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Politiker über Nutzungseinschränkung in der neuen Sporthalle geschockt

Keine Veranstaltungen nach 22 Uhr

Freckenhorst

In der neuen Sporthalle sollen nach der Vorlage der Verwaltung nur Veranstaltungen bis 22 Uhr möglich sein. Viele Politiker im Bezirksausschuss Freckenhorst äußersten ihr Unverständnis, denn der politische Wille sei ein anderer gewesen.

Von Ulrich Lieber

Auf dem Gelände der bisherigen Sporthalle soll auch die neue errichtet, aber auch neue Wohnbebauung geschaffen werden. Foto: Ulrich Lieber

Das Unverständnis waren vielen Politikern im Bezirksausschuss förmlich ins Gesicht geschrieben. Die neue Freckenhorster Sporthalle soll nach den Vorstellungen der Verwaltung lediglich bis 22 Uhr genutzt werden dürfen. „Sehr überrascht bin ich, dass für die acht bis zehn außerschulischen und sportlichen Veranstaltungen, die wir extra reserviert hatten, dass dort auch um 22 Uhr Schluss sein soll. Das ist für mich ein Hammer“, war Peter Marberg (SPD) sichtlich schockiert. Für diese Veranstaltungen müsse es eine Ausnahme geben, denn Musik- und Karnevalsveranstaltungen gingen gegen 22 Uhr erst richtig los. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Musikvereine dem explizit zugestimmt haben.“

Martin Richter (CDU)

„Es war ganz klar politischer Wille. Für mich gehört da eine Halle hin, in der man auch größere Veranstaltungen vor Ort machen kann. Das war politischer Auftrag, und das ist auch schon zugesagt worden. Wir haben lange darüber diskutiert“, zeigte sich auch Martin Richter (CDU) verärgert. Wenn das nun nicht so umgesetzt werde, habe man sich offensichtlich auf unterschiedlichen Wegen befunden. „Das ist soweit entfernt von dem, was wir politisch gewollt haben, dass wir die Offenlage für uns nicht beschließen können. Da muss nachgebessert werden.“

Doris Kaiser (CDU) konnte die Nutzungseinschränkungen ebenfalls nicht nachvollziehen. „Unsere Ausgangslage war seinerzeit, dass wir über die Personenzahl nachgedacht haben. Uns wurde gesagt, dass Sondergenehmigungen möglich sind. Ich stelle heute fest, dass das nicht möglich sein wird.“ Es habe damals ganz andere Voraussetzungen gegeben, unter denen die CDU zugestimmt habe. „Ich bin enttäuscht. Der politische Auftrag war ganz klar und wird hier nicht erfüllt.“ Freckenhorst benötige dringend eine Halle, die für größere Veranstaltungen genutzt werden könne.

Peter Marberg erklärte, dass er der Offenlage ebenfalls nicht zustimmen könne. „Wir sind da schon Kompromisse mit 200 Personen eingegangen. Es war immer klar, dass dort auch Veranstaltungen laufen sollen.“

Peter Marberg (SPD)

Die Diskussionen kamen auf, nachdem der Bebauungsplan „Östlich Everwordschule“ vorgestellt worden war. Stadtplanerin Julia Lückfeldt vertrat dabei Doris Krause und erläuterte den Plan, der unter anderem auch ein Kleinspielfeld im Norden, einem Plangebiet für eine Kita im östlichen Teil – dem derzeitigen Sportplatz – sowie Wohnbebauung vorsieht. Und genau da scheint der Knackpunkt zu liegen, denn mit einer nahen Wohnbebauung wird auch die Emissionsgrenze näher an die Sporthalle verlagert.

Bezüglich der Nutzung der Sporthalle sei im Vorfeld mit den Vereinen gesprochen worden. „Wir haben uns mit einigen Nutzern abgesprochen“, versicherte Julia Lückfeldt. Um 22 Uhr beginne der sensible Nachtzeitraum. Da spiele es keine Rolle, ob es eine oder 18 Veranstaltungen im Jahr wären, da dann die Emissionsverordnung greife. Sollten Veranstaltungen stattfinden, wäre aufgrund der Einschränkungen für den gesamten Bereich keine Entwicklung mehr möglich. „Wir haben die Rückmeldung von den Vereinen bekommen, dass die Halle maximal bis 21.30 Uhr genutzt werde.“

„Ich glaube nicht, dass Sie über das gleiche Thema geredet haben“, vermutete Marberg. Um 22 Uhr sei bei größeren Veranstaltungen um diese Zeit allerhöchstens Pause. „Über diese Veranstaltungen haben wir damals im Genehmigungsverfahren gesprochen.“ Marberg wollte wissen, ob sich die Restriktion nur auf die geplante, sondern auch auf die Ist-Bebauung beziehe.

Baudirektor Peter Pesch

Peter Pesch wies darauf hin, dass die Mitarbeiter, die das bearbeiten, derzeit leider nicht im Ausschuss seien. „Hier kann eine Turnhalle gebaut werden, aber keine Veranstaltungshalle.“ In Ausnahmefällen könne die Halle auch für Veranstaltungen genutzt werden, aber eben nur bis 22 Uhr. Es ginge nicht nur um die möglichen Neubauten, sondern um die Gemengelage zwischen Schule, Kindergarten und Wohnen. „Wir haben immer eine Güterabwägung zu machen.“ Es sei schließlich eine ziemlich zentrale Lage in Freckenhorst.

Ein Rückblick in den April 2018 bestätigt die Aussagen der Politiker. „Unser Ziel ist es, eine gute und umfassende Hallenlösung für Freckenhorst zu finden, eine geeignete Halle als Basis für ein integriertes Sport-/Bildungs- und Kulturzentrum. Eine Halle, die nicht nur den Sporttreibenden, sondern auch der Kultur und den Musiktreibenden eine neue Heimat gibt und die guten Ideen des OEK Freckenhorsts aufgreift“, sagte damals die SPD-Fraktionsvorsitzende Andrea Kleene-Erke. Die CDU hatte bereits im Februar 2018 zu einer öffentlichen Fraktionssitzung eingeladen und die Wünsche der Vereine aufgenommen. Andreas Uhkötter vom Orchesterverein meldete dort Bedarf für eine Mehrzweckhalle an, um auch mal vor heimischen Publikum spielen zu können.

Peter Pesch versprach schließlich, die Sache zu klären, und die Vorlage wurde bis zum nächsten Ausschuss zurückgestellt.

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