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Grundlagen städtischer Strategie empfohlen

Klimaschutz ist eine Sache für alle

Warendorf

In Warendorf entsteht schon sehr viel Energie aus „Erneuerbaren“. Für den Klimaschutz soll aber mehr passieren.

Von Jörg Pastoor

Rechnerisch decken regenerative Energielieferanten wie Windanlagen 100 Prozent des Warendorfer Strombedarfs, sagt die Agentur „Energielenker“. Aber für den Schutz des Klimas und der Bevölkerung vor den Folgen von dessen Wandel sei viel mehr nötig.  Foto: Jörg Pastoor

Jeder Warendorfer hat 2018 satte 5,2 Jahrestonnen Kohlendioxid zuviel verursacht – 6200 Kilogramm. Nach den Vorgaben der Bundesregierung steht die künftige Größe des lokalen CO2-Abdrucks für Reiner Tippkötter fest: weniger als eine Tonne pro Jahr.

Damit hat das Geschäftsführungsmitglied der Grevener „Energielenker“ Dienstag im Mobilitäts- und Umweltausschuss eine Grundgröße für eine Strategie benannt, die für Warendorf in Peter Horstmann Augen eines der wichtigsten, „wenn nicht des wichtigsten Themas der Zukunft“ betrifft: Klimaschutz und -anpassung. „Wir müssen da das Tempo deutlich erhöhen“, erinnerte der Bürgermeister an die aktuellen Ausführungen von Bundesumweltminister Robert Habeck über die Verfehlung bundesdeutscher Klimaschutzziele.

In Warendorf sieht das besser aus. Der Strombedarf werde – gemessen an den angeschlossenen Leistungen von Anlagen zur Erzeugung aus regenerativen Energien – schon zu 100 Prozent gedeckt.

Bei der Senkung des Kohlendioxid-Ausstoßes sei aber noch viel zu tun, so Reiner Tippkötter weiter: Stärkung des Rad- und Fußgängerverkehrs, mehr Angebote wie das der Bürgerbusse, das bei der Jury zum European Energy Award zu zweifacher Nachfrage geführt habe, ob Warendorf wirklich so viele Linien habe? „Das haben nicht viele“, urteilte Tippkötter. Doch der Gutachter forderte auch weitere konsequente Entwicklungen.

Konsequente weitere Schritte gefordert

Und wie? Tippkötter hat verschiedene Denkmodelle für Warendorf berechnet. Wasserstoff etwa werde im Verkehr, in der Produktion und der Wärmeerzeugung eingesetzt. Allerdings verhinderten die Kosten für Herstellung und Transport des Gases wegen des enormen Strombedarfs den weiteren Ausbau der Versorgung aus den „Erneuerbaren“.

Eine verstärkt auf Strom als Hauptenergiequelle ausgerichtete Versorgungsstrategie habe noch eine Versorgungslücke. Ergänzt durch umfassende Gebäudedämmung, mehr Photovoltaik- und Solarthermienutzung, Strom aus Biomasse und die Nutzung synthetischer Brennstoffe statt fossilen Gases hält Reiner Tippkötter für die beste Warendorfer Energie-Strategie. Das sei realistisch, realisierbar – aber nur, wenn alle Mitbürger mitgenommen, also auch zu privaten Investitionen überzeugt werden könnten. Ohme klappe es nicht; es gebe aber starke Partner: „Seien Sie froh, dass Sie ein Stadtwerk haben!“

Bürgermeister Peter Horstmann

Alle Fraktionssprecher dankten Tippkötter für seine komplexen Aussagen. Alfons Havelts (CDU) Zweifel an der Grundlast-Tauglichkeit der Regenerativen bei Dunkelheit und Flaute gab der Experte Recht, aber die Durchschnittswerte passten schon. und ja: Man müsse durch Träger wie Biomasse dafür sorgen, dass auch bei „Dunkelflaute“ stets genug verlässliche Abdeckung da sei.

Andreas Hornung (SPD) fand die vorgestellten Em­­pfehlungen spannend, fragte sich aber, ob ein derart anspruchsvolles Konzept mit den personellen Kapazitäten der Verwaltung überhaupt machbar sei – wenn schon ein vergleichsweise kleineres wie die Neuordnung des ruhenden Verkehrs noch immer auf sich warten lasse. So oder so: Die Diskussion über das künftige Energiekonzept der Stadt ist eröffnet.

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