden muss regelmäßig aber nicht nur der Bestand der Hygieneartikel, sondern vieles mehr: Alle Elektrogeräte und Steckdosen, das Trinkwassersystem, der Rauchmelderschutz, die Sportgeräte, die Gefahrstoffschränke, die Lüftungsanlagen, die Heizungstechnik und vieles mehr fordern regelmäßige Kontrollen durch Bexte selbst oder Fachbetriebe.

Seine eigenen Kinder und Schwiegerkinder helfen auch heute noch mit, wenn es um die Bewirtung geht beim traditionellen Herbstfest der Realschule oder den jährlichen Abschlussfeierlichkeiten. „Das klappt wie früher in meines Vaters Zeiten hervorragend als Team. Auch die Lehrerschaft packt beim Aufräumen an“, kommentiert Rainer Bexte.

Und am Ende sitzen alle noch nett zusammen – eben wie in einer großen Familie.

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