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Finissage in der Christuskirche zum Thema „Frauen in Not in Afghanistan“

Kabul nicht aus dem Blick verlieren

Warendorf

Ein Abend ganz im Zeichen von Afghanistan stand in der Christuskirche zum Internationalen Frauentag am Dienstag auf dem Programm. Er bildete den Abschluss zu einer Ausstellung von Plakaten, die bereits seit Mitte Februar an unterschiedlichen Orten der Stadt gezeigt wurden.

-uvb-

Die Organisatoren der evangelischen Gemeinde, von Amnesty International und der Initiative Münsterland stellten im Rahmen der Finissage ein ansprechendes Programm zusammen. Foto: Ulrike von Brevern

Seit dem Valentinstag waren an vielen Orten der Stadt Plakate internationaler Künstler und Designer zu sehen, die zur Unterstützung für Menschen in Afghanistan aufriefen. Mit einer Finissage in der Christuskirche fand diese Ausstellung am Internationalen Frauentag ihr Ende. Unter dem Titel „Afghanische Frauen in Not“ machten Exil-Afghanen und deutsche Unterstützer mit persönlichen Erfahrungsberichten und Gedichten afghanischer Künstlerinnen auf die Situation im Land am Hindukusch, sieben Monate nach der Machtübernahme der Taliban in Kabul aufmerksam.

Kreis der Organisatoren

Zum Kreis der Organisatoren gehörte neben der evangelischen Kirche die Ortsgruppe von Amnesty International sowie die Seebrücke Warendorf, deren Vertreterin Anke Schreuder treibende Kraft war.

Ein Abend ganz im Zeichen von Afghanistan, wo doch das Leid in der Ukraine gerade so groß ist? Pfarrer Behring ging auf das Dilemma gleich zu Beginn ein: „Wir sind gewohnt, immer dorthin zu gucken, wo die großen Scheinwerfer sind.“ „Aber es gibt eben auch die Frauen in Afghanistan, die sich nicht wehren können.“ Superintendent Holger Erdmann mahnte, auch wenn die Ukraine medial präsenter sei, dürfe Kabul nicht aus dem Blick verloren werden. Die Frauen dort hätten Hilfe verdient, unabhängig von der Weltlage.

Rund 80 Menschen nahmen in der gut besuchten Christuskirche an der Finissage teil. Vom Leid der Flucht als Minderjähriger berichtete der 19-jährige Schüler Faisal, dessen Schilderung von Gewalterfahrungen unter die Haut ging. Seine Mutter, die ihn wegen Todesdrohungen gegen die Familien von Ortskräften selbst auf die Flucht schickte, und seine Schwester gehören zu denjenigen, die in Afghanistan blieben. Heute sind sie auf die Unterstützung der Geflüchteten angewiesen, berichtete Faisal. Die Schwester sei arbeitslos, nachdem die Hochschule an der sie unterrichtete geschlossen wurde. Sie darf wie ihre Mutter mangels männlicher Begleitung unter den Taliban das Haus nicht mehr verlassen.

Mit Liedern gegen den Krieg und Unterdrückung gestalteten der Westkirchener Werner Lenz (l) und die Münsteranerin Hannah Melea den Abend mit. Foto: Ulrike von Brevern

Von orientalischer Schönheit und dennoch inhaltlich grausam waren die Bilder in den afghanischen Gedichten, die Banafsheh Arianejad und Kirsten Engmann-Samar auf deutsch und persisch vortrugen.

Azadeh Nori und Gertraud Schlüter hatten das Gedicht einer jungen Afghanin ausgewählt, die über sexualisierte Gewalt berichtet und die Rechtelosigkeit afghanischer Frauen anklagt. Musikalisch wurde der Abend gestaltet von Ulrike Eselgrim am Klavier und den beiden Singer-Songwritern Hannah Melea (Münster) und Werner Letz (Westkirchen).

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