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Corona verändert den Alltag im Dechaneihof St. Marien

Keine Zeit für Depressionen

Freckenhorst

Die Corona-Krise hat auch den Alltag im Dechaneihof St. Marien gehörig durcheinander gewirbelt. Glücklicherweise sind weder Personal noch Hausbewohner erkrankt. Dafür dass die Zeit der Kontaktsperre zu Angehörigen und Freunden erträglich ist, sorgt ein abwechslungsreiches Freizeitprogramm, modernste Kommunikations-Technologie inklusive.

Joke Brocker

Lieselotte Thülemeier gehört zu den 92 Senioren, die im Dechaneihof St. Marien wohnen und liebevoll betreut werden. Foto: Dechaneihof St. Marien

145 Mitarbeiter, 92 Senioren, keine Corona-Erkrankungen, keine Quarantäne – eine Situation, um die mancher Kollege Andreas Schmidt, Leiter des Dechaneihofes St. Marien, gegenwärtig beneiden wird. Natürlich ist die Corona-Krise auch hier ein Thema, auch im Caritas-Seniorenheim wird die seit Ende März in allen Seniorenheimen Nordrhein-Westfalens geltende Kontaktsperre sehr ernst genommen. Angehörigen und Freunden ist der Zutritt verwehrt.

Dennoch: Traurig am Fenster sitzende Senioren, die ihren Liebsten nur zuwinken können, sieht man hier nicht. Andreas Schmidt und sein Team geben alles, um den im Haus lebenden Senioren die schwere Zeit so abwechslungsreich und schön wie möglich zu gestalten. Mit einem umfangreichen Freizeitangebot und ungewöhnlichen Angeboten, die die Isolation erträglicher machen.

Kontaktsperre bedeutet auch im Dechaneihof selbstverständlich nicht Ausgangssperre. „Unsere Bewohner sind jeden Tag draußen“, erzählt Andreas Schmidt. Sabine Wolff, Mitarbeiterin des Sozialen Dienstes nickt: „So viel frische Luft haben die Senioren noch nie gehabt.“ Bei den frühlingshaften Temperaturen vergehe kein Tag, an dem es nicht nach draußen in die Parkanlage gehe. Wo es natürlich auch immer wieder Neues zu entdecken gibt. So ist vor der Tür der generationsübergreifenden Tagespflege Poggen & Pöggskes, deren Räume zurzeit vom Dechaneihof mitgenutzt werden (die fünf Mitarbeiter der Tagespflege unterstützen gegenwärtig das Team des Dechaneihofes), eine kleine Skulptur entstanden, die drei Fröschchen auf einer Kugel zeigt und von Betreuungsassistentin Monika Tünte geschaffen wurde.

Gab es in den ersten Corona-Wochen noch wohnbereichsübergreifende Angebote, etwa den beliebten Stammtisch oder Kegelrunden, kommen die Senioren seit etwa 14 Tagen aus Sicherheitsgründen nur noch in kleineren Gruppen in den jeweiligen Wohnbereichen zusammen. Ein Angebot, das sie dort gerne nutzen, ist das Sturzprophylaxe-Training. Zum umfangreichen Freizeitprogramm gehört zudem das regelmäßige Singen mit Betreuungsassistentin Gitta Luhmeyer. Sabine Wolff und ihre Kollegin Jannine Binder schwärmen von Ukulele-Konzerten zweier Kolleginnen.

Beliebt seien auch die Kochgruppen, erzählt Sabine Wolff. Die Senioren dürften sich Gerichte wünschen, die man im zweimal jährlich abgestimmten Speiseplan vergeblich sucht. Chili con carne mit Spaghetti zum Beispiel.

Dass die Senioren nicht in Depressionen verfallen, ist nicht nur dem kurzweiligen Freizeitangebot, sondern auch moderner Kommunikations-Technologie zu verdanken. Gerade während der Osterfeiertage hat sich die Anschaffung eines Tablet bezahlt gemacht. Die Senioren, für die die Angehörigen jede Menge Blumensträuße und Ostereier abgegeben hatten – mehr als sonst, wie Sabine Wolff registriert hat – konnten mit Kindern und Enkeln skypen. Ein Angebot, das auch künftig immer montags von 15.30 Uhr bis 16.30 Uhr sowie nach Vereinbarung am Wochenende besteht. Sabine Wolff zieht dann von Zimmer zu Zimmer und hilft beim Skypen.

Getestet und für gut befunden hat das Team des Dechaneihofes außerdem die Kommunikationsapp myo. Über diese App können Mitarbeiter des Hauses Fotos, Videos, Textnachrichten oder Sprachaufnahmen an die Angehörigen schicken. Gerade für Angehörige demenziell erkrankter Bewohner, die sich nur eingeschränkt oder gar nicht mehr mitteilen könnten, sei es ein beruhigendes Gefühl, zumindest sehen zu können, dass es Mutter oder Vater gut geht. Die Angehörigen als Nutzer blieben Eigentümer der Daten, die nicht an Dritte weitergeleitet werden, betont Andreas Schmidt.

Jannine Binder erzählt von unzähligen Briefen und bunten Bildern, die an einer Tafel im Eingangsbereich des Hauses Platz gefunden haben und von den Senioren, wann immer sie den Eingangsbereich passierten, in Augenschein genommen würden. Für viel Freude hatte auch das „Wir-denken-an-Euch“-Banner der Kita Wichtelhöhle gesorgt, das eines Morgens vor dem Haupteingang lag und prompt einen Ehrenplatz erhielt.

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