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Goldenes Priesterjubiläum

Keine Angst anzuecken

Milte

Wenn er am morgigen Samstag sein Goldenes Priesterjubiläum feiert, blickt Pfarrer Alfred Bünker auf „gute, dichte und mich erfüllende Jahre“ zurück. „Überall waren Menschen auf der Suche nach Sinn, Menschen auf der Suche nach sich selbst, nach Gemeinschaft und Gott“, stellt er dankbar fest.

Joke Brocker

Pfarrer em. Alfred Bünker schätzt Professor Hans Küng, dessen signiertes Foto auf seinem Milter Schreibtisch steht. Am Samstag feiert Bünker sein Goldenes Priesterjubiläum. Foto: Brocker

Am 3. März 1940 in Emsdetten geboren – „Ich bin ein Dettske Dott“ – legte der Jubilar, der drei Brüder hat, 1959 sein Abitur am Gymnasium Paulinum in Münster ab. Unschlüssig, ob er Theologie oder doch lieber Philologie – „Ich hätte dann Deutsch und Latein gewählt“ – studieren sollte, suchte der junge Mann Rat beim Studentenpfarrer Hans Werners. Dieser empfahl ihm, „einfach mal anzufangen.“ Bünker studierte Theologie an den Universitäten in Münster und Tübingen, besuchte Vorlesungen und Seminare bei einem gewissen Professor Joseph Ratzinger, dem späteren Papst Benedikt XVI., vor allem aber bei dem bis heute von ihm verehrten Professor Hans Küng.

„Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit“, zitiert er sein Vorbild. „Küng“, sagt er, „hat die Theologie nach vorne gebracht, ist offen.“ Mit dem „Aggiornamento“, der von Papst Johannes XXIII. geforderten Öffnung der katholischen Kirche, um dieser den Dienst in der modernen Welt besser zu ermöglichen, mache Küng bis heute ernst. „Er hat mich während des Studiums am meisten geprägt. Er gibt mir theologisch am meisten für das, was heute wichtig ist und ansteht, für meine Arbeit und die Sicht der Menschen und der Welt“, sagt Bünker. So ist es kaum verwunderlich, das ein mit einer persönlichen Widmung versehenes Foto des Kirchenkritikers Bünkers Schreibtisch schmückt und dass in den Bücherregalen zahlreiche Werke des Schweizer Theologen stehen.

Wenn der Geistliche geradezu revolutionär anmutende Überlegungen anstellt, Sätze formuliert wie „Wenn nur noch wenige ehelos lebende Priester zur Verfügung stehen – ob es dann nicht ein Zeichen der Zeit ist, den Zugang zum Amt auch verheirateten Männern und Frauen zu öffnen?“, zeigt das auch, wie sehr ihn Küng geprägt hat. Angst, mit einer eigenen, mitunter vielleicht sogar unbequemen Meinung anzuecken, hat Bünker nicht: „Ich bin dem Evangelium verpflichtet, niemandem sonst und nicht irgendwelchen kirchlichen Dekreten.“

Alfred Bünker war gerade im zweiten Semester, als Papst Johannes XXIII. ein Konzil ankündigte: „Am Ende meines Studiums ging das Konzil zu Ende. Eine spannende Zeit“, blickt er auf die Jahre des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) zurück. Nach der Priesterweihe am 29. Juni 1965 durch Bischof Joseph Höffner war Alfred Bünker neun Jahre lang als Kaplan in Albersloh, Ibbenbüren, Bocholt und Bockum-Hövel tätig. Franz Kamphaus, der spätere Bischof von Limburg, damals im Priesterseminar tätig, bot Bünker, der einige Weiterbildungen in der Erwachsenenbildung vorzuweisen hatte, die Stelle des Militärpfarrers in Dülmen an. Zehn Jahre lang sollte Bünker Pastor für Soldaten und deren Familien in Dülmen und Coesfeld sein, ehe es ihn 1984 nach Milte verschlug. „Ich war damals 44 Jahre alt. So einen jungen Pastor hatten sie in Milte nie gehabt“, erinnert sich der Jubilar, der gleichzeitig die Stelle des Krankenhausseelsorgers in Warendorf antrat. Nach einer krankheitsbedingten Zwangspause kurz nach seinem 60. Geburtstag sei er „reaktiviert“ worden, erzählt Bünker, der zu seinem 70. Geburtstag endgültig emeritiert wurde. In Milte, wo er das Haus in der Brockstraße seit dem Tod seiner langjährigen Haushälterin Christa Deppe alleine bewohnt, sei er irgendwie „hängengeblieben“. Er halte noch Gottesdienste in Milte und Einen, übernehme ab und zu mal Besuche, halte sich aber im Übrigen aus der Pastoral ganz bewusst heraus, sagt Bünker, der sich an den Ruhestand gewöhnen musste. „Ich lese gerne und viel und unternehme kleine Fahrradfahrten“, erzählt der 75-Jährige, der sich jüngst vom Technik-Schnickschnack, der da PC heißt, verabschiedet hat. „Ich kann gut ohne“, kommentiert er diesen Befreiungsschlag. „Ich habe jetzt noch ein normales Telefon und eine elektrische Schreibmaschine. Als Pensionär kann ich mir das leisten.“ Am Samstagmorgen zelebriert Alfred Bünker noch einen Gottesdienst anlässlich einer Goldenen Hochzeit, ehe um 17 Uhr der Gottesdienst zu seinem Goldenen Priesterjubiläums in St. Johannes Baptist beginnt. Anschließend sind alle Gemeindemitglieder, Verwandte und Freunde zu einer Begegnung auf dem Kirchplatz eingeladen. „Ich lade alle zu Essen, Trinken und zum Zusammensein ein“, kündigt Alfred Bünker an.

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